Robotik in der Schule
Auf der Roboter-Olympiade

Bodensensor
Bodensensor | © Goethe-Institut Italien | Foto: Lorenzo Grillo

Eine Drohne, die Bienen beim Bestäuben von Pflanzen unterstützt, ein Mini-Roboter, der den Feuchtigkeitshaushalt des Bodens analysiert und bei Bedarf bewässert, ein schwimmender Roboter, der Meerwasser von Erdölverschmutzung säubert. Nein, wir befinden uns hier weder auf einer Hightech-Messe, noch in der Szene eines Science-Fiction-Films, sondern auf der italienischen Robotik-Olympiade für Oberstufenschüler*innen.

Von Christine Pawlata

An dem Wettbewerb, finanziert vom italienischen Bildungsministerium und organisiert von der Organisation „Scuola di Robotica“, können Schulen aus ganz Italien gratis teilnehmen. „Es geht darum, Roboter zu bauen, die im Wasser, in der Luft und auf der Erde agieren, um den Planeten zu retten“, erklärt Emanuele Micheli. Er ist der Direktor der „Scuola di Robotica“, die sich hauptsächlich mit der Ausbildung von Lehrer*innen im Bereich der Robotik und der künstlichen Intelligenz beschäftigt.

Roboter als Retter des Planeten

„Bei der Robotik-Olympiade entwickeln Studenten und Studentinnen Prototypen von Robotern, die den Menschen und der Umwelt helfen, das Leben auf unserem Planeten zu verbessern“, so Micheli.
 
In den letzten Jahren fand die letzte Phase der Olympiade in der Hafenstadt Genua statt. Pandemiebedingt übersiedelte jedoch die gesamte Veranstaltung in den digitalen Raum. Das war für die Technologie-Expert*innen kein großer Aufwand, erklärt Micheli: „Die erste Phase war immer schon digital, damit war es für hunderte Schulen in ganz Italien möglich, Online-Schulungen zu erhalten. Zusammen mit dem Ministerium haben wir eine Plattform erstellt, auf der sowohl Schüler*innen lernen können, als auch ihre Lehrer und Lehrerinnen als Team-Coaches ausgebildet werden.“ 
 
Nach einer Vorauswahl geben Expert*innen den 30 Finalist*innen des Wettbewerbs ein speziell auf sie zugeschnittenes Training. Die Olympiade gipfelt in einem acht Stunden langen Robotik-Marathon, in dem sich Redner*innen aus der Welt der Wissenschaft, Innovation und Industrie mit den Schüler*innen abwechselten: „Wir haben die Schüler und Schülerinnen gezielt auf die Präsentationen ihrer Ideen vorbereitet. Sie haben einen wirklich großen Eindruck hinterlassen“, erzählt Micheli.

Roboter-Bienen und intelligente Bewässerung

Die Enrico-Fermi-Schule in der Stadt Vibo Valentia im Süden Italiens ist die Gewinnerin in der Kategorie „Erde“ der Olympiade von 2020.  Die Schüler*innen des Instituts entwickelten zwei Prototypen für den Wettbewerb. „Wir haben uns zuerst überlegt, welches Umweltproblem zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, da kamen wir auf das Bienensterben“, erklärt Lorenzo Grillo, Leiter des Gewinner-Teams. „So haben wir den ‚Bee-bot‘ entwickelt, eine intelligente Roboter-Biene, die Blütenstaub auf Pestizide analysiert, die schädlich für Bienen sind.“ 
 
Die Olympiade gewannen die Schüler*innen mit dem Prototypen ‚Green Bot‘: „Dieser Roboter hat sowohl einen Sensor, der nach Radioaktivität im Boden sucht als auch einen Sensor, der die Sonnenstärke analysiert. Bei einer Temperatur von über 25 Grad aktiviert der Roboter ein Ventil, das den Boden bewässert.“ 
 
Lorenzo Grillo und seine Teamkolleg*innen haben durch ihre Teilnahme an der Olympiade nicht nur neue technologische Kenntnisse erworben. Das Projekt habe auch ihre Kompetenzen im Bereich der Kommunikation und Teamarbeit erweitert, und damit ihr Selbstvertrauen gestärkt, so Grillo.
 
Lorenzo Grillo erzählt, dass die Robotik-Olympiade sein Leben geprägt habe. Nach seinem Abitur, das er letztes Jahr gleichzeitig mit der Olympiade absolvierte, beschloss er Künstliche Intelligenz an der Universität Kalabrien zu studieren. 
 
„Vor diesen Olympischen Spielen hatte ich noch nie ein System der künstlichen Intelligenz entwickelt. Zu sehen, dass das funktioniert, eine Intelligenz, die für sich selbst denkt, Pflanzen erkennt und über ihre Entscheidungen kommuniziert, das war einfach großartig“, erinnert sich der Student begeistert.

Schulen und die technologische Revolution 

Laut dem Organisator der Robotik Olympiade Emanuele Micheli spielen Robotik und Innovation in den italienischen Schulen eine immer größere Rolle. Dafür müsse man intensiv in die Ausbildung des Lehrpersonals investieren: „Die Schule verändert sich durch die tausenden visionären Lehrer*innen, die ihre Zeit und Leidenschaft in den Unterricht investieren. Wir Experten von der Scuola di Robotica müssen unser Wissen und Expertise mit dem Lehrpersonal teilen. Denn die Revolution wird nicht von Experten gemacht, sondern von den Lehrern und Lehrerinnen und ihren Schülern und Schülerinnen.“

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