Schaufenster Berlin
Die Arbeit einer Schulbibliothekarin während des Lockdowns

Zeichnung von Mario, 7 Jahre, Finow-Grundschule / Europa-Schule
Zeichnung | © Mario, 7 Jahre, Finow-Grundschule / Europa-Schule

Die Schulbibliothekarin Maura Leacche betreut die Roberto-Piumini-Bibliothek der Finow-Grundschule und Europa-Schule, an der auf Italienisch und Deutsch unterrichtet wird. Sie lebt seit 2004 in Berlin. In den Tagen vor der Schließung versorgten sich die Schülerinnen und Schüler mit Lesestoff, unter anderem auch mit Bilderbüchern. Viele der Titel hatte die Bibliothek erst kürzlich angeschafft, dank einer Kooperation mit dem Verein Bocconcini di Cultura e. V. und der Unterstützung durch das italienische

Von Giulia Mirandola

Wie haben die Kinder und Eltern auf die Nachricht von der fünfwöchigen Schließung der Schulbibliothek reagiert?

Alle haben vorausgesehen, dass es sehr hilfreich sein würde, gute Lektüre zu Hause zu haben. Die Bibliothek hat eine Ausnahme gemacht und mehr Titel pro Person verliehen als sonst. Manche Kinder haben jeweils zehn Bücher mitgenommen, aber es gab auch viele Eltern, die sich mit italienischer Literatur für Erwachsene eingedeckt haben. Eine Mutter hat die Bibliothek mit zwei Einkaufstüten voller Bücher verlassen. Unser Motto „Lesen macht Spaß” gilt für alle Familienmitglieder!
 
Was stimmt dich besonders froh, wenn du an die letzten Öffnungstage zurückdenkst?

Ende 2019 und Anfang 2020 hatte die Bibliothek 200 neue Titel erworben, dank der Kooperation mit dem Verein Bocconcini di Cultura e. V. und der Unterstützung durch das italienische Außenministerium. Es freut mich, dass wir nun neben den älteren Beständen diesen kleinen Schatz anbieten konnten: Bilderbücher, populäre Wissenschaftsbücher, Kamishibai-Erzähltheater, Spielkarten und vor allem viel erzählende Literatur für alle Altersgruppen unserer Schule. Am 27. März hätte die neue Bibliotheksausstattung mit einem Bücherfest gefeiert werden sollen.
 
Wie laufen nun Arbeit und Alltag bei dir zu Hause ab?

Wir sind alle zu Hause: mein Mann, unsere sieben und neun Jahre alten Töchter und ich. Ich habe das Gefühl, mich auf dem Höhepunkt meiner Multitasking-Fähigkeiten zu befinden, meine beiden Rollen als Bibliothekarin und Mama fordern mich intensiver als vorher. Ich habe entdeckt, dass ich im Homeoffice eine überfällige Aufgabe angehen kann, der ich mich nie mit der nötigen Konzentration widmen konnte: die Vervollständigung der Bibliotheksdatenbank. Gleichzeitig genieße ich das Familienleben.
 
Was siehst du im praktischen Leben gerade als Vorteil, und was als Nachteil?

Am meisten fehlt mir die klar definierte räumliche und zeitliche Einteilung. Noch dazu wollten wir eigentlich eine Woche vor Schließung der Schulen zwei Kätzchen bei uns aufnehmen. Zum Glück haben wir uns eine Woche Bedenkzeit genommen, und nun ist es eine große Erleichterung, dass sie nicht hier sind! Wir werden das machen, aber erst wenn sich die Situation normalisiert hat.
 
Wie kann man jetzt aus der Entfernung das Lesen fördern?

Ich glaube, dass digitale Angebote uns momentan weiterhelfen, und wir sie daher nutzen sollten. Auf der Seite des Fördervereins habe ich eine Liste mit digitalen Angeboten veröffentlicht, die ich empfehlenswert finde, und ich stelle dort die Bücher vor, die mit dem Leipziger Lesekompass 2020 ausgezeichnet wurden. Mithilfe der Tuurio-App, zu der nur die Eltern Zugang haben, habe ich sofort alle Familien eingeladen, sich das digitale Angebot des Verbunds der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) und den Blog des Fördervereins unserer Schule anzusehen.
 
Was bleibt deiner Meinung nach von den Aktivitäten, die nun aus der Not heraus entstehen?

In diesen Wochen hat meine Tochter ihre erste Mail geschrieben, und wir haben einen geschützten persönlichen Account für sie angelegt. Für sie und ihre Schulkameraden ist das eine Art Alphabetisierung. Ich hoffe, dass wir in der Lage sind, einige geeignete Elemente dieser etwas abrupten, durch die Umstände diktierten Digitalisierung beizubehalten. Dass wir unsere Arbeitsweise und Kommunikation mithilfe der Technik verbessern können, auch unabhängig von der Krise.
 
Welche wichtigen Termine musstest du absagen?

In der Woche der Schulschließungen hätte „Lese(lern)ort Schulbibliothek” stattfinden sollen, eine Veranstaltung, die sich der Rolle der Schulbibliotheken widmet. Organisiert wird die Reihe vom Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) und der Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg (AGSBB). Für den 27. März war, wie bereits erwähnt, das Bücherfest geplant. In den ersten Apriltagen wären wir außerdem am Lesefest beteiligt gewesen. Das ist eine der Literatur gewidmete Kooperation der zwei Berliner Europa-Grundschulen mit italienischem Zweig: der Finow-Grundschule in Schöneberg und der Herman-Nohl-Grundschule in Britz. Alles abgesagt.
 
Wann wird die Roberto-Piumini-Bibliothek wieder öffnen?


Nach den Osterferien, am 20. April.

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