175 km
Borbála Nagy

175 km – Moodboard © Goethe-Institut / dffb

Ein Film von Borbála Nagy
175 km

Synopsis

Ein Grenzjäger an seinem ersten Arbeitstag an der ungarischen-serbischen Grenze. Eine negative Entwicklungsgeschichte.

Alpár war immer ein devoter Junge. Er ist jetzt 22 und fängt grade an bei den Grenzjägern zu arbeiten. Seine Aufgabe ist es, den Zaun zu überwachen, welcher an der ungarisch-serbischen Grenze errichtet wurde, um die Flüchtlinge davon abzuhalten, nach Ungarn zu kommen. So wird die Arbeit der überforderten Polizei unterstützt.

Der Film erzählt Alpárs ersten Arbeitstag: Wie er versucht, seine Aufgeregtheit zu überspielen, wie er dabei von den erfahreneren Kollegen zuerst eingeschüchtert, dann doch eingeweiht wird. Währenddessen werden seine heldenhaften Vorstellungen mit der desillusionierenden Realität an der Grenze konfrontiert.

Hintergrund

In Ungarn fing die Propaganda gegen die Flüchtlinge im Frühling 2015 an, als die Regierung eine Plakatkampagne organisierte. Auf riesigen Plakatwänden konnte man folgende Schriften lesen: „Wenn du nach Ungarn kommst, musst du unsere Traditionen respektieren.“ „Wenn du nach Ungarn kommst, darfst du die Arbeit der Ungarn nicht wegnehmen.“ Alles auf Ungarisch. Die potentiellen Empfänger der Kampagne waren anscheinend nicht die Flüchtlinge.

Als im Sommer 2015 die Flüchtlinge tatsächlich ankamen, herrschte im Land schon überall Angst. Die verantwortlichen Organe hätten sich mit einer Infrastruktur vorbereiten können, aber das Bild von den Massen der völlig übermüdeten und verzweifelten, deswegen teilweise auch aggressiven Flüchtlingen an der Grenze, hat die Hasskampagne besser bedient. Es wurde ein 175 Kilometer langer Zaun an der ungarisch-serbischen Grenze errichtet. Die ungarische Regierung entwickelt diesen Zaun immer weiter und rekrutiert im Moment 3.000 Grenzjäger. Obwohl an der Grenze zur Zeit Stille und Ruhe herrscht.
 
  • 175 km – Moodboard © Goethe-Institut / dffb

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Technische Daten

Regie: Borbála Nagy |  Kamera: Constantin Campean | Produktion (Deutschland): Luise Hauschild | Produktion (Ungarn): Bianka Marity | Produzent: Goethe-Institut / dffb | Auswertung: Internationale Festivals

Dauer: 10’ | Drehzeitraum:  27.–31. Januar 2017 | Drehort: ungarisch-serbische Grenze | Kamera: Arri SR3 | Format: 1:1,85
 

Directors Note

Alpárs Geschichte dient zur Darstellung des Entmenschlichungsprozesses. Er eignet sich den instinktiven Schutzmechanismus seiner Kollegen schnell an, indem sich sein Feindbild verwandelt. Da es viel einfacher ist, statt einzelnen Individuen eine homogene Menschengruppe zu sehen. Mit diesem Film möchte ich die Aufmerksamkeit an den Rand der Europäischen Union lenken, wo die Absurdität der humanitären Katastrophe kulminiert. Sinn und Zweck des Zauns soll der Schutz vor weniger europatauglichen Kulturen sein. Aber die Schäden, die er hinterlässt, sind beharrlich und unübersehbar. Der Hass bleibt, auch wenn die Flüchtlinge schon lange fort sind.
 

MOTIVATION

Bori Nagy

In meiner Heimat Ungarn fing die Propaganda gegen die Flüchtlinge im Frühling 2015 an, als die Regierung eine Plakatkampagne organisierte. Auf riesigen Plakatwänden konnte man folgende Schriften lesen: „Wenn du nach Ungarn kommst, musst du unsere Traditionen respektieren.“ „Wenn du nach Ungarn kommst, darfst du die Arbeit der Ungarn nicht wegnehmen.“ Alles auf Ungarisch. Die potentiellen Empfänger der Kampagne waren anscheinend nicht die Flüchtlinge, sondern Ungarn, die sich gegen eine Menschengruppe wenden sollten; ein Feindbild sollte geschaffen werden, in welchem das einzelne Individuum nicht zählt. In meinem Kurzfilm 175km versuche ich diesen Entmenschlichungsprozess, der mit der Abgrenzung und Ausgrenzung einhergeht, an der Geschichte eines jungen Grenzjägers darzustellen.
 

Constantin Campean

Bori’s Idee, die Absurdität der ungarischen Grenzpolitik durch die Perspektive eines jungen Grenzsoldaten aufzuzeigen, faszinierte mich von Anfang an. In Zeiten von Grenzschließung und Nationalismus kann das Medium Film in besonderer Weise die Widersprüche dieser Politik und den Verlust von Empathie darlegen und aufzeigen.
 

Luise Hauschild

Der Entmenschlichungsprozess der flüchtenden Menschen, der in Bori’s Geschichte aus der Sicht eines Wachsoldaten dargestellt wird, ist für mich eine Entwicklung, die seit einiger Zeit in unserer Gesellschaft in Europa und Deutschland Raum und Akzeptanz gefunden hat. Im Angesicht der scheinbar drohenden Masse an Menschen, die Zuflucht und Hoffnung suchen, spaltet sich unsere Gesellschaft in „Überfluss teilen“ oder „etwas Abgeben müssen“, in Empathie und Egoismus. Wie stark die Angst um die eigene wohlbehütete Existenz ist und wie erfolgreich die darauf basierende Propaganda fruchtet, zeigt sich an der Grenze in Ungarn. Mehr als je zuvor muss einem solchen Verlust an Empathie dem Leid anderer gegenüber in unseren Medien und in der Kommunikation der Politik in Europa entgegengewirkt werden mit Projekten wie dem des Goethe Instituts und unserem Film.

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