Literarische Partnerschaften

Im Deutsch- und Italienischunterricht während des Schuljahres mit der Partnerklasse Bücher der Jugendliteratur in der Originalsprache zu der gleichen Thematik lesen. Die eigenen Fremdsprachkenntnisse erweitern, während des Schuljahres kleinere Projekte gemeinsam entwickeln und bei dem gegenseitigen Schulbesuch ein größeres Projekt zu den Büchern in der eigenen Schule vorstellen – ein bewährtes Erfolgsrezept.

Das Goethe-Institut hat die Jugendbuchexpertinnen Doris Breitmoser und Anna Patrucco Becchi beauftragt, Jugendbücher für alle Altersgruppen im Tandem zusammenzustellen. Lassen Sie sich inspirieren!
 

Die Expertinnen

 Doris Breitmoser
Die Diplom-Kulturwirtin Doris Breitmoser studierte an den Universitäten Passau und Parma. Seit 1997 ist sie beim Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. in München tätig und seit 2002 hat sie dort die Geschäftsführung inne.

 Anna Petrucco Becchi
Nach dem Studium der Philosophie, Italianistik und Germanistik in Genua und Saarbrücken ist Anna Patrucco Becchi als Übersetzerin, Lehrerin und Schulbibliothekarin tätig gewesen. Sie hat mehrere Essays u. a. über die Reiseliteratur des 18. Jahrhunderts, Elsa Morante, Dino Buzzati und Astrid Lindgren geschrieben.
Von 2008 bis 2012 war sie Redakteurin der Monatszeitschrift Andersen. Il mondo dell’infanzia. Anna Patrucco Becchi arbeitet als Übersetzerin, Verlagsberaterin, Publizistin und Literaturagentin im Kinder- und Jugendbuchbereich.

Die Bücher im Tandem

Grundschule

Alles Familie!

 „Die Familie ist die erste und wichtigste gesellschaftliche Institution, die Kinder kennenlernen. Doch diese Lebensgemeinschaft hat viele Gesichter. Zum einen gibt es natürlich noch die ganz „normale“ Familie mit Vater, Mutter und Kind. Neben dieser immer noch häufigsten Familienform aber gibt es eine Fülle von anderen Konstellationen und familiären Netzen (...). In diesem Sachbilderbuch über Familien in Gegenwart und Vergangenheit, in Deutschland und anderswo, regiert ein Humor, der das emotionsbesetzte Thema auf die richtige Weise angeht. Der Blick reicht von Alleinerziehenden bis zur Großfamilie, von Patchwork-Familien zu den Vor- und Nachteilen des Einzelkind- und Geschwisterdaseins, von Vater-Vater-Kind- und Mutter-Mutter-Kind-Familien bis zu binationalen Familien, Witwern, Waisen, Heim- und Adoptivkindern und sogar kinderlosen Familien – alles kommt in diesem Panorama zur Sprache und ins Bild. Mit leichterer Hand als vom Team Maxeiner und Kuhl hat man selbst so kontroverse gesellschaftliche Themen wie Leihmutterschaft oder Regenbogenfamilien zuvor noch nicht inszeniert gesehen. Und dass es nicht immer harmonisch oder kinderfreundlich zugeht, verschweigt das Sachbilderbuch nicht (...)
Der Text überzeugt mit seinen kurzen, prägnanten und konzise formulierten Sätzen, (...) durchzogen von einer großen Leichtigkeit und einem sensiblen Humor. (...) Anke Kuhls Zeichenkunst, besonders ihr kecker Strich, überzeugen. (...) “
[Jurybegründung, Deutscher Jugendliteraturpreis 2011]

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Das Buch ist durchgehend im Präsens gehalten, mit Ausnahme vereinzelter kurzer Rückblicke zu Familienkonventionen in der Vergangenheit. Das Textverständnis wird unterstützt durch karikaturartige Illustrationen und die humorvolle Herangehensweise. Grundschüler können sich wieder erkennen und in Gruppenarbeit ihre Wunschfamilie zusammenstellen, Rollen verteilen, und eine Abbildung zur Familienkonstellation erstellen. Siehe hierzu auch auch Praxiskonzept und Material zum Download .


Alles Familie! : Alexandra Maxeiner / Anke Kuhl (Ill.)
Klett Kinderbuch 2010, 32 S., € 13.90, ab 4 Jahren

Quante famiglie!

 Das Bilderbuch macht Kinder mit dem Begriff Familie vertraut und bietet ein breites Bild von möglichen Formen des Zusammenlebens. Nach und nach kommen einzelne Kinder zu Wort. Die unterschiedlichen Familienkonstellationen, die sie uns vorstellen, lassen doch alle erkennen, dass die reinen Verwandtschaftsbeziehungen oft durch Beziehungen, die auf Liebe und menschliche Zuneigung beruhen, erweitert werden können. Jede Familie ist ein Baum des Lebens. Dies gilt sowohl für traditionelle Kernfamilien als auch für Patchwork- und Regenbogenfamilien, sowie für multikulturelle und multiethnische Familien oder für Familien mit nur einem Elternteil. Es gibt eheliche Kinder, adoptierte Kinder oder Pflegekinder; es gibt wirkliche Großeltern, aber auch solche, die man sich selber aussucht und doch genauso lieben kann. Das, was in einer Familie am Ende wirklich zählt, ist dass man sich lieb hat.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Nach der Lektüre des Buches erzählen alle Kinder im Kreis von der eigenen Familie. Jedes Kind bereitet dann Karten vor, auf die es die Mitglieder seiner Familie malt. Auf die Rückseite jeder Karte schreibt es den Verwandtschaftsgrad, den Namen, den Beruf, die äußeren Eigenschaften und die Charaktermerkmale. Die Karten werden dann der Klasse gezeigt und auf einem Tisch ausgelegt. Nun kann sich jedes Kind die eigene ideale Familie zusammenstellen und der Klasse vorstellen. Das Buch bietet sich auch für Projekte rund um das Thema Stammbaum an. Zu Hause werden die Kinder von den Eltern die notwendigen Informationen bekommen, um ihren Stammbaum zu rekonstruieren. Dieser kann wie im Buch als richtiger Baum gezeichnet und entweder mit gemalten oder mit fotografischen Portraits der Familienmitglieder geschmückt werden. Das Buch gibt IaF-SchülerInnen die Möglichkeit, den Umgang mit den Vokabeln des Wortfelds Familie (Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Tante, Onkel, Großmutter, Großvater, Cousine, Cousin usw.) und das Berichten über sich selbst zu üben.

Quante famiglie! : Pico Floridi / Amelia Gatacre (Ill.)
il Castoro 2010, 32 S., € 13.50, ab 4 Jahren
 
Stark wie ein Bär

Stark wie ein Bär © Aladin Für dieses genial einfache Buchprojekt erhielt Katrin Stangl das Troisdorfer Bilderbuchstipendium. Das Bilderbuch überzeugt mit einem stimmigen Gesamtkonzept, eingängigen Versen und seinen bestechenden, flächigen, stark farbigen und prägnanten Illustrationen. Ausgehend von zwei Siebdrucken, die die Künstlerin für das Kinderzimmer ihrer Tochter anfertigte („Stark wie ein Bär“ und „Schlau wie ein Fuchs“) entwickelte sie insgesamt 26 Bildtafeln zu gängigen Redewendungen, bei denen Vertretern der Tierwelt bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden. Dank Katrin Stangls spezieller Drucktechnik erstrahlen die hintersinnigen Bilder in intensiven Farben; sie helfen, sich die Redewendungen bildhaft vorzustellen und sie sich dauerhaft einzuprägen.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Das Buch kommt ohne Verben aus. Es arbeitet pro Seite bzw. Doppelseite mit einer Redewendung, z.B. Frei wie ein Vogel, und deren bildhafter Umsetzung. So erschließen sich spielerisch zahlreiche Tierbezeichnungen, Adjektive und der idiomatische Gebrauch beider in Kombination. Ein Vergleich mit analogen Redewendungen im Italienischen bietet sich an; die Schüler können weitere Redewendungen suchen und selbst ins Bild setzen etc.

Stark wie ein Bär : Katrin Stangl
Aladin 2013 (erstmals Carlsen 2011), 32 S., € 12.90, ab 4 Jahren
it. Übers.:
Forte come un orso: Giulia Mirandola
Topipittori 2013, 40 S., € 15.00


Io fuori io dentro

Io fuori io dentro Lapis Das Bilderbuch führt uns durch einige alltägliche Ereignisse im Leben eines Kindes, wobei dessen äußere und innere Wahrnehmung beschrieben wird. Im Kind werden viele unterschiedliche Gefühle geweckt. Sei es wenn die Mama ihm einen Kuss gibt oder mit ihm schimpft, sei es wenn es einen Wettkampf gewinnt, sich vor etwas fürchtet, sich über etwas ärgert, sich mit jemandem wieder verträgt oder familiäre Zuneigung genießt. Mal sind es schöne und aufmunternde, mal sind es bedrückende und traurige Empfindungen, doch jede davon ist wichtig und wertvoll. Einfache Sätze beschreiben die äußeren Ereignisse, während die viel intensivere innere Gefühlwelt einzig durch Bilder dargestellt wird. Das Buch lädt also dazu ein, die eigenen Emotionen zu erkunden, zu deuten und mit eigenen Worten auch bildhaft zu erfassen, wie auf dem Rückdeckel suggeriert wird: „Wenn mich die Mama küsst, lächle ich und schließe meine Augen. Aber in meinem Inneren ... da wachsen mir Flügel und ich fliege immer höher. Wenn ich mich ärgere, verstumme ich und schmolle. Aber in meinem Inneren ... bin ich eine angezündete Rakete, die superschnell hochzischt! Das Buch ist von extremer Einfachheit und gerade deshalb bestens geeignet, von Kindern mit elementarsten Sprachkenntnissen gelesen zu werden.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Das Bilderbuch regt die Kinder dazu an, die eigenen Gefühle bildhaft zu beschreiben und vermittelt einen elementaren Wortschatz zur Gefühlswelt. In der Klasse wird man gemeinsam über weitere mögliche Gefühle nachdenken, z. B. Langeweile, Ungeduld, Aufregung, Fröhlichkeit usw., wobei man den italienischen Wortschatz bezüglich dieses Bedeutungszusammenhangs erweitern wird. Danach können die Kinder versuchen,diese Gefühle bildhaft zu beschreiben („Wenn ich mich langweile, da bin ich ...“) und auch in Bilder umzusetzen (sie sollten dafür die Farben verwenden, die ihrer Meinung nach am besten zu der jeweiligen Gefühlslage passen).
 

Io fuori io dentro: Cosetta Zanotti / Anton Gionata Ferrari (Ill.)
Lapis 2009, 38 S., € 11.00, ab 3 Jahren

Flugsaurier – Gaulfriseur, Tierische Anagramme

Flugsaurier – Gaulfriseur, Tierische Anagramme Hinstorff
„Ein Anagramm ist ein neues Wort, das sich aus den Buchstaben eines anderen Wortes zusammensetzt“, so die Einführung für die jungen Leser dieses herrlich komischen Bilderbuchs. Insgesamt 21 Anagramme zu Tierbezeichnungen gibt es auf je einer Doppelseite zu entdecken. Der Witz besteht darin, dass die teils abenteuerlichen Kreationen ironisch gebrochen ins Bild gesetzt werden. Zu Rotkehlchen / lehrt Kochen etwa präsentiert Jens Bonnke im Rahmen eines Fernsehers eine Art Kochshow, bei der zwei Vögel munter Maden, Raupen und andere Krabbeltiere in die Suppe geben. Oder er flankiert Afrikanischer Elefant / frech ins Karate-Finale mit einem Elefanten im Karateanzug mit schwarzem Gürtel, der dreist den Gegner zu Fall bringt, denn der Pokal lockt. Das Buch verleiht dem Begriff Sprachspielerei völlig neuen Glanz. Aus den tierischen Ausgangsbegriffen werden mit Hilfe des Anagramms ganze Geschichten erzählt und neue Sinnzusammenhänge hergestellt. Der Spaß an diesem Nonsens lädt dazu ein, selbst schöpferisch aktiv zu werden.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Dieses Buch bietet sich dazu an, den DaF-Unterricht zwischendurch aufzulockern und einen spielerischen Zugang zur Fremdsprache zu schaffen. Denkbar wäre, ein Anagramm pro Woche als Motto im Klassenzimmer auszustellen. Die beeindruckenden Illustrationen und der sorgfältig geletterte Text wirken auch in einer großen Farbkopie. Oder mit dem aufgeklappten Buch ließe sich je eine Doppelseite in einer Vitrine präsentieren. So bleibt die Spannung, was das Buch noch an weiteren Anagrammen zu bieten hat. Inzwischen können sich alle darin ausprobieren, noch weitere Anagrammlösungen zum Tier der Woche zu finden. Alternativ ließe sich nur die Abbildung mit dem Ausgangsbegriff in die Klasse geben. Diese hat dann eine Woche Zeit, selbst nach Anagrammen zu suchen.
 

Flugsaurier – Gaulfriseur : Jens Bonnke / Stefanie Urbach (Ill.)
Hinstorff 2011, 48 S., € 14.95, ab 8 Jahren

La gazza rubina

La gazza rubina © Feltrinelli Im Mittelalter glaubte man an die Existenz eines listigen Fehlerteufels namens Titivillus, der den unaufmerksamen Schreibern Buchstaben und Silben entwendete. Diebisch ist hier dagegen, entsprechend einer anderen Tradition, eine Elster. Sie fliegt mit einem Buchstaben im Schnabel weg und schon entsteht ein neues Wort: aus “lampioni” (Straßenlaternen) werden “lamponi” (Himbeeren), aus “macchina” (Auto) wird “macchia” (Fleck), aus “pianeta” (Planet) “pineta” (Kiefernwald), aus “piazza” (Platz) “pizza” usw. Der Leser blättert um, entdeckt das Ergebnis des Diebstahls und wie dieses Anlass zu sonderbaren und komischen Situationen geben kann, die Bezug nehmen zu den Lieblingsthemen der Kinder (Tiere, Natur, Märchen, Essen, Abenteuer). Mit ihrer Buchstabenbeute geht die Elster dann zu einem anderen Sprachspiel über und fängt an, phantasiereiche Anagramme zu bilden. Sie kreiert surrealen Nonsens (“un'oca di arabi”) ebenso wie elegant gewählte Ausdrücke (“audaci baroni”), bis es zum überraschenden Finale kommt.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Das Buch motiviert zur Veranstaltung eines kleinen Sprachspielworkshops. Zunächst soll jedes Kind der Klasse alle Buchstaben des italienischen Alphabets in großer deutlicher Druckschrift auf einen Karton schreiben, sie einzeln ausschneiden und auf einen Tisch in der Mitte des Raumes legen. So hat man eine große Anzahl an Buchstaben zur Verfügung. Die Kinder sollen die Vokale und die Konsonanten voneinander trennen und auf unterschiedliche Haufen legen. Dann soll ein Kind zum Tisch gehen und einige Buchstaben nehmen um ein Wortpaar zu bilden. Das zweite Wort soll sich vom ersten allein dadurch unterscheiden, dass ein Buchstabe fehlt, hinzugefügt wurde oder anders ist. Nach und nach werden alle Kinder dran kommen und man wird drei Gruppen bilden, je nach Art der Wortveränderung (durch Wegnahme, Hinzufügung, bzw. Änderung eines Buchstaben). In jeder Gruppe wird jedes Kind sein Wortpaar vor sich hinlegen. Danach werden alle Buchstaben gesammelt, welche die Gruppenmitglieder weggenommen, hinzugefügt oder geändert haben. Damit sollen die Kinder neue Wörter und daraus Anagramme bilden. Da die Kinder die Fremdsprache noch nicht gut beherrschen, wird die Lehrerin / der Lehrer ihnen helfen müssen, d. h. die Korrektheit ihrer Sprachkreationen bestätigen und deren Bedeutung erklären. Falls erwünscht, können die Kinder auch in einem Wörterbuch Vokabeln nachschlagen.
 

La gazza rubina : Roberto Piumini / Giulia Orecchia (Ill.)
Feltrinelli 2010 (erstmals 2002), 66 S., € 14.00, ab 7 Jahren

Was machen die Jungs?

Was machen die Jungs? © Beltz & Gelberg Von A bis Z, von Alfred bis Zacharias, fächert Nikolaus Heidelbach jeweils auf einer Doppelseite Aktivitäten auf, die er mit Jungs konnotiert. Er verwendet dabei dasselbe Schema wie schon im 1993 erschienenen Bilderbuch Was machen die Mädchen?. Linkerhand umreißt er mit einem prägnanten Satz die Handlung, wobei jeweils ein Mädchen den ersten Buchstaben in alphabetischer Reihe präsentiert. Auf der rechten Seite setzt Heidelbach die Szene auf malerisch hohem Niveau ins Bild. Er ist bekannt für seinen makabren Humor und seinen schonungslosen Blick auf kindliche Bedürfnisse und Gefühlslagen. Ohne jeglichen pädagogischen Impetus, macht er sich frei von gängigen Tabus in der Kinderliteratur und blendet auch Tod, Eifersucht, Aggression und die kindliche Sexualität nicht aus. So verwundert es kaum, dass neben dem Satz Charles macht ein Geschäft ein Deal im Sandkasten dargestellt ist, bei dem Charles seinen kleinen Bruder an den Teufel verschachert. Heidelbach bricht mit gängigen Rollenklischees oder überzeichnet sie. Seine Bilder lösen Überraschungseffekte aus, provozieren und fordern zur Anschlusskommunikation heraus.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Einfache Sätze werden flankiert von aberwitzigen Bildideen. Auch auf einem niedrigen DaF-Niveau werden die Leser durch die raffiniert verschränkte Erzählweise auf Bild- und Textebene herausgefordert und köstlich unterhalten. Der Aufbau des Bilderbuchs lädt dazu ein, es Heidelbach gleich zu tun und ähnliche Bild-Text-Sequenzen in der Fremdsprache zu kreieren, vielleicht zu weiblichen Vornamen von A bis Z.
 

Was machen die Jungs? : Nikolaus Heidelbach
Beltz & Gelberg 1999, 56 S., € 4.90, ab 7 Jahren
it. Übers.:
Cosa fanno i bambini? : Viola Starnone
Donzelli 2011, 64 S., € 19.50

I maschi non mi piacciono perché...

I maschi non mi piacciono perché... © Fatatrac Dieses Bilderbuch thematisiert den Aspekt der Geschlechtsidentität und stellt in einer heiteren Folge lustiger, karikaturartiger Portraits die Hauptmerkmale des männlichen Geschlechts aus der Sicht der Mädchen dar (Gegenstück zu diesem Buch ist übrigens Vittoria Facchinis Le femmine non mi piacciono perché ...). Mit einem gemischten Gefühl von Abscheu, Spaß und Neugierde lästern hier die Mädchen über die Jungs, über deren Vorlieben und Macken, so wie sie sie aus dem gemeinsamen Alltag kennen. Unversehens wird auf diese Weise der erste grundlegende Schritt zu einer gelungenen Begegnung bzw. Konfrontation zwischen den Geschlechtern gemacht.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Das Bilderbuch spornt zur Diskussion über Rollenstereotypen und über männliche und weibliche Eigenschaften an. Die Kinder können zwei große Plakate machen und die Vorlieben von Jungs und Mädchen bezüglich Spiele, Spielsachen, Kleidung, Farben, TV-Sendungen, Comics usw. sammeln. In der Diskussion werden sicherlich auch Gemeinsamkeiten auftauchen und dies wird die Kinder zum Nachdenken bringen. Auf sprachlicher Ebene wird diese Gruppenarbeit die Möglichkeit geben, die Negation zu üben („Jungs mögen keine Puppen“, „Mädchen spielen nicht gerne mit der Playstation“) und den Wortschatz zum Formulieren von Gefallen und Missfallen zu erweitern („Mädchen schwärmen für die Farbe Rosa“; „Jungs hassen Hello Kitty“).
 

I maschi non mi piacciono perché... : Vittoria Facchini
Fatatrac 2013 (erstmals 1998), 36 S., € 12.90, ab 4 Jahren

Das große Buch der Bilder und Wörter

Das große Buch der Bilder und Wörter © Hanser
„In diesem auf den ersten Blick herkömmlich wirkenden Papp-Bilderbuch eröffnet sich beim Aufblättern eine durchdachte und strukturierte Abfolge von Sachgruppen, aus denen einzelne Gegenstände und Figuren dargestellt und schriftlich benannt sind. Die witzig-karikaturistischen Illustrationen stellen Bezüge zwischen den Dingen her: Wo ein Keks ist, sind demnach Krümel und Staubsauger nicht weit. Ausgehend vom Kinderzimmer geht es in das Badezimmer und in weitere Räume der Wohnung, dann folgen unterschiedliche Themenseiten zu den Jahreszeiten, dem Garten, am, im und auf dem Wasser und zu weiteren Alltagsszenen. Die Seite mit Fahr- und Flugzeugen amüsiert mit einem Fries der Fortbewertungsmittel im Lebenslauf – angefangen vom Kinderwagen über Buggy, Laufrad bis hin zum Motorrad und schließlich zu Gehstock und Gehhilfe. (...) 
Humor, die Lust am Entdecken, ein für die Sprachförderung sinnvolles Konzept und die vielen originellen Details ergeben ein ästhetisch anspruchsvolles Bilderbuch.“.
[Jurybegründung, Nominierung zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2011]

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Gegliedert nach Alltagsbereichen wie Küche, Bad oder Garten werden die wichtigsten Gegenstände mit dem jeweiligen Artikel benannt, z.B. das Bilderbuch, das Handtuch, die Zahnbürste usw. Darüber hinaus werden Themenkreise wie Sport, Farben, Formen, Zahlen oder Mobilität erschlossen. So kann der Wortschatz systematisch aufgebaut und erweitert werden. Die witzigen Illustrationen können den Zugang für DaF-Schüler ebnen, obschon das Bilderbuch bei Muttersprachlern bereits im Kleinkindalter einzusetzen ist. Grundschülern kann es Spaß machen, den Wortschatz zu einem ihnen wichtigen Lebensbereich zu erschließen, indem sie (in Gruppenarbeit) selbst tätig werden und eine eigene Seite entwerfen.
 

Das große Buch der Bilder und Wörter : Ole Könnecke
Hanser 2010, 24 S., € 11.92, ab 1 Jahr
it. Übers.:
Il grande libro delle figure e delle parole : Nicola Montenz
Babalibri 2011, 22 S., € 14.00

Le parole magiche

Le parole magiche © Feltrinelli Donatella Bisutti hat sich als Autorin, Kritikerin und Herausgeberin von Lyriksammlungen immer der Poesie gewidmet. Dieses Buch ist das Ergebnis mehrerer Workshops, die sie in Schulen gehalten hat. Es ist eine Art Lehrbuch zum kreativen Schreiben, das dazu einlädt, den Gebrauch von Sprache zu erkunden, um in erster Linie selbst zum Dichten zu finden. „Ein Gedicht ist Wortmagie“, so das Eingangszitat, Magie, die sich durch Klänge, aber auch Farben, Formen und Melodien entfaltet. Denn Wörter – wie Allegra Agliardi in ihren bunten Bildern sehr schön zeigt – kann man bewegen, malen, zerlegen. Um herauszufinden, ob ein Wort magische Eigenschaften hat, sollte man es – so die Autorin – hören, betrachten und vielleicht sogar anfassen und an ihm riechen. Nach einer solchen Betrachtung mit allen Sinnen können wir das Wort schließlich in Beziehung setzen zu unseren Gefühlen und unseren Empfindungen. Durch dieses Buch werden Kinder nicht nur einen neuen Zugang zu Wörtern finden, sondern sich auch auf die Poesie von Sprache einschwingen, indem sie Klang der Sprache vor deren logischem Aufbau erfassen. Fremdsprachige Kinder können anhand dieses Buches Klang und Rhythmus der neuen Sprache erkunden, sowie, unterstützt von den fröhlichen Illustrationen, viele neue Wörter lernen und dadurch auf vergnügliche Weise den eigenen Wortschatz erweitern.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Mit den Kindern könnte man eine Wörtersammlung initiieren. Dazu braucht man einige Glasbehälter, die man wie folgt beschriftet: Süße Wörter, Runde Wörter, Warme Wörter, Kalte Wörter, Lustige Wörterusw. Die Kinder sollen selber entscheiden, welche Art von Wörtern sie – angeregt durch das Buch – gerne sammeln möchten. Danach sollen sie auch jeder Wortart eine Farbe zuweisen, um damit den Deckel des jeweiligen Behälters anzumalen, z.B. rosa für die süßen Wörter, blau für die kalten, orange für die warmen usw. Wenn die Behälter fertig sind, können die Kinder im Buch ihre Lieblingswörter aussuchen, diese auf Zettel schreiben und auf der Rückseite nach der eigenen Phantasie malen und in den passenden Behälter stecken. Außer den Zetteln kann man auch Gegenstände in die Behälter geben, die man tasten, riechen oder eventuell schmecken soll, um sie unter eine der Kategorien einzuordnen (so ist z. B. ein Kieselstein oder ein Metallstück kalt, ein Bonbon oder ein Rosenblatt süß). Diese Sammlung kann im Klassenzimmer bleiben und während des Schuljahres ständig erweitert werden. Sobald die Kinder die Fremdsprache besser beherrschen, kann man mit Wörtern der Sammlung die ersten kleinen lyrischen Versuche wagen.

Le parole magiche : Donatella Bisutti / Allegra Agliardi (Ill.)
Feltrinelli 2008, 140 S., € 13.00, ab 7 Jahren

Mittelstufe

Pünktchen und Anton

Pünktchen und Anton © C. Dressler
Insgesamt hat die preisgekrönte Zeichnerin Isabel Kreitz bisher drei Comic-Adaptionen von Kästners Kinderbuch-Klassikern vorgelegt: Der 35. Mai (2009), Pünktchen und Anton und zuletzt 2012 Emil und die Detektive. Der von ihr gewählte Zeichenstil ist eine Hommage an den ursprünglichen Kästner-Illustrator Walter Trier. Sie greift dessen Kreidestrich auf und reduziert wie er die Bilder auf das Wesentliche. Mithilfe genau recherchierter historischer Details zu Mode, Architektur oder Werbung lässt sie das Berlin der 1930er Jahre wieder aufleben. Sprachlich bleibt sie nah am Original und verwendet so weit als möglich Kästnersche Text-Passagen. Die Verdichtung zur Graphic Novel erfordert eine stringente Auswahl. Isabel Kreitz nutzt diese, um Kästners moralischen Impetus und sein antiquiertes Frauenbild über Bord zu werfen. Stattdessen konzentriert sie sich auf die Handlung und belebt den Klassiker mit ironischen Elementen. So schafft sie einen neuen Zugang zu der Freundschaftsgeschichte zwischen Pünktchen, dem Mädchen aus gutem Hause, und Anton, der allein mit der Mutter in Armut lebt und auf dem viel Verantwortung lastet. Gemeinsam lösen die Kinder einen Kriminalfall, was dank Pünktchens Vater zu einem klassenübergreifenden Happy End führt.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Durch die starke Verknappung des Textes, die vorherrschende Dialogform und die Intensität der Bilder wird den DaF-Schülern das Textverständnis erheblich vereinfacht. Ausgehend von Kästners literarischer Vorlage kann man auf das Thema Adaptionen im Allgemeinen eingehen, indem man neben dem Comic auch die moderne Verfilmung von Caroline Link aus dem Jahr 1999 mit einbezieht.

Pünktchen und Anton : Isabel Kreitz
C. Dressler 2009, 100 S., € 16.90, ab 8 Jahren

Fiato sospeso

Fiato sospeso © Tunué Olivia ist zwölf und leidet unter einer schweren Form von Allergie, die sie zu einem höchstbehüteten Leben zwingt. Sie darf sich nicht überanstrengen und muss auf das, was sie isst und sogar auf die Farben ihrer Kleidung achten. Dies macht sie zu einer Außenseiterin sowohl in ihrer Klasse als auch in der Schwimmgruppe, mit der sie trainiert. Ihr einziger Freund ist der hochintelligente Fünftklässer Leo, der sich auf eine Prüfung vorbereitet, um die Mittelstufe zu überspringen und direkt in die neunte Klasse aufgenommen zu werden. Auch Leo wird in der Schule ausgegrenzt. Nur wenn sie schwimmt, fühlt sich Olivia normal, denn im Wasser gewinnt sie Abstand vom Alltag und findet die Freiheit, die ihr die Krankheit verweigert. Dann kommt es in Olivias Schule zu einem Diebstahl und sie trifft die Entscheidung, gemeinsam mit Leo die Verantwortlichen aufzudecken und die Beute zu finden. Während dieser Detektivarbeit bekommt die Glasglocke, unter der das Mädchen sich gefangen fühlt, langsam Risse und bricht. Die knappen Dialoge und die Bilder erleichtern dem fremdsprachigen Leser das Verständinis dieser poetischen Graphic Novel. Die Pubertät und das Erwachsenwerden werden wie ein Sprung ins Wasser betrachtet und die Geschichte ist bildhaft wie ein Schwimmtraining aufgebaut. Die zehn Kapitel sind entsprechend betitelt: Aufwärmung / ins Wasser tauchen und alles andere außerhalb lassen / unter der Wasseroberfläche / Atemstillstand / Wende / Anschlag / Aufschwung / Beine schlagen/ wieder auftauchen / Sprung.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Nach der Lektüre von Fiato sospeso bietet sich die Methode des „Identitätswechsel“ an, die von Carlo Carzan und Sonia Scalco in deren Buch Ri-animare la lettura (edizioni la meridiana 2009) enwickelt wurde. Ihr voran geht die Identifikation mit den Hauptfiguren. Jeder Schüler/jede Schülerin gestaltet für sich und unter seinem Namen eine Art Personalausweis. Darin beantwortet er/sie einige Fragen, die sich aber auf die Hauptpersonen und auf den Plot der Graphic Novel beziehen: Wer bin ich?/ Der schönste Augenblick/ Der schlimmste Augenblick/ Was gefällt mir?/ Wer gefällt mir?/ Wie alt bin ich? (Weitere Fragen können ergänzt werden). Jeder/jede soll bei der Beantwortung der Fragen an das denken, was er/sie mit einer bestimmten Person oder mit einem Ereignis des Buches gemein hat. Dann werden alle Ausweise eingesammelt und gemischt. Die Lehrerin / der Lehrer zieht einen aus und liest die darin stehenden Antworten vor. Nun sollen die SchülerInnen raten, wem der Personalausweis gehört. Wer richtig rät, bekommt den Ausweis. Wer am Ende die meisten Ausweise erworben hat, hat gewonnen. Durch dieses Spiel möchte man die SchülerInnen mit der Geschichte des Buches und untereinander vertrauter machen. Um richtig zu raten, muss man nämlich über den Charakter eines Kameraden / einer Kameradin nachdenken und diesem / dieser eine Person aus dem Buch assozieren können.
 

Fiato sospeso : Silvia Vecchini / Sualzo (Ill.)
Tunué 2011, 128 S., € 16.90, ab 10 Jahren

Paul das Hauskind

Paul das Hauskind © Beltz & Gelberg
In Zeiten, in denen Familien auseinanderbrechen, Eltern ihrer beruflichen Karriere Priorität einräumen und mit sich selbst zu kämpfen haben, kann es vorkommen, dass ein Kind ganz auf sich gestellt ist. So ergeht es dem 12-jährigen Paul, dessen Mutter in New York arbeitet und dessen Vater zunächst ebenfalls viel beruflich unterwegs ist, dann aber in eine Depression verfällt. Peter Härtling hat mit fast 80 Jahren nach längerer Pause wieder ein Kinderbuch vorgelegt. Darin zeigt er, dass er sich weiterhin als „Anwalt der Kinder“ versteht – und dass er weiß, was Kindern von heute zu schaffen macht. Paul kommen die Eltern abhanden, aber die Bewohner des Frankfurter Mehrfamilienhauses mit insgesamt 10 Parteien und sein Freund Felix lassen ihn nicht im Stich. Auch wenn die Hausgemeinschaft die Eltern nicht ersetzen kann, so leisten doch alle ihren Beitrag, damit Paul diese Phase möglichst unbeschadet übersteht.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Die Vielzahl der handelnden Figuren stellt eine besondere Herausforderung an die Leser dar. Als Hilfestellung werden auf dem Vorsatzpapier im Buch die verschiedenen Hausbewohner nach Etagen aufgeschlüsselt. Im Unterricht können die Schüler in Gruppen tätig werden, um jeweils eine Partei aus Pauls Haus vorzustellen: mit einer Zeichnung, Personenbeschreibungen, Angaben zur Familienkonstellation, zur Herkunft, zur beruflichen Tätigkeit, zu Eigenheiten und Vorlieben, und dazu, welche Rolle sie für Paul spielt. (Die Lehrkraft stellt den Arbeitsgruppen entsprechende Textstellen zur Verfügung).

Paul das Hauskind : Peter Härtling
Beltz & Gelberg 2011, 192 S., € 6.95, ab 11 Jahren

Sei bambini d’appartamento

Sei bambini d’appartamento © Rizzoli In einem Wohnblock einer Großstadt leben sechs Kinder, drei Jungen und drei Mädchen, die untereinander eng befreundet sind. Sie sind unterschiedlich alt und haben einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund, weil sie zum Teil aus weit entfernten Ländern stammen. Aber allen Kindern ist eine gewisse Unzufriedenheit mit den Eltern gemein. Manolo, der einfallsreichste von allen, möchte einem Geheimnis von Magdalina, dem russischen Mädchen, nachgehen. Deswegen schlägt er bei einer Versammlung der Hausbewohner einen zeitlich begrenzten Familientausch für alle sechs Kinder vor. Der Vorschlag wird mit allgemeiner Begeisterung und Neugier aufgenommen. Jeder ist gespannt, neue Lebensarten und -gewohnheiten kennenzulernen. Als drei Monate später alle wieder zurück zu den ursprünglichen Familien zurückkehren sollen, passiert das Unerwartete: Die Kinder beschließen, das Experiment, das insgesamt ein friedlicheres und entspannteres Zusammenleben ermöglicht hat, auf unbestimmte Zeit fortzusetzen.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Die Familien der sechs Protagonisten haben, bedingt durch ihre Herkunft (Italien, China, Russland, Afrika), ganz unterschiedliche Sitten und Gewohnheiten, die im Buch teilweise auch beschrieben werden. In der Klasse kann man in Gruppenarbeit Plakate gestalten, welche über die Bräuche italienischer Familien und Familien anderer Abstammung informieren. Es müssen nicht nur diejenige sein, die im Roman vorkommen. Natürlich ist es interessant, auch das deutsche Familienleben zu betrachten. Beim Vorstellen ihrer Arbeit können die SchülerInnen Konditionalsätze üben: „Wenn ich in einer deutschen Familie leben würde, würde ich ausgiebig frühstücken“, „Wenn ich in einer russischen Familie wäre, würde ich Tee aus dem Samowar trinken“ usw.
 

Sei bambini d’appartamento : Arianna Giorgia Bonazzi
Rizzoli, 161 S., € 9.90, ab 9 Jahren

Anton macht’s klar

Anton macht’s klar © Beltz & Gelberg
Für ihr Debüt Anton taucht ab wurde Milena Baisch 2011 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Jetzt gibt es ein Wiedersehen mit dem etwas großspurigen Helden Anton. „Einmal bin ich Gangster geworden. In echt.“ So startet der Fünftklässler und Ich-Erzähler seine jüngsten Bekenntnisse. Alles fängt damit an, dass er - wie seine Klassenkameraden auch - unbedingt Roolys braucht, aktuell angesagte Turnschuhe mit ausklappbaren Rollen für rund 100 Euro. Fast hätte Anton seinen Vater überredet, aber dann geht die Waschmaschine kaputt und die Eltern müssen andere Prioritäten setzen. Anton muss selber sehen, wie er an Geld kommt. Ansonsten wird es beim Schulausflug peinlich, wenn er als einziger ohne Roolys dasteht. Da es Anton an Ideen nicht mangelt, kommt es zu diversen Verwicklungen und schreiend komischen Kinder-Stuntman-Szenen. Doch irgendwann muss sich selbst ein derart abgebrühter Gangster wie Anton die Frage stellen, ob er vielleicht nicht doch zu weit gegangen ist...

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Zu Begriffen, die im Buch eine Rolle spielen, erstellt man Bildkarten: Roolys, 100 Euro, Eltern, Waschmaschine, Stuntman, Farbdrucker, Kasse, Polizei. Nach der gemeinsamen Lektüre der ersten 15 Seiten bilden die Schüler Kleingruppen; jede Gruppe erhält einen Satz Bildkarten und erfindet dazu eine Gangstergeschichte, um diese dann vorzustellen bzw. vorzuspielen.

Anton macht’s klar : Milena Baisch / Elke Kusche (Ill.)
Beltz & Gelberg 2012, 208 S., €12.95, ab 9 Jahren

Vacanze in Costa Poco

Vacanze in Costa Poco © Einaudi ragazzi Familie Aglietti hat große Lust, in Urlaub zu fahren, doch wenig Geld. Wo könnte es hingehen? An die Costa Brava? Nach Costa Rica? An die Costa Smeralda? Nein, zu touristisch, zu einfach, aber vor allem zu teuer: Diesmal geht es an die vielversprechende, aber bislang unbekannte Costa Poco (Kostet wenig). Man gibt sehr wenig aus an diesem merkwürdigen Urlaubsort (dessen abitanti (Einwohner) „abipochi“ heißen!), aber das Angebot an Essen, Meer und Vergnügungen ist zugegebenermaßen auch gering. Trotzdem werden Herr Aristarco und Frau Anastasia mit ihren Kindern Amedeo und Amelia am Ende einen verrückten Sommerurlaub voller Geheimnisse erleben, allen voran der mysteriösen „Grande Folada“, die diesen eigenartigen Küstenort bedroht und von der niemand sprechen möchte. Mit schöpferischen Sprachspielereien macht sich der Roman über die Urlaubskosten und die Gewohnheiten der Urlauber lustig und zeigt, dass Ferien immer aufregend werden können, wenn die Phantasie am Werke ist. Auch wenn man wenig Geld hat.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Nach der Lektüre des Buches kann die Klasse ein großes Werbeplakat gestalten, um Touristen zu einem Urlaub an der Costa Poco zu bewegen. Die Lehrerin / der Lehrer wird den SchülerInnen dabei helfen, im Text die Elemente für dessen Realisierung zu finden und wird als Muster italienische Werbeprospekte vorlegen. Dies wird den SchülerInnen vermitteln, dass sie durch die Lektüre eines literarischen Textes auch in die Lage versetzt werden, andere Textarten zu erfassen, denen man im Alltag begegnet.

Vacanze in Costa Poco : Silvia Roncaglia / Sebastiano Ruiz Mignone / Vittoria Facchini (Ill.)
Einaudi ragazzi 2006, 156 S., € 9.00, ab 9 Jahren

Am Himmel hängt ein Lachen, Gedichte für neugierige Kinder

Am Himmel hängt ein Lachen © Boje
Dieser schmale, schön gemachte Band gehört zu einer Reihe von Kindergedichten im Boje Verlag. Die Reihe bietet Raum für zeitgenössische Autoren wie Jutta Richter, aber auch für Klassiker wie Mascha Kaléko. „Gedichte sind der schnellste Weg, um Ordnung in die Seele zu bringen“, sagt Jutta Richter. Gedichte sind für sie Momentaufnahmen, so wie andere Leute Fotos machen. Darin spiegelt sich das Leben der Autorin auf dem idyllischen Schloss Westerwinkel im Münsterland, wo sie umgeben ist von der Natur und von Tieren. Jutta Richter ist eine genaue Beobachterin und widmet ihre eingängigen Verse den Tages- und Jahreszeiten, den Vögeln, Hunden oder Katzen, den Sehnsüchten und Ängsten der Kindheit. Sie schafft es, die eingefangenen Momente mit wenigen einfachen Worten zu umreißen und sie sinnlich erfahrbar zu machen. Ihre Gedichte vermitteln Hoffnung und Geborgenheit und rufen den Geschmack der Kindheit wach, wie zum Beispiel im Gedicht „Schmeckt“:
Haferflocken / Zucker / Wasser und dazu Kakao
Umgerührt / in einer Tasse / schmeckt wie Gelb und Blau
Schmeckt nach Trösten / schmeckt nach Streicheln / schmeckt nach Mamas Sachen / schmeckt nach einer letzten Träne und dem ersten Lachen


Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Jutta Richter führt eindrucksvoll vor Augen, was Sprache in all ihrer Schlichtheit bewirken kann. Eine gute Möglichkeit, um auch auf einem niedrigeren DaF-Niveau den Klang und Rhythmus des Deutschen zu erspüren. Die Autorin hat ihre Gedichte selbst mit Illustrationen versehen; diese unterstützen das Textverstehen.  


Am Himmel hängt ein Lachen: Jutta Richter
Boje 2009, 64 S, € 9.95, ab 7 Jahren

Poesie per aria

Poesie per aria © Topipittori Dieses elegante Bändchen wird bereichert durch Clementina Mingozzis originelle Scherenschnitte, ihren bezaubernden Überlagerungen von Pappe und Transparentpapier. Es enthält einige stimmungsvolle Gedichte von Chiara Carminati, der 2012 der italienische Premio Andersen als beste Kinderautorin verliehen wurde. IhrePoesie per aria erscheinen wie eine Art Zaubersprüche, die Kinder dabei Unterstützen, mögliche Hindernisse im Laufe des Tages oder des Jahres zu überwinden. Diese luftigen Gedichte richten den Blick nach oben – in die Luft, in den Himmel, zum Mond, in die dunkle Nacht oder direkt ins Gewitter – und dann nach unten – zur Erde und ins Meer -, und dann auf den Frühling und Winter und auf all den kleinen und großen Gefühlen, die die Worte heraufbeschwören. Sie richten den Blick auf Nebel und Kristallhimmel, auf Brise und Sturm, auf sternenklare und auf ruhige Mondnächte. In dieser Reihe von klarem poetischen Glanz wird das unsichtbare Nichts der Luft Schauplatz des faszinierendsten Schauspiels der Welt: Es geht um die Schönheit der Schöpfung, die sich stetig verändert und aus prächtigen Ereignissen und kleinsten Bewegungen besteht, aus unendlicher Stille und ohrenbetäubendem Getöse, aus langsamen Rhythmen und rasanten Melodien. In ihrem steten Wechsel sind die Naturereignisse den Gemütslagen ähnlich, die unser Lebensgefühl begleiten.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Diese Gedichte lassen den Klang und die Melodie der italienischen Sprache erspüren. Die SchülerInnen könnten sie laut vortragen und inszenieren. Die Illustrationen inspirieren zu einem Schattenspiel, bei dem der Phantasie der SchülerInnen keine Grenzen gesetzt sind. Ein solches Projekt kann die gesamte Klasse mehrere Wochen lang beschäftigen. Während der Aufführung können die 23 Gedichte der Sammlung abwechselnd von verschiedenen SchülerInnen entweder vorgelesen oder vorgetragen werden. Andere SchülerInnen werden die Schatten bewegen, die Beleuchtung und den Ton bedienen. Alle Texte dieser Sammlung bieten sich nicht nur für eine Musik-, sondern auch für eine Geräuscheuntermalung an (z. B. Wind, Regen, Gewitter, Meer, Schiff, Zug, Flugzeug usw.). Die SchülerInnen können echte Tonaufnahmen benutzen, die Geräusche mit Klanginstrumenten (z. B. Regenstab, Tamburin, Stöckchen, Triangel usw.) oder durch andere Effekte erzeugen (z. B. die Stimmung eines Herbstwaldes dadurch heraufbeschwören, dass man auf trockene Blätter in einer Kiste tritt, oder den Eindruck eines Sprungs ins Wasser dadurch hervorrufen, dass man einen schweren Gegenstand in einen Eimer voll Wasser wirft).


Poesie per aria : Chiara Carminati / Clementina Mingozzi (Ill.)
Topipittori 2009, 48 S., € 15.00, ab 10 Jahren

In einem tiefen dunklen Wald...

In einem tiefen dunklen Wald... © Oetinger
In dieser Märchenparodie bricht Paul Maar mit den gängigen Vorstellungen von Prinzessinnen und mit den Erwartungen der Leser: Die verwöhnte Henriette-Rosalinde-Audora kann den rechten Mann nicht finden. Keiner der vielen Prinzen, die ihr ihre Aufwartung machen, gefällt ihr. Selbst ist die Frau, denkt da die Prinzessin, und inszeniert kurzerhand eine Entführung durch ein Untier. Schließlich weiß sie, wie es im Märchen läuft: Ein mutiger Prinz wird sie befreien, und genau den wird sie heiraten. Um auf Nummer sicher zu gehen, klärt die Prinzessin vorher ab, dass es sich um ein gutmütiges Untier handelt. Vorsichtshalber nimmt sie auch noch ihre Daunendecke mit, ihr zusammenklappbares Bett, den halben Kleiderschrank und bergeweise Proviant. Das alles wird an den Rand des Waldes transportiert, in dem das Ungeheuer haust. Allerdings entsprechen auch die Prinzen in dieser urkomischen Geschichte nicht den Klischees. Keiner schafft es, die Prinzessin zu befreien. Das öffnet Tür und Tor für eine überraschende Wendung.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Wie könnte die Geschichte wohl ausgehen? – Es bietet sich an, das Buch bis Seite 36 gemeinsam in der Klasse zu lesen. Also bis zu dem Punkt, als Prinzessin Henriette-Rosalinde-Audora am Waldrand campiert und auf ihre Entführung wartet. Die gemeinsame Lektüre lässt sich auflockern und erleichtern durch die Projektion der zum Teil comicartigen Illustrationen von Verena Ballhaus. Die komischen Dialoge lassen sich mit verteilten Rollen lesen. Im Anschluss entwickeln die Schüler in Gruppenarbeit eine Version davon, wie es weitergehen könnte. Dabei ist auch eine Umsetzung in Text und Bild, z.B. in Comicformat, möglich.


In einem tiefen dunklen Wald... : Paul Maar / Verena Ballhaus (Ill.)
Oetinger 1999, 144 S., € 13.90, ab 8 Jahren

La principessa capovolta

La principessa capovolta © Rizzoli Raymond Queneaus Stilübungen sind die Inspirationsquelle für dieses unterhaltsame Buch von Andrea Sottile, in dem er den jungen Lesern den Spaß am Geschichtenerzählen vermitteln will. Ausgangspunkt ist ein Märchen, das ein Vater seinen zwei Töchtern, Irene und Miranda, erzählt. In ihm geht es um eine gelangweilte Prinzessin, die während eines Spazierganges im Garten so tief seufzt, dass sie kopfüber über die Wurzeln eines Baumes stürzt. Aber dies ist nur der Anfang, denn sobald man zum Kern der Geschichte zu kommen scheint, fängt diese stets von vorne an, mit immer neuen Details und jedes Mal in einem anderen Stil: als Kinderreim, Brief, Kochrezept, Telefongespräch, Telegramm, Fernsehnachricht, Horrorgeschichte, in altertümlicher Sprache oder als Werbeprospekt. Zum Schluss wird witzigerweise sogar eine Schulübung zur Textanalyse persifliert. Das letzte Kapitel mit seinen leeren Seiten und dem Titel „Es war einmal“ lädt schließlich die Leser dazu ein, selber kreativ zu werden, ein eigenes Märchen zu erfinden und dessen Faden dann in etlichen Varianten weiterzuspinnen.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Die Didaktisierung ist schon im Buch selbst angelegt und zwar durch die abschließenden leeren Seiten, die der Leser ausfüllen soll. Die Klasse kann gemeinsam ein kurzes Märchen erfinden. Dann kann man in Gruppen die Geschichte jeweils auf einer der im Buch vorsgeschlagenen stilistischen Ebenen verarbeiten. Das Buch gibt die Möglichkeit, über unterschiedliche Textarten zu diskutieren und deren Hauptmerkmale zu erkennen. Der Aufbau des Buches ermöglicht es auch, je nach Sprachkompetenz der SchülerInnen, nur eine Auswahl an Textarten und Varianten zu behandeln.


La principessa capovolta : Andrea Sottile
Rizzoli 2012, 208 S., € 9.90, ab 8 Jahren

Oberstufe

Elefanten sieht man nicht

Elefanten sieht man nicht © Carlsen
„Das Romandebüt Susan Krellers ist eine kunstvoll komponierte Erzählung mit einem sehr ernsten Thema. Die Geschichte um die Misshandlung zweier in einer bürgerlich arrivierten Familie lebender Kinder und ihrer Mutter wird nicht aus der Perspektive der Gewaltopfer erzählt, sondern durch eine jugendliche Ich-Erzählerin, die selbst eine Außenseiterin und dadurch sensibilisiert für fremdes Leid ist. In einer vorsichtig tastenden und an originellen Bildern reichen Sprache erzählt die 13-Jährige rückblickend von der Verstrickung, in die sie geriet, als sie den Kindern helfen wollte und bei den Erwachsenen so gar keine Unterstützung fand. Diese wirken aus der Perspektive der Ich-Erzählerin geradezu monströs in ihrer Ignoranz. Es gibt bei der Darstellung der Erwachsenen nur wenige Zwischentöne und kaum Innensicht. Doch scheint die Polarisierung nicht nur dem Thema angemessen, sondern auch der Logik dieser Erzählung, die im Grunde genommen so konstruiert ist wie eine klassische Tragödie. Die Heldin befindet sich in einer ausweglosen Lage, die auf einen tragischen Höhepunkt zusteuert. Dennoch gibt es am Ende einen Hoffnungsschimmer, denn die verzweifelte Tat des Mädchens hat immerhin bewirkt, dass die Kindesmisshandlung ans Tageslicht gelangte.“
[Jurybegründung zur Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013]
 

Elefanten sieht man nicht : Susan Kreller
Carlsen 2012, 204 S., € 14.90, ab 13 Jahren
it. Übers.: il Castoro 2014

Io non ho paura

Io non ho paura © Goldmann Süditalien in den 1970er Jahren. Der neunjährige Michele lebt mit seinen Eltern und der jüngeren Schwester Maria in einem verschlafenen Dorf. Um die Langeweile zu vertreiben, unternimmt er mit den anderen Dorfkindern sommerliche Streifzüge durch die Felder und eines Tages entdeckt er dabei etwas Schockierendes: einen halb verhungerten Jungen, der in der Nähe eines verfallenden Hauses in einem abgedeckten Erdloch kauert. Als Michele herausfindet, dass das Kind entführt wurde, und dass dessen Eltern die Hände dabei im Spiel hatten, beschließt er, dem Jungen zu helfen - koste es, was es wolle. Ein Roman über Kinder-Freundschaften, die Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, über Träume von einem besseren Leben und den missglückten Versuch, aus der Enge des Alltags und der Armut auszubrechen. Weshalb dies in einer Tragödie für das ganze Dorf enden muss, wird bewegend erzählt.


Io non ho paura : Niccolò Ammaniti
Einaudi 2001, 230 pp., € 11.00, ab 13 Jahren
In Deutschland erhältlich auch als ungekürzte und unbearbeitete Textausgabe in der Originalsprache, mit Übersetzungen schwieriger Wörter am Fuß jeder Seite, Nachwort und Literaturhinweisen (Reclam 2008, € 6.80)
dt. Übers.: 
Ich habe keine Angst : Ulrich Hartmann
Goldmann 2004, 256 S., € 7.95

Jackpot – Wer träumt verliert

Jackpot – Wer träumt verliert © Beltz & Gelberg
„Chris hat kein einfaches Leben: Seine Mutter ist gestorben, sein Vater auf Entzug. So wohnt er allein mit seinem fast volljährigen Bruder – und muss dabei jeden Cent zweimal umdrehen. Als er beim Lauftraining in der Nähe seiner Wohnung einen Autounfall beobachtet, will er dem bewusstlosen Fahrer helfen, sucht den Erste-Hilfe-Kasten im Kofferraum und findet dort ein Mädchen. Sie bittet ihn, eine Tasche, die sie bei sich trägt, zu verstecken. Chris zögert, doch als sie ihm erzählt, in der Tasche sei eine Menge Geld und er bekäme eine Belohnung, willigt er ein. Am nächsten Tag versucht das Mädchen, Chris zu kontaktieren – ohne Erfolg. Und nicht nur sie will die Tasche finden. Auch die Polizei ist dem Geld auf der Spur. Die Charaktere sind vielschichtig; niemand ist eindeutig gut oder böse. Chris etwa ist sympathisch, aber natürlich will er das Geld für sich und seinen Bruder behalten. Neben der leichten, ungezwungenen Sprache, ist es vor allem die Erzählweise, die Jackpot so besonders macht. Stephan Knösel schafft es, die Handlung ständig in eine andere Richtung zu lenken. Nichts ist so wie es scheint, immer wieder gibt es spannende Wendungen, an vielen Stellen wird der Leser an der Nase herumgeführt. Ein packender und actionreicher Roman, dessen Ende man so nicht erwartet hätte.“
[Begründung der Jugendjury zur Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2013]
Stephan Knösel
 
 

Jackpot – Wer träumt verliert : Stephan Knösel
Beltz & Gelberg 2013, 272 S., € 8.95, ab 13 Jahren

Mia sorella è una foca monaca

Mia sorella è una foca monaca © Frankfurter Verlagsanstalt Im Leben des jugendlichen Ich-Erzählers läuft streng genommen wenig rund: Die Mutter ist mit einem 13 Jahre jüngeren Tankwart durchgebrannt und für den Vater, einen Hilfsarbeiter, gehören Prügel zu den gängigen Erziehungsmethoden. Seine ältere Schwester Francesca, von ihm nur Mönchsrobbe genannt, kümmert sich um den Haushalt und verfällt dabei zusehends in eine fiebrige Frömmigkeit. Dieser Held ist ein seltsamer Junge, zartfühlend und unausstehlich zugleich. Einer, der sich für einen gnadenlosen Schlägertypen hält, bei der Prügelei auf dem Schulhof aber im Handumdrehen auf dem Rücken landet; der eine große Klappe hat und nie weint; der seine Träume und Verletzlichkeiten hinter einer unerschütterlichen Arroganz versteckt, obwohl er jeden Tag Niederlagen einstecken muss und sogar von der schönen, unnahbaren Chiara, in die er sich verliebt, Prügel bezieht. Doch allem Spott zum Trotz, den er mit seiner aufmüpfigen Art provoziert, gibt es für ihn keine brenzlige Situation, kein noch so peinliches Missgeschick, keinen noch so kritischen weiblichen Blick, den er nicht zu seinen Gunsten umzudeuten vermag. Aber dann zeigt ihm ein Schicksalsschlag, der die Familie trifft, dass er dem Vater und der Mönchsrobbe näher steht als gedacht. Und vielleicht ist er sogar Chiara nicht ganz so gleichgültig, wie es zunächst erscheint.

„Ein proletarischer Nachfolger Holden Caulfields ist der namenlose Ich-Erzähler und Anti-Held dieses Romans. Der Text brilliert durch den schnoddrig-ironischen Erzählton und die stoische Unverfrorenheit, mit der der Held sich in aussichtslose Verlierer-Situationen manövriert und anschließend die Realität in seinem Sinn umdeutet. Es ist eine temporeiche Erzählung, die neben der Lächerlichkeitskomik eines traditionellen Bühnenschwanks durchaus noch andere, subtilere Spielarten des Humors aufzuweisen hat und dem Leser ein Milieu präsentiert, dem man innerhalb der Jugendliteratur nur ganz selten begegnet. (...)“
[Jurybegründung, Nominierung zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2013 in der Sparte „Jugendbuch“]
 

Mia sorella è una foca monaca : Christian Frascella
Fazi 2012, 285 S., € 10.00, ab 16 Jahren
dt. Übers.:
Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe : Annette Kopetzki
Frankfurter Verlagsanstalt 2012, 316 S., € 22.90

Tschick

Tschick © Rowohlt
„Es gibt sie tatsächlich: die sprichwörtliche Walachei. Dorthin unterwegs: zwei Jungs, beide aus verschiedenen Gründen Außenseiter, beide 14 Jahre alt. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow: Ein russischer Migrant, klug, aber schweigsam im Unterricht, erscheint schon mal alkoholisiert in der Schule. Maik Klingenberg (...): Vater nahezu bankrotter Geschäftsmann mit Geliebter, Mutter zwischen Entzugsklinik und Tennisplatz lebend. Und hoffnungslos verliebt in Tatjana Cosic, die „super“ aussieht (...). Tschick und Maik schnappen sich eines Abends einen alten Lada und fahren los. Mit Tempo und Witz begleitet der Autor seine Figuren auf ihrer Reise durch die deutsche Provinz (...). Seine scharfe Beobachtungsgabe, seine geistreichen Schilderungen von Menschen, Szenen und Begegnungen sowie sein Faible für skurrile Situationen übergibt Herrndorf dem Ich-Erzähler Maik, der im Rückblick von diesem Abenteuer berichtet. Bei der erneuten Lektüre der Lieblingsbücher seiner Kindheit fielen Herrndorf deren Erfolgskriterien auf: Die Erwachsenen werden möglichst rasch aus der Geschichte verbannt, jugendliche Helden brechen zu einer großen Reise auf und die geht raus aufs Wasser. Das schien ihm, so Herrndorf während einer Lesung, „ein gutes Konzept für ein Jugendbuch zu sein“. Und auch wenn das Wasser den Straßen Ostdeutschlands weichen musste und die Dampfer zu einem Lada wurden, ist das Konzept aufgegangen: Tom Sawyer alias Maik und Huckleberry Finn alias Tschick gehen auf große Fahrt. (...) Tschick ist ein Abenteuer- und auch ein Bildungsroman, mit dem Herrndorf die Modernisierung seiner Kindheitslektüren perfekt gelungen ist. Das feine Gespür des Autors für jugendrelevante Themen, komische Dialoge, der jugendlich-authentische Erzählton und der bis zum filmreifen Finale konsequent durchgehaltene Spannungsbogen machen den Roman herausragend.“
[Jurybegründung Deutscher Jugendliteraturpreis 2011] 
 

Tschick : Wolfgang Herrndorf
Rowohlt 2010, 256 S., € 8.99, ab 13 Jahren
it. Übers.:
Un’estate lunga sette giorni : Alessandra Valtieri
Rizzoli 2012, 310 S., € 14.00

Per il resto del viaggio ho sparato agli indiani

Per il resto del viaggio ho sparato agli indiani © Feltrinelli Der dreizehnjährige Emil hat sich ohne Papiere mit seinem Vater von Rumänien bis nach Italien durchgeschlagen. Doch als der Vater ausgewiesen wird, ist der Junge ganz auf sich allein gestellt. Zunächst findet er mit einer Freundin Unterschlupf bei einem zwielichtigen Architekten, aber als dieser eines Tages zudringlich wird, wehrt er sich und läuft weg. Seine einzige Hoffnung bleibt, seinen Großvater zu finden, den er nur aus dessen monatlichen Briefen kennt und der sich mit einer Truppe von Straßenkünstlern in Berlin aufhält. Mit mehreren Jugendlichen – alle schräge Außenseiter wie er selbst – macht sich Emil auf die abenteuerliche Reise in einem alten VW-Bus. Sie führt ihn quer durch Europa, immer dem Glück entgegen. Ein Bildungsroman und eine Road Novel voller Witz, Originalität und Gefühl über einen mutigen jungen Protagonisten, dessen Vorbild der Comic-Held Tex Willer ist.


Per il resto del viaggio ho sparato agli indiani : Fabio Geda
Feltrinelli 2009, 197 pp., € 8.50, ab 15 Jahren
dt. Übers.:
Emils wundersame Reise : Christiane Burkhardt
Knaus 2012, 256 S., € 17,99

Braune Erde

Braune Erde © Bloomsbury
„Ben lebt gelangweilt in Meck-Pomm auf dem Dorf seiner Tante, als neue Bewohner in das verfallene Gutshaus ziehen. Ein Ökohof soll daraus werden. Freundlich und verbindlich renovieren sie – und verbreiten nach und nach Naziideologie. Der Ich-Erzähler, eigentlich ein intelligenter Junge, gerät in ihre Gedankenwelt und kann sich ihr erst ganz entziehen, als es zu spät ist. Der Leser fragt sich viel früher, welches Verbrecherpotential hinter diesen sich so sozial und fürsorglich gebenden Neonazis steht. Das eigentliche Thema dieses spannenden und aufklärerischen Jugendbuches – ja eigentlich Krimis – ist nicht die politische Aufklärung, sondern das Suchen des unbedarften Jungen nach einem Standpunkt: Wer bin ich eigentlich? Der Leser wird durch das Buch auf positive Weise ungewöhnlich stark provoziert.“
[Begründung für den LesePeter Juni 2013 der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien, AJuM] 
 

Braune Erde : Daniel Höra
Bloomsbury 2012, 304 S., € 8.99, ab 14 Jahren

Io dentro gli spari

Io dentro gli spari © Salani Schon der sechsjährige Santino hat das Schweigegebot der sizilianischen Mafia verinnerlicht: Er musste die Ermordung des Vaters und des Großvaters mit ansehen, schweigt aber beharrlich zu den Tätern. Als er schließlich doch aussagt, muss er zusammen mit der Mutter im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms eine neue Identität annehmen und nach Norditalien übersiedeln. Auch Jahre später wird Lucio, wie er jetzt heißt, die Schatten der Vergangenheit nicht los: noch immer ist sein Leben bestimmt von Vorsichtsmaßnahmen, von traumatischen Erinnerungen und von der Angst. Inspiriert von einer wahren Begebenheit, erzählt Silvana Gandolfi sehr einfühlsam von einer Kindheit, die jäh von der Mafia beendet wurde. Dazu berichtet sie in wechselnden Kapiteln über die Situation des elfjährigen Lucio, der jetzt in Livorno lebt, und über die grausamen Erlebnisse des kleinen Santino in Sizilien.
 

Io dentro gli spari : Silvana Gandolfi
Salani 2011, 222 S., € 14.00, ab 13 Jahren
dt. Übers.:
In der Schusslinie : Ruth Karzel
Carlsen 2012, 256 S., € 14.90

Ein Buch für Hanna

Ein Buch für Hanna © Beltz & Gelberg
Wer sich ein Bild von Deutschland machen will, der muss sich auch mit der teils dunklen Geschichte des Landes auseinander setzen. Mirjam Pressler zählt zu jenen Autoren, die mit ihren Werken die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und an das Schicksal jüdischer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener wach halten. Ihr jüngstes Werk, Ein Buch für Hanna, zeichnet das Leben der jungen Hanna Salomon im nationalsozialistischen Deutschland nach. Über eine zionistische Jugendorganisation soll sie nach Palästina emigrieren. Ihre erste Etappe führt sie indes nur bis Dänemark, das bald von den Nationalsozialisten besetzt wird. Auch hier werden die Juden systematisch deportiert; der Weg von Hanna und ihren Gefährtinnen führt in das KZ Theresienstadt. Hanna überlebt das unendliche Leid und kann Jahre später nach vielen Irrwegen doch noch  Palästina erreichen. Das Anliegen von Mirjam Pressler war es, die authentische Geschichte Hannas, die die Autorin Jahre später in einem Kibbuz in Israel kurz vor deren Tod kennen lernte, aufzuschreiben und gleichzeitig herauszuarbeiten, wie es Hanna gelang, trotz allem den Lebensmut nicht zu verlieren.
 

Ein Buch für Hanna : Mirjam Pressler
Beltz & Gelberg 2011, 352 S., € 8.95, ab 14 Jahren

La mia resistenza

La mia resistenza © Rizzoli Roberto Denti (1924-2013) hat mit seiner Frau Gianna 1972 in Mailand die „Libreria dei Ragazzi“ gegründet, die allererste Kinderbuchhandlung Italiens. In diesem Buch hat er seine Erfahrungen als Partisan während des zweiten Weltkriegs für junge Leser erzählt. Roberto ist noch ein Junge, als er die erste von vielen weitreichenden Entscheidungen trifft: Mitten im Krieg schließt er sich in Cremona, in einem zweigeteilten Italien, einer vermeintlichen Schauspielertruppe an, die indes nachts die Brücken über den Po sprengt, um den Vormarsch der deutschen Soldaten zu verhindern. Die Gruppe fliegt auf und zahlreiche Mitglieder werden festgenommen. Roberto gelingt die Flucht. Dies ist nur die erste Etappe eines langen, schmerzhaften und zermürbenden Weges. Es folgen die Trennung von der Familie, die Flucht in die Berge, die Festnahme und Einzelhaft und schließlich der Kampf in einer Partisanenbrigade bis zur Ankunft der Alliierten. Ein Buch über den Widerstand und den dazu notwendigen Mut, das in seiner Schlichtheit für all jene erzählt wird, die heute erfahren möchten, wie es war, unwissentlich die Geschichte mit zu beeinflussen.

La mia resistenza : Roberto Denti
Rizzoli 2010, 162 S., € 14.00, ab 13 Jahren