Lesegruppe deutscher Literatur Abschiedsfarben

Lesezeit 2020 / 2021 © Pixabay.com

Mi, 19.05.2021

Genua Online per Zoom

Online
Genua

Lesezeit - 8.Termin / Saison 2020 - 2021

Unser achtes Treffen ist dem im letzten Jahr erschienene Erzählband "Abschiedsfarben" von Bernhard Schlink (Diogenes 2020) gewidmet.

Er enthält neun spannende Geschichten, in denen ältere Herren Episoden aus ihrem Leben erzählen, von unerfüllter Liebe, vor allem aber von verkannten Wegkreuzungen, Enttäuschungen und Schuld. Ihr Rückblick ist melancholisch, teils wehmütig, teils bitter, teils reuevoll.

Schlink geht es wie immer um ein einziges übergeordnetes Thema: um die Konfrontation mit der Vergangenheit, die Aufarbeitung individueller und gesellschaftlicher Schuld, um das Suchen und Wiederfinden verloren geglaubter Menschen und Ideale.

In gewohnter Weise setzt Schlink sprachlich präzise um, wie die Erinnerungsprozesse zu späten Erkenntnissen führen. Die Prosa der vielfältigen Erzählungen überzeugt durch Klarheit und Prägnanz, die Handlungsverläufe durch Stringenz, Spannung und Dynamik.

Gleich die erste Geschichte (»Künstliche Intelligenz«) setzt in einer dunklen Tonlage an. Während der Ich-Erzähler über die Bedeutung von Beerdigungen als Hilfe beim Abschiednehmen nachsinnt, schweifen seine Gedanken ab. Ihn martert das schlechte Gewissen, seinen besten Freund einst an die Stasi verraten zu haben.

Bernhard Schlink, geb. 1944 ist emeritierter Jurist und zu einem der auflagenstärksten und einflussreichsten deutschsprachigen
Schriftsteller geworden. Der angesehene Jurist, der an der Universität Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie lehrte, begann zunächst in der Freizeit an, sich als literarischer Autor auszuprobieren. Er schrieb zunächst in den 80er Jahren ein paar Krimis, bevor er 1995 mit "Der Vorleser" einen internationalen Bestseller landete, der auch erfolgreich verfilmt wurde.

Zurück