Ausstellung Luftbrücke

Montag, 3. bis Samstag, 29. November 2014

Palazzo Ziino, via Dante 53, Palermo

Eine Brücke zwischen Berlin und Palermo

Ausstellung des Goethe-Instituts Palermo anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls (1989-2014)
Idee und Konzept: Heidi Sciacchitano
Künstlerische Leitung: Ezio Ferreri, Heidi Sciacchitano und Emilia Valenza

Fotografien
Domenico Aronica
Valerio Bellone
Antonio Calabrese
Pietro Motisi
Maria Vittoria Trovato

Klangskulptur
Alessandro Librio

Video
Mario Bellone

Eröffnung
Montag, 3. November, 18.30 Uhr

Öffnungszeiten
4. bis 29. November 2014, von Montag bis Samstag, 9.30 bis 18.30 Uhr

Eintritt frei

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen:
Luftbrücke
Un ponte di cielo tra Berlino e Palermo
25 anni dalla caduta del Muro
Controluce Srl - edizioni fotograviche
Palermo 2014
56 Seiten, 40 Abbildungen
ISBN 978-88-88164-09-0
Euro 8,--

Einladungskarte zum Download (PDF, 344 KB)

In Zusammenarbeit mit Città di Palermo – Assessorato alla Cultura, Galleria X3 und Curva minore contemporary sounds und freundlicher Unterstützung durch Sallier de La Tour.

Berlin, Symbolstadt für die Wiedervereinigung, aber auch Ort großer historischer, urbanistischer, architektonischer, politischer und sozialer Veränderungen, steht im Mittelpunkt dieser Ausstellung sizilianischer Künstler, die der Faszination und Atmosphäre dieser einerseits so geschichtsträchtigen und andererseits so zukunftsorientierten nachspüren.

Berlin, diese Stadt, in der so viele Gegensätze nebeneinander bestehen, in der sich viele Kulturen treffen und auch zusammentreffen, und damit zu einer vielfältigen und aufregenden Wirklichkeit beitragen, tritt in unserer Ausstellung in einen direkten Dialog und Vergleich mit Palermo, ebenfalls eine Stadt, wegen der Widersprüche und Gegensätze, die nebeneinander bestehen, und des Zusammentreffens unterschiedlichster Kulturen so besonders ist.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten, die in Berlin und Palermo erstellt wurden.
 
Foto: Domenico Aronica
Domenico Aronica (Palermo, 1979) hat in Palermo Kommunikationswissenschaft studiert. 2003 veröffentlicht er das Buch Tesori di Palermo (Schätze Palermos, Nardini Editore, Florenz 2003). 2004 nimmt er in Florenz an einer Gruppenausstellung teil, die von den Fratelli Alinari veranstaltet wird. Im folgenden Jahr arbeitet er bei der Agentur Magnum-Photos in Paris als Bildrechercheur. 2007 veröffentlicht er in Zusammenarbeit mit dem Institut français Palermo den Fotoband Metrò. Aronica hatte Ausstellungen in Kairo, Mailand, Palermo, Kopenhagen, Warschau, Krakau, Budapest, Berlin und Wolfsburg. Darüber hinaus gestaltete er mehrere Covers von Jazzalben, darunter auch dasjenige, das der Pianist Salvatore Bonafede in New York aufgenommen hat. Heute arbeitet er unter anderem als Reiseführer in seiner Heimatstadt.
Über seine Erfahrung bei dieser Arbeit sagt Aronica: "An Berlin fasziniert mich, dass es die Symbolstadt der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist: Straßen voller Graffitis, die Moderne der Wolkenkratzer und die Trümmer der Vergangenheit, die Achtung von und auch der Respekt vor Kultur und Künstlern. Palermo ist ähnlich wie Berlin Zeuge und Opfer der Geschichte des 20. Jahrhunderts gewesen. In Palermo fühle ich mich wie ein Archäologe, der immer neue und unglaubliche Orte entdeckt, die komplett vernachlässigt sind. Hier kann man der Faszination der Ästhetik der Katastrophe erliegen. In Berlin war das bis vor ein paar Jahren nicht anders und man staunte vor der Geschichte und ihren Trümmern überall in der Stadt. Als ich das letzte Mal nach Berlin gereist bin, habe ich festgestellt, dass die Ruinen modernen Gebäuden, breiten Straßen und sauberen Gehsteigen Platz gemacht haben, als ob man die Vergangenheit beseitigen wolle. Meine Fotos wollen also zwei Orte und zwei auf den ersten Blick nicht miteinander vereinbare Kulturen gegenüberstellen, die aber überaus viel gemeinsam haben."
www.domenicoaronica.com
 
Foto: Valerio Bellone
Valerio Bellone (Palermo, 1979), studiert Grafik- und Werbedesign und dann Design am Istituto europeo di design (IED) in Turin. Nach seinem Abschluss beschäftigt er sich mit der Fotografie. Seine vielen Reisen führen ihn nach Australien, wo er als Fotograf für Reiseveranstalter arbeitet. Weitere Fotoreisen bringen ihn nach Japan, Thailand, Marokko und Kuba. Seine Fotos und Reportagen erscheinen in der FAZ, La Repubblica und Vanity Fair. Bellone erhält internationale Preise wie den PX3 (Paris 2010 und 2012), den Black & White Spider (Beverly Hills 2012), den Sony World Photography Award (London 2014), den Photo Masters Cup (Beverly Hills 2014) und war mit Einzel- und Gruppenausstellungen in Italien und im Ausland.
"Heute ist die deutsche Hauptstadt sicherlich eine der angesagten und interessantesten europäischen Städte, auch wenn der Ostteil langsam verschwindet, um einer gefährlichen, amerikanisierten Verflachung Platz zu machen, die droht, die Stadt zu entstellen, wie es in der Vergangenheit auch schon Städten wie London und Paris ergangen ist. Fotografie folgt im gleichen Schritt der inneren und persönlichen Entwicklung des Fotografen, der bei jeder neuen Erfahrung seine Sichtweise erneuert. Berlin hat mich besonders durch seine Gegenkultur, die Ruinen von früher und die neue Architektur in meiner Art beeinflusst, visuell Räume und die Menschen, die in ihnen leben, zu interpretieren. Ich glaube, dass die Stadt in den nächsten Jahren definitiv eine der interessantesten Metropolen Europas sein wird.“
www.valeriobellone.com
 
Foto: Antonio Calabrese
Antonio Calabrese (Palermo, 1974) arbeitet mit der Fotografie bereits in den 1980er Jahren. Seine Sujets sind das Theater, Shows, Reisereportagen und Selbstbeobachtung. Ab 2007 wird Berlin zu seiner Arbeitsstätte und er verfolgt das künstlerische und kulturelle Leben der Stadt. Calabrese arbeitet für deutsche Zeitschriften, Videomaker, bekannte Regisseure, Schriftsteller und Journalisten. In der letzten Zeit produziert er für eigene Ausstellungen in Sizilien und im Ausland (Boston) und hält Fotografiekurse.
"Mein zufälliges Zusammentreffen mit Berlin hat sich als fatal erwiesen. Das plötzliche Verlangen, dort auch zu leben, kam aus der vitalen und kreativen Energie, die die Stadt überträgt. Es war für mich ein ganz normaler Vorgang, durch die Straßen Berlins zu laufen und mit dem Kameraobjektiv jeden Aspekt einzufangen: ein pulsierendes Zentrum, wo Energie zusammenlaufen, wo nichts statisch bleibt. Hierbei habe ich neue Fototechniken ausprobiert, andere Fotografiesprachen entdeckt, die von den vielen Kontaminationen generiert wurden, und ich habe meine festgelegten Schemata auseinandergenommen und andere künstlerische Ausdrucksweisen benutzt. Eine Welt, die ständig im Werden begriffen ist, ist eine stimulierende fotografische Herausforderung. Ich stelle mir einen Dialog zwischen der deutschen Hauptstadt und Palermo vor, der bereits viele beschriebene Seiten hat, die längst nicht mehr weiß sind. Eine virtuelle Brücke, eine alte und unauflösbare Verbindung, die beide Städte in ihrer Unterschiedlichkeit verbindet und Kraft von der einen auf die andere überträgt.“
www.antoniocalabrese.biz
 
Foto: Pietro Motisi
Pietro Motisi (Palermo, 1982) schließt 2012 sein Fotografiestudium an der University of Wales, Newport (Vereinigtes Königreich) ab. Seine Arbeit konzentriert sich anfangs auf Bühnenfotografie (Theatre du Radeau, La Fura Dels Baus, Soggettile teatro, F. Scaldati, V. Pirrotta, M. Verdastro). 2006 und 2008 gewinnt er den internationalen Preis Occhi di Scena für Theaterfotografie. 2008 bis 2010 fotografiert er für die Universität Palermo im Rahmen eines anthropologischen Forschungsprojekts. 2012 gewinnt er den Reginald Salisbury travel award, 2014 den Preis Città di Frascati und eine Künstlerresidenz in Aliano in der Region Basilicata. Ebenfalls 2014 gewinnt Motisi den Wettbewerb Urban landscapes (Glossom) und stellt in der Galerie P46 in Camogli (Genova) aus. Erst kürzlich war er an der Ausstellung ART&CRAFT in Rom beteiligt.
"Berlin macht mich gerade wegen seiner jüngeren Geschichte, von der Nachkriegszeit bis heute, neugierig und reizt meine Arbeit als Fotograf. Die Stadt strahlt eine Atmosphäre eines ewigen Wiederaufbaus aus. Dieser Wiederaufbau hat dabei eine ganz andere Bedeutung als der, der zeitgleich in Italien und besonders in Sizilien stattgefunden hat, das das Herzstück meiner Forschungsarbeit darstellt. Die Möglichkeit eine Ästhetik zu beobachten und festzuhalten, in der die Syntax des Betons eine deutlich andere Rolle spielte, als die in unseren Breiten, machte es mir möglich, das Hauptthema meiner künstlerischen Arbeit zu vertiefen, wonach das Verhältnis zwischen der Ästhetik eines Ortes direkt proportional zur Ethik desjenigen ist, der dort lebt.“
www.pietromotisi.it
Vom 20. Februar bis zum 4. März hat Pietro Motisi in Berlin gearbeitet und für das Goethe-Institut Palermo ein fotografisches Reisetagebuch geführt: Pietro Motisi: Reisetagbuch

Maria Vittoria Trovato (Gela, 1982) hat Philosophie in Catania studiert, macht in Mailand bei der Fondazione Forma einen Master in Fotografie und ein Praktikum bei Magnum Photos in New York. Seit 2007 arbeitet sie als freie Fotografin für Zeitschriften. 2008 macht sie mit dem Autor Marco Ciriello zusammen ein Projekt über das Meer, Schiffe und die Menschen, die auf ihnen arbeiten: Die Reise auf einem Frachtschiff von Buenos Aires nach Hamburg wird in dem Buch Grande Atlantico. Cargo ship stories erzählt. 2011 geht Trovato nach Berlin und arbeitet für die Fotoagentur Ostkreuz. Ihre Fotos druckten D di Repubblica, Io Donna, IL Magazine, Internazionale, Marie Claire, Riders und Monocle ab.
"Mich interessiert es besonders, Städte und die Widersprüche zu betrachten, die im städtischen Raum unweigerlich aufbrechen, über die Geschichte einer Stadt nachzudenken und die Folgen und Wirkungen aufzuspüren, die unterschiedliche Kulturen entsprechend ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen in der Landschaft hinterlassen haben. Auf wirklich verschiedene Weisen stellt sich sowohl in Palermo als auch in Berlin die Frage, was von diesen Kulturen in Erinnerung bleibt und was in Vergessenheit gerät.“
www.mariavittoriatrovato.com
 
Foto: Fabio Fiorito
Alessandro Librio (Erice, 1982) Nach seinem Geigenstudium am Conservatorio V. Bellini in Palermo lernt er bei Giuseppe Gaccetta, Zoya Nademliska, Francesco Peverini und Elektronische Musik bei Francesco Galante. In dieser Zeit arbeitet Librio mit Patti Smith, Michael Moore, David Murray, Wim Wenders und Barre Phillips zusammen. Ab 2004 spielt er mit der Associazione per la musica contemporanea Curva Minore zusammen und unternimmt Tourneen in Europa und den Vereinigten Staaten. Beim internationalen Kompositionswettbewerb Strade del Cinema in Aosta erreicht er den zweiten Platz. 2007 vertritt er auf dem Filmforum Kaleidoskop in Aachen Italien. 2010 eröffnet er die Spielzeit des Centre Chorégraphique National Ballet Preljocaj in Aix en Provence (Choreographin: Patrizia Lo Sciuto). Librio stellt auf der 54. Kunstbiennale von Venedig, in der Open House Gallery New York, der EB&Flow Gallery, im Waterside Project Space in London und für die Architekten Pagliaro/Cantoni bei der 14. Architekturbiennale aus. Aufnahmen hat er mit der BBC, RAI und SkyArte gemacht.
www.alessandrolibrio.com

Die Klangskulptur Zeiträume erstreckt sich über die Räume des zweiten Stockwerks im Palazzo Ziino, die die Ausstellung Luftbrücke beherbergen. Die Räume erzählen, wenn man von Links nach Rechts entlang geht, von Berlin und Palermo, die in diesen Klangräumen Körper und Identität verliehen bekommen. In den Berlin gewidmeten Sälen wird der 25. Jahrestag des Mauerfalls mit den Tönen und Klängen dargestellt, die das Ereignis in den letzten Monaten des Jahres 1989 begleitet haben. In den letzten Räumen auf der rechten Seite erzählt die Installation von Palermo: Die Stimmen des Maxiprocesso (Großprozess gegen Angehörige der Mafia, ab 1986) stellen dabei den Fall einer Mauer, einer unsichtbaren Maske dar, die die Palermitaner voneinander trennte und den Schrecken verbarg, um weiter Geschäfte machen zu können. Mit diesen Geräuschen vermischen sich Stimmen heftiger Auseinandersetzungen, die auf der Straße aufgezeichnet wurden: sie weisen darauf hin, dass die Ursprünge des Phänomens Mafia in Aggressivität und Einzelgängertum liegen. Aber in beiden Städten leben Menschen, die voneinander getrennt waren, die gejubelt, demonstriert haben, Durst nach ihrer Befreiung hatten.
Im letzten Raum befindet sich die Toninstallation FINE (ENDE), die aus Giovanni Falcones berühmten Ausspruch erarbeitet wurde: "Die Mafia ist ein menschliches Phänomen und wie alle menschlichen Phänomene hat sie einen Anfang, eine Entwicklung und wird schließlich auch ein Ende haben." Die Stimme des Richters wird über 10.000 Mal verlangsamt, bis sein Satz auf eine Länge von sechs Stunden und zwei Minuten gestreckt wird.
Der Künstler reißt den eigentlichen Zeitraum der Worte nieder und lädt den Zuhörer dazu ein, in Sinn und Wert dieses Satzes einzutauchen, der in reinen Ton verwandelt wurde.

Das Video The wall across the Berlinale von Mario Bellone (Idee und Regie) und Davide Gambino (Schnitt), wurde anlässlich dieser Ausstellung zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer im Auftrag des Goethe-Instituts Palermo hergestellt.
Der Film bringt Videoaufnahmen, die während der Internationalen Filmfestspiele Berlin, der Berlinale 1990 gemacht wurden, mit einigen Frames des Films Die Mauer vom heute 83-jährigen Regisseur und Künstler Jürgen Böttcher zusammen, der 1990 herauskam.
The wall across the Berlinale entwickelt sich um dieses doppelte Register an Bildern aus der Vergangenheit und der Gegenwart: hier der Stacheldraht der Todesgrenze, dort die Mauerstücke auf den Ständen, die Touristen aus dem Westen verkauft werden; einerseits Alltagsszenen in der U-Bahn, wo es noch verboten ist, in den Stationen im Ostteil auszusteigen, und andererseits die Feiern in der Sylvesternacht 1989 auf dem Brandenburger Tor.
Das Video endet mit einer langen Einstellung auf den Trümmern der Mauer, die auf einem trostlosen Feld abgeladen wurden.
Das Ende einer Geschichte.

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