Tagung und Runder Tisch Ethik des Bildes. Eine transdisziplinäre Debatte

PfE0482-IT-270110: Orange Grove, Rosarno, Italy 2010, von Eva Leitolf © Eva Leitolf © Eva Leitolf

15./16. März 2017

Goethe-Institut Turin

Centro Culturale Tedesco
Piazza San Carlo 206
10121 Turin

Die brutalen Ereignisse von 2016 in Nizza, Dhaka oder Falcon Heights (Minnesota), wo ein Polizist den 32jährigen Philando Castile grundlos erschossen hat, während seine Freundin das Geschehen per Facebook-Streaming ausstrahlte, gewöhnen uns an eine virulente und zunehmend unkontrollierte Verbindung von Bild und Gewalt. Zu beobachten ist auch eine Gewalt gegen die Bilder, die sich in eine lange historische Tradition gewaltsamer, oft religiös motivierter Konflikte einschreibt. Zahlreiche Studien haben außerdem festgestellt, dass die neuen Medien eine regelrechte Veränderung der Wirklichkeitswahrnehmung hervorrufen können. Wie wollen und müssen wir uns gegenüber all diesen Bildern, die die westliche Gesellschaft durchdringen, verhalten? Welche Wirkung zeitigt diese Übermacht des Bildes auf die Konstruktion und Weitergabe unseres kulturellen Kanons? Ist es möglich eine Ethik des Bildes im 21. Jahrhundert zu formulieren? 

2017 jähren sich zudem zum 500. Mal die „Veröffentlichung“ der Lutherischen Thesen und damit der Beginn der Reformation. Solo verbo, sola scriptura: Die Reformatoren haben dem Wort und der Schrift zentrale Bedeutung zugemessen. Sie dachten dabei zunächst an das Wort Gottes und an die Heilige Schrift. Diese Wortorientierung bedeutete auch eine Kritik des Bildes, seiner Stellung und Verwendung in der Katholischen Kirche. Ist in der heutigen Gesellschaft, deren Leitmedium das Bild ist, diese Konzentration auf das Wort nur abständig? Oder muss eine Reflexion über das Bild und insbesondere seine ethische Dimension nicht auch seine Beziehung zum Wort und zur Schrift denken?

Mit einer Tagung und in Zusammenarbeit mit der Online-Kulturzeitschrift Doppiozero möchten wir einer Reflexion Raum geben, in der prononcierte bildtheoretische, künstlerische, juristische, kulturhistorische und philosophische Positionen zu Wort kommen, mit dem Ziel, eine transdisziplinäre Debatte zur Ethik des Bildes im 21. Jahrhundert in Gang zu setzen. Weitere Infos und Materialien zur Initiative finden Sie demnächst im Online-Spezial von Doppiozero, wo auch ein Interview mit Eva Leitolf zur Verfügung steht.


Ein Projekt von:

Logos GI - UniTO - CIM  
In Zusammenarbeit mit:

Logos Pareyson - ArtiModernità - FSRR - Doppiozero  
Mit dem Beitrag von:

Logo Compagnia di San Paolo  
 
Die Termine

TAGUNG

Mi, 15. März
17:00 Uhr
 
Jessica Kraatz Magri | Goethe-Institut Turin: Begrüßung
Federico Vercellone | Universität Turin: Identität im Bild. Hin zu einer Ethik der Ästhetik
Maria Tilde Bettetini | IULM Mailand: Gegen die Bilder. Eine Erklärung
Adriano Fabris | Universität Pisa: Ethik und Bild in der Gesellschaft des Spektakels
Mit einem Beitrag von Peter Weibel | ZKM Karlsruhe
Do, 16. März
9:30 Uhr
Charlotte Klonk | Humboldt-Universität zu Berlin: Bildethik. Zum Umgang mit Terrorbildern
Gianmaria Ajani | Universität Turin: Die Rechte des Bildes
Eva Leitolf | Künstlerin: Postcards from Europe und andere kritische Grenzerzählungen

Runder Tisch

Do, 16. März
12:00 Uhr
Die Ungeheuer der Vernunft und die Argumente der Ungeheuer. Auf der Suche nach einer Ethik des Bildes
mit Irene Calderoni | Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Peppino Ortoleva | Universität Turin und Federico Vercellone | Universität Turin
  

 

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