Ausstellung 100 DM – Berlin 2019

Tommaso Bonaventura. 100 DM – Berlin 2019 © Tommaso Bonaventura © Tommaso Bonaventura

Mi, 30.10.2019 -
Mo, 06.01.2020

Turin

An verschiedenen Orten
Turin

Seit Beginn der siebziger Jahre, mitten im kalten Krieg, empfängt die Bundesrepublik Deutschland die „Brüder und Schwestern“, die durch den Eisernen Vorhang in das andere Deutschland gelangen, mit einem kleinen 100 DM-Begrüßungsgeld. Dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer untersucht das Projekt 100 DM – Berlin 2019, welchen Wert die ostdeutschen Bürger dieser Summe damals beigemessen und wie sie diese verwendet haben. Die Protagonisten und ihre persönliche Geschichte dieses einschneidenden historischen Moments sind Ausgangspunkt einer fotografische und videodokumentierten Recherche des italienischen Fotografen Tommaso Bonaventura.
 
Die einfache Frage an Bürger und Bürgerinnen unterschiedlichen Alters aus der ehemaligen DDR „Erinnerst du dich, wofür du das Begrüßungsgeld ausgegeben hast?“, war Start einer Reise in die Erinnerung der Menschen, die diesen Wandel miterlebt haben, Erinnerungen, die auch heute noch zu wenig bekannt sind, sowohl, was den materiellen, sozialen, wirtschaftlichen als auch politischen Aspekt anbetrifft.
 
Das Ergebnis der Recherche ist eine fotografische Erzählung, die sich zum Ziel setzt, durch ihre Verflechtung mit den Biografien ein zeitgenössisches Berlin zu portraitieren, das aus Menschen, Orten und Geschichten besteht und Symbol eines der signifikantesten Ereignisse der jüngsten Vergangenheit ist, die immer noch im urbanen, sozialen und bürgerlichen Milieu präsent ist. Die Recherche konzentriert sich auf Berlin als Symbol dieses Wandels, aber auch als Stadt, in der die physische und mentale Präsenz der Mauer, die die Erfahrung der Menschen so einschneidend geprägt hat, auf eine Art und Weise weiterhin Bestand hat.
 
100 DM – Berlin 2019 ist ein Kunstprojekt des Fotografen Tommaso Bonaventura in Zusammenarbeit mit der Kuratorin Elisa Del Prete, das anläßlich des dreißigsten Jahrestags des Mauerfalls entstand.
 
Die Ausstellung ist organisiert und produziert von CAMERA - Centro italiano per la Fotografia, Turin, Museo del Risparmio, Turin, Archivio Storico Istituto Luce, Rom, Fondazione Museo storico del Trentino, Trient.
 
Tommaso Bonaventura © Tommaso Bonaventura © Tommaso Bonaventura Tommaso Bonaventura wurde 1969 in Rom geboren und studierte Geisteswissenschaften, der Fotografie widmet er sich seit 1992. Seine Arbeiten erschienen in den wichtigsten internationalen Zeitschriften und erhielten verschiedene Preise, darunter den  World Press Photo, den Sony Award und den Premio Ponchielli. 2005 veröffentlicht er bei Gribaudo editore Le vie della fede [Die Wege des Glaubens], gewidmet den Pilgerzügen des Christentums in Europa. Ab 2006 lebt er einige Jahre in China, wo er verschiedene Projekte realisiert. Seine Arbeiten werden auf Festivals und in Museen gezeigt, darunter Paris Photo, PAC, NoorDeerlicht Photofestival, Triennale Bovisa, Officine Fotografiche. Von 2011 bis 2015 arbeitet er an dem Projekt Corpi di reato, un’archeologia visiva dei fenomeni mafiosi nell’Italia contemporanea [Körper des Verbrechens, eine visuelle Archeologie der mafiösen Phänomene im Italienvon heute]. 2017 stellt er bei Fotografia Europea das Projekt Fondo aus, ein fotografisches Portraitarchiv der Einwohner von Casacalenda.
 
Elisa Del Prete © Aus: Bologna per le arti © Aus: Bologna per le arti Elisa Del Prete wurde 1978 in Bologna geboren und produziert und kuratiert Kunstprojekte, die die Öffentlichkeit miteinbeziehen. Sie studierte Kunstgeschichte, ihre Abschlussarbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss von Aby Warburg in Italien. 2006 gründet sie Nosadella.due, ein Residenzprogramm für Künstler und Kuratoren, 2008 und 2011 kuratiert sie den Bereich Visuelle Kunst des Festivals Gender Bender. Für MAMbo realisiert sie 2012 die erste Soloausstellung der südafrikanischen Künstlerin Bridget Baker und widmet sich der Forschung zur Geschichte des italienischen Kolonialismus. 2014 und 2015 ist sie Kodirektorin von Archivio Aperto, eine dem Amateurfilm gewidmete Filmreihe. Sie schreibt für die Onlinezeitschrift doppiozero.com, wo sie kürzlich ein Essay zu William Kentridge veröffentlichte.
 

Artikel zur Ausstellung

  • Die Bedeutung des Begrüßungsgelds für die Ostdeutschen Der Fotograf Tommaso Bonaventura und die Kuratorin Elisa Del Prete gingen zwei Jahre der Frage nach, wie die Ostdeutschen ihr Begrüßungsgeld, das sie direkt nach dem Mauerfall erhielten, ausgaben. Entstanden ist die Foto- und Video-Ausstellung „Tommaso Bonaventura. 100 marchi – Berlino 2019“, die sehr private Geschichten aus heutiger Sicht erzählt und sich mit dem Alltag vor und nach dem Mauerfall auseinandersetzt.
 

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