Didattizzazioni – Einführung

Einführung und Beschreibung des didaktischen Materials zum Besuch der Ausstellung Verrückte Welt von ATAK.

Verrückte Welt ATAK © Orecchio acerbo
Die Ausstellung bietet Panels (Einzelbilder) mit allen Zeichnungen aus dem gleichnamigen Kinderbuch, von dem es eine italienische Übersetzung, Mondo matto, gibt. Es ist tatsächlich eine faszinierende Verrückte Welt, die der Betrachter dort zu sehen bekommt. Die Bilder selbst haben starke, einprägsame Farben, sind schön, teilweise beängstigend, erscheinen paradox und geheimnisvoll. Denn auf ihnen sieht man Polartiere, die im Urwald leben, oder Giraffen und Löwen, die gelassen durch eine Eislandschaft ziehen. Eine Maus, die irgendwie an Andy Warhol erinnert, begleitet uns durch die Ausstellung. Die Maus jagt gleich auf der ersten Seite Katzen, ein Hase schießt den Jäger tot, ein Herrchen apportiert den Stock, ein Punk spendiert einem gut angezogenen Herrn einen Geldschein und ein Kind füttert seine Mutter. Das erinnert an die Lügenmärchen, die einem als Kind erzählt wurden und die man dann als Erwachsener selbst kleinen Kindern auf die Nase binden wollte: Die Kinder fragen sich dann, ob sie glauben sollen, was sie da gerade gehört haben, oder nicht. Es gibt kaum ein Bild, bei dem man nicht gleich Assoziationen hätte, lachen müsste, sich wunderte oder Fragen stellte. Das ist ein guter Ausgangspunkt, um die Schüler zu einer Reaktion zu bringen. In den Klassen, in denen ich das Bilderbuch gezeigt habe, hörte ich al erste Reaktion oft: „Das stimmt doch alles gar nicht!“ Aber dann war das Umgekehrte so faszinierend, dass es einfach akzeptiert wurde. Es kamen auch gleich Vorschläge, ähnliche Situationen weiterzuspielen und selbst auszuprobieren, mit eigenen Bildern und eigenen erfundenen Geschichten.

Um die Ausstellung in den Deutschunterricht einzubeziehen, kann das Material als Ansatz dienen, handlungs- und produktionsorientierte Text- und Wortschatzarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 15 Jahren (Scuola Media bis Biennium der Scuola Superiore) zu gestalten. Auf den Bildern gibt es nicht nur die eben angedeuteten Situationen, sondern auch viele Zitate: Da erscheinen berühmte Märchenfiguren in bekannte Szenen eingebettet – allerdings verkehrt herum –, man kann Comic- und Filmfiguren erkennen, Bilder bekannter Maler hängen an den Wänden, und selbst die dargestellten Figuren erscheinen oft als Zitate aus berühmten Bildern.

Beschreibung des didaktischen Materials

Die im Begleitmaterial vorhandenen Arbeitsformen setzen sich mit Sprache und Inhalt im Rahmen dieser Ausstellung auseinandersetzen. Es sollen die assoziative Fähigkeit aktiviert, der Wortschatz erweitert sowie die Schreib- und Lesekompetenz gefördert werden. Ausgehend von den Bildern ist das Material nach thematischen Bereichen gegliedert, nämlich Märchen, Comic- und Filmfiguren, Kunst und die Bilderbeschreibung selbst.

Film-, Märchen- und Comicfiguren sind in der Altersgruppe, für die das Material gedacht ist, generell gut bekannt: Die Kinder kommen mit Bildern, Märchen, Comics und Filmen in ihrem privaten Umfeld bereits früh und oft in Berührung und haben dazu einen intensiven und emotionalen Bezug. Die Arbeit mit inhaltlich teilweise bekannten Themen hilft, Wissenslücken zu schließen und durch die sprachliche Aufarbeitung Sprachlücken zu überbrücken. Angeregt von der Ausstellung können die Schüler durchaus auch eigene Geschichten oder Märchen erzählen und Bilder malen.

Als mögliche Zielsetzungen des Arbeitsmaterials kann man Folgendes aufzählen: Vorkenntnisse aktivieren; persönliche Bezüge herstellen; Textsorten kennen lernen; im Vergleich von Märchen, Comics und Filmen wichtige Merkmale als analoge Elemente erkennen und belegen; Inhalte bekannter Märchen, Comics und Filme wiederaufgreifen und reflektieren; produktiv neue Märchen und Spiele verfassen; verschiedene Arbeitsmöglichkeiten mit Märchen, Comics und Bildern kennen lernen.

Es wurde sowohl der Unterscheidung der Altersgruppen Rechnung getragen wie auch der Heterogenität in gleichen Altersstufen oder gleichen Schultypen. Gerade in der Altersgruppe, für die das Material ausgearbeitet wurde, sind die Lerngruppen meist stark heterogen. Das bedeutet, dass jeder Lehrer die Auswahl treffen muss, wobei er sich nach der Situation seiner Schüler richten und sich das aussuchen wird, was er braucht und was ihm und seinen Schülern Spaß machen könnte. Um alle Schülerinnen und Schüler, also auch Lernschwächere, mit einzubeziehen und um ihre Erzählfreude nicht zu beeinträchtigen, sollten sie zwar zur Beantwortung der verschiedenen Aufgabenstellungen angeregt werden, aber man sollte ihnen doch die Freiheit lassen, sich die für sie attraktiveren auszusuchen. Man könnte sie malen lassen, z. B. Szenen zur Erarbeitung der Märchen oder Reproduktionen von Bildern, oder sie könnten die Aufgabe des Schiedsrichters bei einem Quiz übernehmen.

Auch bietet es sich hier besonders an, fachübergreifendzu arbeiten. Das Material der Ausstellung ermöglicht eine Arbeit mit den Fächern Kunst, Italienisch, aber auch Englisch. Schüler ausländischer Herkunft könnten auch dazu aufgefordert werden, ihr Wissen in der jeweiligen Muttersprache zu aktivieren oder aus ihrer Märchen-, Comic- oder Filmkultur zu berichten. Man sollte sich nicht scheuen, Italienisch im Deutschunterricht dann anzuwenden, wenn die Schüler aus ihrem Erfahrungsbereich erzählen wollen oder inhaltlich komplexere Themen anschneiden, wofür ihnen sprachliches Vorwissen, Kompetenz und Fähigkeit fehlen. In den Klassen, in denen das Buch vorgestellt wurde, kam es zu vielen Diskussionen, z. B. über den Titel. Viele hätten es besser gefunden, das Buch nicht Verrückte Welt, sondern „Verkehrte Welt“ zu betiteln. Nach dem Vorstellen des einzigen Textes, der im Buch am Anfang steht, kam es auch zu einem spontan gedichteten eigenen Lügen-Rap auf italienisch, oder bei der selbstständigen Beschäftigung mit den Bildern zu einem Menù matto della mensa.

Das Material besteht jeweils aus drei Teilen: Übungen zur Vorbereitung, zum Ausstellungsbesuch und zur Nachbereitung, beinhaltet also Aufgaben, die man vor, während oder zur Aufarbeitung der Ausstellung machen kann. Die einzelnen Übungen innerhalb der thematischen Bereiche sind nicht unbedingt aneinander gebunden, man kann also durchaus zur Vorbereitung einen Bereich wählen und zur Nachbereitung einen anderen, wenn man feststellen sollte, dass man das Thema schon genügend behandelt hat oder dass die Schüler auf ein anderes, eventuell vorher nicht angesprochenes Thema mit größerem Interesse reagiert haben. Das Material ist außerdem so angelegt, dass man nicht alles durchführen muss. Das sieht man schon an den unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen, die man jeweils dafür haben sollte. Grundsätzlich ist es für alle Bereiche von Vorteil, wenn man die Wortschatzübungen und Spiele der Vorbereitungsphase und das Comic- und Märchenquiz macht, da der hier gebotene Wortschatz zumindest ein Versuch ist, möglichst viel vor zu entlasten.

Die verschiedenen Übungen und Spiele werden auf Arbeitsblättern angeboten, die als Kopiervorlagen benutzt werden können. Die meisten sind einfache Word-Dateien; in einigen Fällen kann man auf Kopien sogar verzichten und stattdessen einfache Tafelbilder machen. Man kann einige Übungen auch mündlich durchführen oder man benutzt die Dateien mit einer Leuchttafel, wenn man sie zur Verfügung hat. Es gibt auch Dateien zum Ausstellungsbesuch in Power Point, die man den Schülern als Kärtchen geben kann. Die Aufgabenstellungen sind unterschiedlich, um den verschiedenen Niveaus, Erwartungshaltungen, Arbeitsweisen und Bedürfnissen entgegenzukommen. Es wird kein Hinweis auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen gegeben, da in der Scuola Media die Zuordnung meist eher Schwierigkeiten bereitet. Zu jedem Aufgabenblatt gibt es ein Lösungsblatt, das die Lehrenden am Ende bei der gemeinsamen Auswertung unterstützen soll. Das Lösungsblatt enthält explizite Antworten, die jedoch in dieser Form nicht immer von den Schülern erwartet werden.
 

Nächster Didaktisierungsvorschlag: