„Mini-München“ Interview mit Margit Maschek-Grüneisl

Mini München, Projekt 2018
Mini München, Projekt 2018 | Foto: © Katy Spichal

Alle zwei Jahre findet eine der größten Kunst- und Kulturveranstaltungen für Kinder in München statt: Kinder gestalten für einen bestimmten Zeitraum das gesamte öffentliche Leben in einer Spielstadt mit Banken, Sport- und Kulturstätten, Museen, Parks, Rundfunksender, Forschungslabor etc.

Das Projekt wurde erstmals 1979 im UNESCO-Weltjahr des Kindes durchgeführt, um nicht nur die kreativen und sozialen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu fördern, sondern ihnen auch auf entspannt-spielerische Art zu vermitteln, wie Verwaltung und Kommunalpolitik funktionieren, damit sie erkennen, wie wichtig es ist, sich für das Gemeinwesen zu engagieren.
 
Neben dem Lerneffekt und der anhaltenden Beliebtheit der Spielstadt gilt vor allem der hohe Stellenwert des ehrenamtlichen Engagements als besonderes Markenzeichen des Projekts. An der Durchführung wirken alle zwei Jahre über 200 Freiwillige mit. Inzwischen besuchen an die 2000 Kinder täglich die Miniaturstadt, in der dieses Jahr während der Sommerferien drei Wochen lang, vom 1. bis zum 19. August, ein reges Treiben herrschte.

Margit Maschek-Grüneisl von „Kultur & Spielraum e.V.“ ist seit 40 Jahren aktiv am „Mini-München“-Projekt beteiligt. Ohne sie wäre die Spielstadt wohl nicht mehr denkbar. Im September 2018 war sie in Kairo, um an der ägyptischen Variante „Mini-Cairo“ mitzuwirken, einem Kooperationsprojekt mit der Association for Scientific and Cultural Renaissance Jesuit Cairo und etlichen Organisationen aus Deutschland und Europa.

Eslam Anwar sprach mit Margit Maschek-Grüneisl über ihre langjährige Arbeit für das „Mini-München“-Projekt und ihren Aufenthalt in Kairo.
 
Das „Mini-München“-Projekt gibt es seit mittlerweile 40 Jahren. Was sind die wichtigsten Veränderungen, die in dieser Zeit stattgefunden haben?

Da hat sich einiges geändert. Begonnen hat alles mit einer Gruppe Erwachsener, die ehrenamtlich eine Spielstadt für Kinder auf die Beine stellen wollten. Aber nach und nach übernahmen die Kinder immer mehr Verantwortung. Sie bestimmen inzwischen, was gemacht wird und wie die Arbeit in der Stadt delegiert wird. Anfangs gab es auch nur ein paar wenige Freiwillige und Helfer. Doch mittlerweile beteiligen sich viele Unterstützer, Vereine, Privatfirmen und die Stadt München. Geändert hat sich auch das Verhältnis zwischen „großem“ und „kleinem“ München. Sehr viele Münchner Unternehmen und Institutionen wollen gerne involviert sein.
 
Viele Kulturprojekte können nicht lange überleben. Wieso gibt es das „Mini-München“-Projekt nach so vielen Jahren immer noch?

Das haben wir den Kindern zu verdanken. Sie lieben das Projekt und empfinden „Mini-München“ wirklich als ihre Stadt. Es gab einmal Probleme mit dem Termin, eine Verlegung wurde erwogen. Da zogen die Kinder zum Rathaus, forderten die Durchführung zum geplanten Termin und wurden erhört.

  • Mini München, Projekt 2018 Foto: © Katy Spichal
  • Mini München, Projekt 2018 Foto: © Katy Spichal
  • Mini München, Projekt 2018 Foto: © Katy Spichal
  • Mini München, Projekt 2018 Foto: © Katy Spichal
  • Mini München, Projekt 2018 Foto: © Katy Spichal
  • Mini München, Projekt 2018 Foto: © Katy Spichal
    Mini München, Projekt 2018
Was macht die Welt der Kinder so besonders? Was ist in der Spielstadt anders als in den Städten der Erwachsenen?

Kinder denken viel einfacher und klarer, wenn sie ihre Stadt weiterentwickeln und Probleme lösen wollen. Als sie feststellten, dass der Personentransport in ihrer Spielstadt überhaupt nicht klappt, schlugen sie vor, einen großen Bus anzuschaffen. Der war zwar langsam und brauchte ewig, verursachte aber keine Staus und war, ihrer Ansicht nach, auch billiger als das Taxi. Generell liegt den Kindern viel daran, Erfahrungen zu sammeln und trotzdem Spaß dabei zu haben, unabhängig davon, wie lange es dauert und was schlussendlich dabei rauskommt. Hauptsache man packt die Dinge gemeinsam an.
 
Künstler aus aller Welt werden zu den Aktivitäten von „Mini-München“ eingeladen. Inwieweit trägt das dazu bei, dass die Kinder verschiedene Kulturen kennenlernen?

Momentan laufen ja einige politische Kampagnen gegen Ausländer und Flüchtlinge. Die Kinder sollten gerade jetzt erkennen, dass die verschiedenen Kulturen und die diversen Arten von Kunst gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Künstler, die nach München kommen und dann in ihren Herkunftsländern ähnliche Projekte organisieren. In Einklang mit den dortigen kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, können hier einiges bewirken.
 
Sie waren vor Kurzem in Kairo, als dort zum zweiten Mal das „Mini-Cairo“-Projekt stattgefunden hat. Was ist Ihnen bei diesem Besuch besonders aufgefallen?

Über das Projekt in Kairo bin ich sehr glücklich, vor allem weil diese Spielstadt sich dem Thema „Film“ widmet. Genau das macht die Spielstädte auf aller Welt so besonders: Es gibt kein fest vorgegebenes Modell. Überall wird die Spielstadt anders aufgezogen, sodass sie zu den dortigen gesellschaftlichen Gegebenheiten und den Vorstellungen der Kinder passt. In der Association for Scientific and Cultural Renaissance Jesuit Cairo und der Animation School sollte, den Vorstellungen der Kinder entsprechend, die Spielstadt eine kleine Filmstadt sein, mit Kamera-, Filmschnitt-, Zeichen-, Kostümbildner- und anderen Workshops und Aktivitäten rund ums Filmemachen.
 
  • Mini Kairo 2018 Foto: © Hassan Emad
  • Mini Kairo 2018 Foto: © Hassan Emad
  • Mini Kairo 2018 Foto: © Hassan Emad
  • Mini Kairo 2018 Foto: © Hassan Emad
  • Mini Kairo 2018 Foto: © Hassan Emad