Thomas Lehmen über Tsukide Etappen einer künstlerischen Weltreise

Fern von den Restriktionen der Schaukastenbühne und konventioneller Theaterräume erforscht Tänzer und Choreograph Thomas Lehmen seit 2013 neue, ganz direkte Wege der Kunstausübung.


In seinem Projekt „A piece for you“ beteiligt er Rezipienten unmittelbar am Produktionsprozess und erarbeitet gemeinsam mit ihnen ganz persönliche `Geschenke´: kurze Tanzstücke, die vom Sein und Wesen eines einzelnen Menschen inspiriert und diesem gewidmet sind. 2013 reiste er für dieses Projekt unter anderem nach Oberhausen, Tallinn, Warschau, Bologna, Gießen, Sofia, Chennai und Dhaka. 2014 durch Bangladesch, Indien und Korea – hin zu einem dreimonatigen Aufenthalt im Künstlerdorf Tsukide in Japan. Eine Reise, die auch per Flugzeug sehr weit gewesen wäre, doch immer auf der Suche nach neuen Begegnungen und Spielstätten, entschied sich Lehmen für einen noch längeren Weg: den Landweg auf seinem Motorrad.

Das Ziel seines Projektes ist, Kunst und Kreativität direkt in zwischenmenschliche Beziehungen einfließen zu lassen und das gesellschaftliche Leben dadurch künstlerisch zu bereichern. Da das kulturelle Angebot in Großstädten mit verschiedensten Museen, Theatern und Galerien gemeinhin sehr vielfältig ist, liegt Lehmens Fokus insbesondere auf Dörfern und kleineren Kommunen. Um hierbei auch abgelegene Gemeinden – im Kosovo, in Russland, Kirgistan und Usbekistan, zig Kilometer entfernt vom nächsten Flughafen – zu erreichen, entschied er sich für die nicht ungefährliche Reise auf dem Motorrad. Anfang 2014 fand er sich so in einem kleinen Ort in Kasachstan wieder, gefangen zwischen dem kaspischen Meer und dem Altai-Gebirge und sah nur einen Ausweg: sein Motorrad im Voraus mit dem Schiff nach Japan zu schicken und seine nächsten Ziele Bangladesch und Indien mit dem Flugzeug und auf Schusters Rappen zu bereisen. Im Anschluss arbeitete er von Februar bis Mitte Juni 2014 an mehreren Projekten im Südwesten Japans, im Künstlerdorf Tsukide, tief in den Wäldern von Chiba.

Thomas Lehmen 2017 © Thomas Lehmen 2017 Wie überall auf seiner Reise suchte Lehmen auch hier in Workshops und Vorträgen den Dialog mit den hiesigen Dorfbewohnern und mit lokalen Künstlern, um gemeinsam etwas zu erarbeiten. Die unterschiedlichen Begegnungen und Erfahrungen, die er dabei machte, lassen sich nach seiner Aussage nicht in „einem einzigen Satz, mit einer einzigen Botschaft“ wiedergeben. Einen wirklichen Eindruck kann man sich nur durch die Texte, Bilder und Videos auf seiner Projektseite (www.apieceforyou.com ) machen. Alle anderen ließ er vor der Abfahrt nach China - seiner nächsten Etappe, bevor er den Weg nach Nordamerika antritt - zumindest mit einer Erkenntnis und einem schönen Denkanstoß zurück:

„ […] as I found out and mentioned earlier, the greatest presents one can give are the ones which have no financial, material or in any way representable aeqivalent. Make up your own mind which presents these are ... “ (Thomas Lehmen; news from a piece for you; Haneda, 17th of June, 2014)