Nuclear Nation II Die andere Realität

Nuclear Nation
Nuclear Nation | Foto: © Atsushi Funahashi

Radioaktiv verseuchtes Wasser, hohe Strahlenwerte, Kinder mit vergrößerten Schilddrüsen – darüber berichten die Medien detailliert, doch wie steht es um die sozialen Auswirkungen von Fukushima? Die Dokumentation Futaba kara toku hanarete 2 gibt einen Einblick.

Futaba, ein 6.000-Seelen-Dorf am Pazifischen Ozean, ist seit der Katastrophe von 2011 zur Geisterstadt geworden. Der Tsunami machte 90 Prozent aller Häuser dem Erdboden gleich. Dazu wurde das gesamte Gebiet, das nur 20 km von den beschädigten Kernkraftreaktoren entfernt ist, radioaktiv verseucht. Das Betreten der Stadt ist deshalb bis heute nur sehr eingeschränkt möglich.

Die Bewohner wurden evakuiert – in eine Sporthalle nach Saitama und in eine geschlossene Schule nach Kazo. In Futaba kara toku hanarete (2012) portraitierte Regisseur Atsushi Funahashi die Situation der evakutierten Stadtbewohner direkt nach der Katstrophe. Im zweiten Teil seiner Dokumentationsreihe zeigt er ihr bewegendes Schicksal bis heute.

Leben im Ausnahmezustand

Um ein Gesamtbild der sozialen Situation von Futaba zu zeigen, lässt Funahashi unterschiedlichste Betroffene zu Wort kommen: evakuierte Bewohner, Arbeiter am Kernkraftwerk, den Bürgermeister und die Stadtverwaltung.

Mitanzusehen wie sehr die Realität dieser Menschen von unserer eigenen entfernt ist, tut zuweilen sehr weh: vom resignierten Großvater, der neben Duzend anderen seit drei Jahren in einer Sporthalle schläft, über ein junges Ehepaar, das in Strahlenschutzkleidung zwischen Trümmern in Erinnerungen schwelgt, hinzu überschlagenden Stimmen, die ihrem Unmut in der Stadtversammlung Luft machen.

So manifestiert sich in Futaba kara toku hanarete II letztlich das Bild eines Staates, der nur bedingt Antworten für die Ausnahmesituation dieser Menschen bieten kann. Viele Einwohner der Stadt haben die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Futaba und auf ein Leben „danach“ aufgegeben. In ihren Augen gibt es keine Perspektive mehr - lassen Sie uns hoffen, dass sie sich irren.