Exportschlager `Hebocon´ Kampf der Roboter

Exportschlager `Hebocon´:  Kampf der Roboter
© Hebocon/ Daiju Ishikawa

Roboterwettkämpfe bei denen die Teilnehmer ihre Ingenieurskunst zur Schau stellen, gibt es bereits seit langem. Beim neuesten Trend, den sog. „Hebocon“-Kämpfen steht dagegen der Spaß im Vordergrund. 
 

Ob Alt oder Jung, alle brechen in Gelächter aus, wenn sich Roboter in der Arena gegenüber stehen, die zur Hälfte aus Alltagsgegenständen zusammengebaut sind. Über das Internet verfolgen Fans auf der ganzen Welt die Wettkämpfe, die seit 2015 auch in vielen Städten außerhalb Japans ausgetragen werden. Wir trafen uns mit Daiju Ishikawa, dem Erfinder dieses neuen Phänomens.

Die erste Hebocon fand im Sommer 2014 in Tokyo statt. Wie viele Veranstaltungen gab es seitdem?

Soweit ich weiß gab es bis Ende 2015 mehr als 52 Veranstaltungen. Alleine in Japan gab es mehr als 20. Sieben davon habe ich selbst organisiert.

Das ist aber wirklich eine Menge! Haben auch schon welche in Deutschland stattgefunden?

Ja, tatsächlich! In Deutschland fand ein Hebocon-Wettkampf im Rahmen eines Treffens des Chaos Computer Clubs statt und zwei weitere bei der Things Con in Berlin und im Makerspace Leipzig – also insgesamt schon drei. Ich habe Kontakt zu den Veranstaltern per E-Mail, einige waren auch schon zu Besuch in Japan.  Die Veranstalter aus Leipzig haben mir sogar einen Roboter vom Turnier als Souvenir mitgebracht. Der hatte die lange Reise leider nicht überstanden und kam in Einzelteilen an (lacht).  

Hatte dieser deutsche Roboter dann auch besonders „deutsche“ Eigenschaften?

Er bestand gewissermaßen aus Sperrholz und Schrott. Unten befanden sich Räder, oben war der Filter aus einer Kaffeemaschine befestigt. Verbunden war alles durch einen Motor. Es war eine ziemlich solide Konstruktion. In Japan werden die Roboter oft nur aus einfachen Modellbauteilen zusammengeschustert und dann mit Papier verkleidet.

Von Japan in die Welt



Das heißt die Materialien variieren von Land zu Land oder werden in der Regel einfach Alltagsgegenstände umfunktioniert?

Das hängt von den Teilnehmern ab. In Japan sind die Teilnehmer der Hebocons in der Regel alle Anfänger. Die können natürlich nicht alles von Grund auf minutiös und präzise entwerfen. Bei den Events in Deutschland kamen dagegen erfahrenere Bastler aus der Hackerspace-Szene zusammen. Solche Teilnehmer bringen natürlich ganz andere Fähigkeiten mit.

In Japan gibt es diese Hackerspaces eigentlich nicht, oder? In Deutschland kommen solche Events ja eher in der Szene zustande.

Ich kenne mich da leider nicht gut genug aus, aber vielleicht könnte man das so sagen.  Das sind eben regionale Unterschiede. Dafür sind die Wettkämpfe in Asien um einiges größer. In Hongkong und Taiwan wird in großem Maßstab für die Events geworben, was enorm viele Zuschauer anlockt. In Amerika und Europa bewegt sich dagegen alles innerhalb der Hackerspace-Szene, ohne viel Zulauf von außen.

Werden Sie denn von den ausländischen Veranstaltern direkt kontaktiert und um Infos und Material gebeten?

Ich habe ein Set, bestehend aus einem Regelbuch, Tipps zur Organisation und ein Handbuch zum Konzept eines Hebocon, dass ich an Interessierte verschicke.  Aber ich betone immer, dass sie alles ganz individuell anpassen und weiterentwickeln können. Ah! Und das Logo, das schicke ich ihnen auch. Die Veranstalter in Bangkok haben es zum Beispiel in die thailändischen Nationalfarben getaucht und in Indonesien haben sie eine  Tier-Silhouette hinzugefügt, damit es zum dortigen Thema passte.

Wo fand der größte Hebocon- Wettkampf außerhalb Japans statt?

Meines Wissens nach war das in Taiwan, bei der Makers Faire Taipei 2015. Da traten mehr als 60 Teams an. Aber bei so großen Veranstaltungen ist der Aufwand unglaublich groß und alles dauert sehr lang. Das bis dato kleinste Event hatte nur fünf teilnehmende Teams. Ich finde es gut, dass es auch noch kleinere Hebocons gibt. Da kann man ganz unbeschwert einfach nur Spaß haben.

Roboter als individuelles Ausdrucksmittel


Waren Sie schon einmal zu Besuch bei einem Tunier außerhalb von Japan?

Ja, ich bin einmal nach Hongkong geflogen. Das war letztes Jahr, während der sogenannten „Regenschirm-Revolution“. Also der Proteste gegen die Einmischung der chinesischen Regierung Chinas und für freie Wahlen in Hongkong. Die Demonstrationen wurden gewaltsam aufgelöst, aber die Ressentiments blieben. Der Hebocon-Wettkampf dort lieft deshalb unter dem Motto „Politiker“! (lacht) Alle Roboter parodierten politische Skandale - eine irre Art von Satire. Das war das erste Mal, dass ich die kleinen Roboter als politisches Ausdrucksmittel gesehen habe und es hat mich sehr überrascht.



Solche Hintergründe erfährt man wahrscheinlich nur, wenn man persönlich vor Ort ist. In Japan gilt Hebocon ja eher als eine Ausprägung der „Kawaii-Kultur“, oder?

Ja, das stimmt! Hier werden die Roboter oft zu richtigen fiktionalen Charaktere, komplett mit einer ausgedachten Biographie. Neulich gab es da zum Beispiel einen Roboter aus zwei Hälften, da hieß es dann es wären „zwei Brüder, die zeitlebens voneinander getrennt aufgewachsen sind“. Solche Szenarios werden da erfunden!

In Japan hat man ja auch ein anderes Verhältnis zu Robotern durch die vielen Geschichten in  Mangas und Animes. In anderen Ländern ist das Verhältnis gegenüber Robotern viel distanzierter, man sieht sie nur als ein Werkzeug. Vielleicht ist es deshalb an der  Zeit für einen internationalen Hebocon-Wettkampf?

Das klingt nach einer wunderbaren Idee! Tatsächlich soll im August 2016 im Rahmen des Maker Faire Tokyo die erste Hebocon Weltmeisterschaft stattfinden in Odaiba stattfinden. Da kann man ja gar nicht anders als mitfiebern, oder?