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Masao Adachi
Cinema Revolution

Gushing Prayer
© 2018 Kokuei / Rapid Eye Movies

In Gushing Prayer (1971) spiegelt Masao Adachi die Verlorenheit der Jugend nach dem Ende der Studentenbewegung in den 1960ern in Japan und spielt das kapitalistische System gegen sich selbst aus.

Maso Adachi (geb. 1939) ist ein wahrer Revolutionär und deshalb auch ein ungewöhnlicher Regisseur. Er gehört mit Nagisa Oshima  und Koji Wakamtsu (mit denen er u.a. auch in Die Rückkehr der drei Trunkenbolde „Kaite kita yopparai 1968 / Tagebuch eines Diebes aus Shinjuku /shinjuku dorobo niki 1969 zusammenarbeitete) zu den Vertretern der Novelle Vague in Japan. Er versteht das Filmemachen als Möglichkeit des Aktivismus, seine Filme sind politische und soziale Kommentare, dazu gemacht, aufzurütteln und etwas zu verändern.
 
Sein Film „Gushing Prayer“ (1971), der im Programm der Berlinale 2018 zu sehen ist, entstand im gleichen Jahr als er mit Oshima zum Filmfestival in Cannes eingeladen wurde. Auf dem Rückweg nach Japan machten beide Halt in Lebanon mit dem ambitonierten Plan eine Dokumentation über die Unterdrückung der Palästinenser zu drehen. Drei Jahre nach „The Red Army / PFLP: Declaration of World War (sekai senso sengen red army/pflp ,1971)“ kehrte Adachi Japan endgültig den Rücken und schloss sich der Japanischen Roten Armee im Lebanon an. Ende der 90er wurde er dort verhaftet und Anfang 2000 nach Japan überstellt, um schließlich drei Jahrzehnte nach seinen letzten Kinoerfolgen mit seinem im Gefängnis verfassten Memoiren „Cinema/ Revolution (2003)“ ins Filmbusiness zurückzukehren. 

Am Ende der Neuen Ordnung  

 
Die Verbindung der populären Pinkeigas mit politischen Botschaften in Japan in den 1960ern und 70ern war nicht zufällig, im Gegenteil: das Arthouse-Genre zwischen Kunst, Porno und Gewalt war ein vitales Instrument zur politischen Meinungsäußerung. Es erlaubte den Regisseuren Ideologien und Kinotechniken zu erforschen und garantierte ihnen - unter der Prämisse alle 10 Minuten eine Sexszene einzubauen, Sex sells! -  absolute künstlerische Freiheit sogar bis hin zur kritischen Hinterfragung des dahinterstehenden kapitalistischen Systems.
 
In Gushing Prayer (1971) tut Masao Adachi genau das und strickt zwischen Gruppensex und Gewalt subversive Systemkritik. Seine Protagonisten, vier Jugendliche versuchen die Leere nach dem Ende der Studentenbewegungen im besetzen Japan mit Sex auszufüllen und sich damit gleichzeitig von der Welt der Erwachsenen abzugrenzen. Doch es will nicht gelingen: „Zwei Stunden machen wir das nun und es ändert sich immer noch nichts?“ konstatieren sie in der ersten Szene.
 
Der eigne Körper wird zum Fremden, Selbsterkundung zur Farce – gespickt mit authentischen Abschiedsbriefen von Selbstmördern erzählt Adachi vom verzweifelten Ringen nach Wahrheit. Er nutzt Landschaftsaufnahmen als politische Metapher und zeigt deutlich wie die Protagonisten sich gefangen zwischen Prostitution und Erwachsenenwelt immer weiter von sich selbst entfremden. Alles was ihnen bleibt, ist zu beten und dem Zuschauer sich zum 50-jährigen Jubiläum der 1968er noch einmal den Geist der Revolution ins Gedächtnis zurück zu rufen: Was hat er verändert und wieviel ist geblieben?

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