Berliner Theatertreffen
Zwischen Kunst und Politik
Von der aktuellen Flüchtlingsproblematik, über Baal im Vietnamkrieg, bis hin zu einer Aufarbeitung des Balkan-Kriegs – die Auswahl des Berliner Theatertreffens präsentierte sich 2015 so politisch wie selten zuvor.
Jedes Jahr im Mai werden beim Berliner Theatertreffen zwei Wochen lang die zehn „bemerkenswertesten“ Inszenierungen aus dem deutschsprachigen Raum gezeigt.
2015 wurde das Festival mit „Die Schutzbefohlenen“ (2014) von Elfriede Jelinek und Nicolas Stemann eröffnet. Das Stück thematisiert die aktuellen Probleme europäischen Flüchtlingspolitik. Auch die Gruppe Rimini Protokoll griff die Debatte in ihrer Inszenierung „Hausbesuch Europa“ (2015) auf, die außerhalb des Theatertreffens lief. Derart wurde das Berliner Publikum dazu animiert, sich gleich aus mehreren Perspektiven mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Daneben bot das Theatertreffen 2015 die letzte Chance Frank Castorfs Inszenierung von Berthold Brechts „Baal“ (2014) zu sehen. Weitere Aufführungen wurden im Urheberrechtsstreit zwischen dem Suhrkamp Verlag und dem Residenztheater München als „nicht autorisierte Bearbeitung des Stücks" im Februar 2015 untersagt. Und wirklich, Castorfs Inszenierung bewegt sich fern von der Chronologie der Textvorlage. Doch obwohl er extrem gewalttätige Szenen und fremde Textzitate wild aneinanderreiht, tritt der originäre Trieb des Protagonisten zur totalen Selbstzerstörung glasklar zu Tage.
Die Israelitin Yael Ronen, wie Kennedy ebenfalls eine junge Regisseurin, schließlich inszenierte eine reale Schuld und Sühne Aufarbeitung. In ihrem Stück „Common Ground“ (2014) beleuchtet sie die persönlichen Schicksale ihrer Schauspieler, die alle aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen. Als Kinder der Opfer von Kriegsverbrechen, Kinder von Tätern und Außenseitern suchen sie auf der Bühne ganz real nach einer gemeinsamen Basis. Obschon des ernstes Themas kommt der Humor bei Ronen und ihren Schauspielern aber nie zu kurz. Mit Witzen und viel schwarzem Humor kleiden sie den hochdramatischen Inhalt in ein leichtes Gewand. So zeigte „Common Ground“ letztlich eindrucksvoll, dass politische Inhalte durchaus auch einmal mit einem Augenzwinkern serviert werden können und ihre Wirkung beim Zuschauer in dieser Form vielleicht sogar noch intensiver entfalten.