DMY Berlin
Unaufdringliche Arten der Kommunikation
Beim DMY Internationales Design Festival Berlin zeigte vor allem der Nachwuchs, wie man mit intelligentem Design den Alltag erleichtern kann.
Bereits zum 14. Mal kamen an vier Tagen Designinteressierte beim DMY Internationales Design Festival Berlin zusammen. In den Weiten des Kraftwerks in Berlin-Mitte, einer fast kathedralartigen ehemaligen Maschinenhalle mit hohen Decken und mehreren Stockwerken, wurden innovative Designobjekte, etablierte Produkte wie auch Newcomer sowie spannende Prototypen von Designhochschulen präsentiert. Dabei handelten die Objekte alle Designbereiche ab: Von Produkt- und Industriedesign bis zur Mode – und selbst das Thema Flüchtlinge kam mit in den Talks vorgestellten Hilfsprojekten unter.
Interessant war beim Rundgang über die auf zwei Stockwerken verteilte Ausstellung, wie der Nachwuchs mit alten wie neuen (digitalen) Alltagsproblemen umgeht und diesen mit intelligenten Designlösungen begegnet. So zeigte etwa nacood Lab, ein in Berlin und London ansässiges Design-Studio und einer der Gewinner der Nachwuchspreises New Talent Competition des DMY, welche Möglichkeiten in einem scheinbar nicht sehr widerstandsfähigen Material wie Papier schlummern. Die japanischen Designerinnen Maasa Yamanashi und Shiori Aiba von nacood Lab haben die spezielle Verarbeitung von japanischem Papier, Washi genannt, weiter entwickelt. Traditionell tragen japanische Priester bei buddhistischen Zeremonien papierne Kleider, „Kumiko“ genannt. Die beiden haben nun eine Kollektion an Regenmänteln und Regeschirmen herausgebracht – allesamt aus Papier.
Zur Herstellung ihrer „Wearing Water“-Kollektion wendeten sie dieselbe traditionelle Papiergewinnungstechnik per Hand an. Dabei verarbeiteten sie die Rinde eines Gebüschs, deren lange, flexible Fasern optimal sowohl gegen Feuchtigkeit als auch UV-Einstrahlung schützen. Seine Robustheit erhält das Papier durch den „Konnyaku“-Klebstoff, der aus der Wurzel der Teufelszunge, einer Kaktusart, gewonnen wird. „Die Leute denken immer, Papier wäre ein ‚schwaches’ Material und eigentlich nur zum Schreiben interessant“, erzählt Maasa Yamanashi. Doch weit gefehlt: Den Regenmantel aus ihrer Kollektion kann man mehrere Wochen tragen. Seine Oberfläche fühlt sich zart und fragil an. Dennoch ist das Gewebe so fest, dass es der Witterung standhält. Nur waschen darf man ihn nicht.
Mehr als Lego
Auf die Idee kam Pasternak, nachdem ihn einmal ein Junge auf einer Ausstellung fragte, was er für Interessen haben müsste, um selbst Produktdesigner zu werden. Er hatte keine Antwort darauf, weil er darüber noch nie nachgedacht hatte. „Das hat mich noch sehr beschäftigt. Denn das erste Mal, als ich gemerkt habe, dass ich ein Interesse an Konstruktion, an technischen Sachen und an Material habe, war im LEGO-Zeitalter. Damit konnte ich meine Welt selbst gestalten und aktiv bauen, und Sachen aus dem Nichts entstehen lassen“, erinnert sich Marcel Pasternak. Deshalb geht es ihm auch darum, Spielzeug nicht nur passiv zu konsumieren, sondern als aktiver Gestalter selbst zu beeinflussen.
Die Herleitung zu den bionicTOYS stammt von dem Feld der Biomimikry, einer Wissenschaft, die sich Lösungen aus der Natur zunutze macht. Pasternak erklärt: „Es ging mir um eine organische Bewegung, die aus dem Material heraus stattfindet. Auch wenn es so simpel erscheint, hat das Material einen Kraftspeicher. Alles, was man ihm hinzufügt an Kraft, gibt es wieder ab. Das bedeutet, du kannst es ziehen und es schnellt wieder in seine Ausgangssituation zurück“, sagt Marcel Pasternak. Er hat die flexiblen Bausteine als weltweites Patent angemeldet, nächstes Jahr soll ein Crowdfunding-Projekt über die Plattform Kickstarter folgen. Auch er ist ein Preisträger des Nachwuchswettbewerbs des DMY.