Diskurse des Zusammenlebens
Skulptur Projekte Münster
Von Juni bis Oktober 2017 lädt die Stadt Münster nach zehn Jahren erneut zur Großausstellung „Skulptur Projekte“. 35 internationale Künstler zeigen darin unterschiedlichste Aspekte des Körperlichen in Zeiten der Digitalisierung.
Wohl kaum ein Münsteraner hätte sich je träumen lassen, dass das Projekt „Skulptur Projekte“ einmal als Musterbeispiel für einen demokratischen Austausch zwischen Stadt und Bürgern gilt und auch 40 Jahre nach seiner Gründung noch immer Fragen nach Formen und Kriterien von Kunst im öffentlichen Raum behandelt. Ganz im Gegenteil! Ihren Ursprung hat die Ausstellung nämlich in einem öffentlichen Streit um George Rickeys kinetische Skulptur Drei rotierende Quadrate 1974.
Die Bürger Münsters verwehrten sich in verärgerten Leserbriefen und offenen Protesten gegen den Beschluss des damals neu ins Leben gerufenen städtischen Kunstrats zum Ankauf und zur Aufstellung der Skulptur. Auch nach der Schenkung der Skulptur und der Positionierung durch den Künstler persönlich ebbten die öffentlichen Proteste nur langsam ab. Ein damaliger Zeitungsbericht schilderte die Situation anschaulich:
Öffentlicher vs. Privater Raum
In seiner fünften Ausgabe 2017 reflektiert Skulptur Projekte zum einen das Körperliche in Zeiten der Digitalisierung und zum anderen das Verhältnis von öffentlichem und privatem Raum in der Post-Snowden Ära. Stärker als in den vorangegangenen Ausstellungen ziehen die drei Kuratoren Kasper König, Marianne Wagner und Britta Peters dafür auch die darstellenden Künste mit ein. Sie dienen in gewissem Sinn als Bindeglied zwischen traditionellen Skulpturen, dem Körperlosen-Dasein im digitalen Raum und sollen eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema „Verkörpern und Verschwinden“ ermöglichen.
Neben öffentlichen Performances werden unter anderem Gintersdorfer/Klaßen mit der Theatergruppe Kabuki Noir Münster ein neues Stück entwickeln und der Künstler Aram Bartholl soll laut Presseerklärung eine Feuer-Installation präsentieren, an der sich mittels einer „Stockbrot-Technik“ Handys aufladen lassen. Man darf gespannt sein!
Alle Künstler im Überblick
Koki Tanaka, der in seinen Arbeiten immer wieder anschaulich die Möglichkeiten von Krisen und Katastrophen aufzeigt, beschäftigt sich dagegen in Münster mit der Frage: „How to live together?“ Für das Projekt erarbeitete er vorab in einem Workshop mit acht Teilnehmern Filme, die unterschiedlichste Reaktionen auf die Flüchtlingskrise zeigen. Die aufgenommenen Aktionen und Gespräche transferieren das zentrale Thema, das die Großausstellung seit ihrer Gründung bewegt in einen ganz konkreten zeitgenössischen Kontext und unterstreichen die Bedeutung eines offenen Diskurses für das Zusammenleben von Gruppen und Gesellschaften.