Unsere Lehrkräfte im Gespräch Enrico Akamatsu

Enrico Akamatsu
| © Goethe-Institut Tokyo

Enrico Akamatsu erzählt über seine Rolle als Lehrkraft, seine Vorstellung von motivierendem Deutschunterricht- und hat für Deutschlerner/-innen auch einige Tipps parat.
 

1.    Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit als DaF-Lehrer besonders gut?
 
Das Schöne an dem Beruf ist, dass es so viele kleinere und manchmal auch größere Glücksmomente gibt. Mit meinem Unterricht versuche ich stets, Lernen und Spaß miteinander zu verbinden. Nicht alles an der deutschen Sprache ist immer hoch interessant, vieles gar schwierig und komplex. Und so sind meine Glücksmomente, wenn ich sehe, wie meine Lerner trotz allem Fortschritte machen und mit Spaß lernen.
 
 
2.    Haben Sie beobachten können, dass bei Kursteilnehmern durch die besseren Deutschkenntnisse eine deutlich engere Bindung an Deutschland entstanden ist?
 
Ja, sehr oft, denn Sprache verbindet, und das trifft selbstverständlich nicht nur auf Deutsch zu. Es gibt unzählige Beispiele, wo Kursteilnehmer durch das Erlernen der deutschen Sprache eine enge Bindung zu den deutschsprachigen Ländern und ihren Menschen aufgebaut haben. Sei es, weil der Partner deutscher Muttersprachler ist, weil die Sprache das Sprungbrett zu einem Studium oder Forschungsaufenthalt in Deutschland ist bzw. war oder einfach, weil man als Fußballfan endlich auch mal nach Deutschland reist, um ein Spiel zu sehen und mit Fans ins Gespräch zu kommen.
 
 
3.    Mit welchen Fehlern Ihrer Kursteilnehmer haben Sie besonders häufig zu tun?
 
Diese Frage kann ich leider nicht so einfach beantworten, da mit den unterschiedlichen Lernertypen, kulturellen Hintergründen und Lernhistorien natürlich auch die Fehler sehr verschieden sind. Die Problematik ist äußerst komplex. Außerdem versucht man in Japan ja grundsätzlich Fehler zu vermeiden und stellt sie nach meiner Erfahrung oft in den Mittelpunkt des Lernens. Als Konsequenz schweigt man dann im Zweifelsfall eher, als dass man etwas möglicherweise Falsches sagt. Von daher versuche ich in meinem Unterricht immer von dieser Null-Fehler-Toleranz wegzukommen und ermutige zum Ausprobieren.
 
4. Haben Sie sich durch Ihre Tätigkeit als DaF-Lehrer verändert?
 
Oh, ja. Nicht nur, dass meine Menschenkenntnis deutlich zugenommen hat bei den vielen unterschiedlichen Lernern, mit denen ich bis heute zu tun hatte. Auch mein Bezug zur deutschen Sprache ist heute ganz anders als noch vor 12 Jahren, als ich anfing zu unterrichten. Abgesehen davon, dass ich die Struktur meiner eigenen Muttersprache heute viel besser verstehe, nehme ich Sprache allgemein auch viel intensiver wahr, entdecke bis heute neue Facetten und Nuancen im Deutschen und verstehe immer mehr, warum der deutschsprachige Raum so viele bedeutende Schriftsteller und Philosophen hervorgebracht hat. Diese Vielfalt in Wortschatz und Strukturen fasziniert mich mehr denn je.
 
5. Was ist Ihnen bei Ihrem Unterricht wichtig?
 
Neben der bereits erwähnten Verknüpfung von Wissenserwerb und Spaß, die aus meiner Sicht essentiell für erfolgreiches Lernen sind, arbeite ich ununterbrochen daran, auch ein modernes Bild von Deutschland zu vermitteln. Leider erlebe ich in Japan immer wieder, dass auch im 21. Jahrhundert noch die alten, bekannten Klischees, wie Bier, Wurst, Oktoberfest und Beethoven dominieren. Wahrscheinlich wäre es auch umgekehrt so, wenn man Deutsche zu Japan befragen würde. Doch ich möchte in meinem Unterricht verstärkt auch die vielen anderen Seiten von Deutschland zeigen. Deutschland ist auch in Mecklenburg-Vorpommern schön, und neben Bier trinken einige Deutsche auch Bionade, um nur zwei ganz simple Beispiele zu nennen. Aber was mir immer auch ganz wichtig ist zu betonen: Deutschland ist keine homogene Insel, sondern sehr vielfältig und ein ganz wichtiger Teil des gemeinsamen, modernen Europas!
 
6. Welche Tipps würden Sie Kursteilnehmer geben, die das erste Mal beim Goethe-Institut Deutsch lernen?
 
Vor allem würde ich empfehlen, ganz offen in den Unterricht zu kommen, also Klischees über die Sprache an der Garderobe abzugeben und den Mut zu Neuem im Klassenraum auszupacken. Die Grammatik ist nicht das Wichtigste, man muss nicht alle Hör- oder Lesetexte zu 100% verstehen; es gibt nicht immer die eine richtige Lösung, nicht für alle Phänomene gibt es eine Erklärung und ganz wichtig: Fehler zu machen ist keine Schande, sondern ein ganz wichtiger Teil im Lernprozess. Wenn man dann noch eine gewisse Portion an Kreativität und Interesse für andere Menschen mitbringt, hat man meiner Ansicht nach die besten Voraussetzungen, um bei uns mit Spaß und Erfolg zu lernen.