03.03.2016: Workshop und Lyriklesung mit Marcel Beyer

Dichtung steht im Fokus unserer diesjährigen Bemühungen zur Förderung deutscher Gegenwartsliteratur. Wohl keine andere Textform erfordert mehr Genauigkeit und eigenes Mittun als Lyrik. Die Tiefe des poetischen Raums lädt Leser, Zuhörer und Betrachter zu einer fundierten Suche nach möglichen Bezügen und Inhalten ein.
 
Marcel Beyer ist der erste herausragende Dichter deutscher Gegenwartsliteratur, den wir Ihnen in diesem Jahr vorstellen. Der heute in Dresden lebende Autor verfasste Lyrik, Essays und Romane. Dabei beschäftigte er sich zu einem erheblichen Teil mit der deutschen Geschichte. Die Romane „Flughunde“ (1995) und „Spione“ (2000) machten ihn berühmt. Seiner Lust am mikroskopischen sprachlichen Forschen und Experimentieren folgt er in der Lyrik. „Graphit“ ist sein dritter Gedichtband. Marcel Beyer ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und seit 2009 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
 
Auf Einladung des Goethe-Instituts Tokyo ist er im März 2016 zu Gast in Tokyo, nachdem er 2001 und 2005 schon einmal zu Lesungen nach Japan eingeladen wurde. Mit zwei Veranstaltungen zeigt er unterschiedliche Facetten seiner Kunst.
 
Am 9. März tauscht er sich im Rahmen eines Workshops an der Waseda Universität in Tokyo mit Dozenten und Studenten über das spezifische Geschichtsbild in seinen Romanen aus. Die politische Relevanz, besondere ästhetische Merkmale, das Interesse an Ornithologie  und den Medien stehen im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Prof. Hiroshi Yamamoto und Marcel Beyer.
 
Am 11. März, dem Tag der dreifachen Katastrophe in Japan, präsentiert Marcel Beyer mit seiner Lebensgefährtin und Zeichnerin/Fotografin, Jacqueline Merz, eine künstlerische Reminiszenz aus Sprache, Bild und Ton anhand einer Gedichtauswahl aus dem 2014 erschienenen Band „Graphit“.
Die Lyriklesung findet um 19.00 Uhr in der Bibliothek des Goethe-Instituts Tokyo statt.  Durch die enge Zusammenarbeit mit der Chuo Universität wurde sie ermöglicht.
 
Marcel Beyer gilt als Materialist unter den Lyrikern, der das Gewesene und Anwesende zu Neuem formt. Seit seinen literarischen Anfängen hat er sich intensiv mit den ästhetischen Verfahren der Zerlegung, Überschreibung und Neuanordnung von Texten beschäftigt. Hieraus ergibt sich das Potenzial seiner Kunst, aus Katastrophen neue Welten zu formen.