Schreibwerkstatt Ich nannte ihn Krawatte
Schreibwerkstatt mit Milena Michiko Flašar
Flašars 2012 erschienener Roman „Ich nannte ihn Krawatte“ erzählt in poetisch stillen Bildern von zwei Außenseitern, die dem Leistungsdruck der Gesellschaft nicht standhalten und stellt der Angst vor allem, was aus der Norm fällt, die Möglichkeit von Nähe sowie die anarchische Kraft der Verweigerung entgegen.„Über die einfachsten Dinge möchte ich schreiben. Darüber, zum Beispiel, wie wir jetzt hier an diesem Tisch, uns gegenüber, nach zweieinhalb Jahren, einander von Dingen erzählen, über die man normalerweise schweigt.“ – heißt es auf der Internetseite der jungen Schriftstellerin. Worte, mit denen Milena Michiko Flašar die Schreibwerkstatt im Goethe-Institut Tokyo einleiten könnte.
Im ersten Teil des Workshops liest die Autorin Kapitel 60 bis 71 aus ihrem Roman „Ich nannte ihn Krawatte“. Darin geht es um den Verrat Hiros an seiner Freundin Yukiko und im Weiteren um den Verlust seiner Unschuld. Die Textstelle markiert einen ersten Wendepunkt im Leben des jungen Helden, das Ende seiner Kindheit. Die Lesung mündet in einen Austausch mit den TeilnehmerInnen über Erfahrungen des Erwachsenenwerdens.
Im zweiten Teil findet die eigentliche Schreibwerkstatt statt. Ausgehend von einem kurzen Beispieltext, der ein einschneidendes Erlebnis aus der Kindheit der Autorin widerspiegelt, möchte sie die TeilnehmerInnen dazu auffordern, selbst auch über ein solches Erlebnis zu schreiben (entweder autobiographisch oder fiktiv). Es geht also vorrangig um Erinnerungsarbeit, das Sich-Zurückversetzen in einen kleineren Körper, das Nachspüren: Ab wann fand er sich in einer großen (vielleicht auch gefährlichen) Welt wieder?
Anhand einfacher Techniken (Wechsel der Erzählperspektive und/oder der Zeitform) möchte Milena Michiko Flašar mit den TeilnehmerInnen besprechen, wie man eine persönliche Erinnerung auf Distanz bringen oder näher an sich heranholen kann. Wie lässt sich eigenes verfremden? Wie kann man es neu nacherzählen?
Milena Michiko Flašar
Die österreichische Schriftstellerin wird 1980 in St. Pölten als Tochter einer Japanerin und eines Österreichers geboren. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie in Wien und Berlin ein Studium der Komparatistik, Germanistik und Romanistik. Sie lebt in Wien und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache.
2008 erschien ihr Debüt „Ich bin“, 2010 ihr zweiter Roman „Okaasan, meine unbekannte Mutter“ und 2012 ihr drittes Buch „Ich nannte ihn Krawatte“.