HOMOHALAL (2017) vom syrischen Dramatiker Ibrahim Amir wurde 2019 als szenische Lesung in Osaka aufgeführt und erlangte damals aufgrund seiner gesellschaftskritischen Aspekte zu den Themen Integration und Pluralismus hohe Aufmerksamkeit vom japanischen Publikum. Das Stück wird erneut von den Regisseur*innen Miho Takayasu und Tomonori Kasai (HMP Theater Company) inszeniert und nun auf der Bühne aufgeführt.
Homohalal
Wir befinden uns im Jahr 2037. Deutschland gilt als das toleranteste Land der Welt, die Gesellschaft lebt harmonisch miteinander und ist überraschend wenig islamisiert. Die sogenannte Flüchtlingskrise ist bereits zwanzig Jahre her und eine Trauerfeier bringt ehemalige Asylsuchende, Aktivisten und Helfer wieder zusammen. Der gemeinsame Kampf für mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen für Geflüchtete brachte sie damals einander näher. Man verliebte sich und es folgten Heirat fürs Bleiberecht oder Trennung wegen unüberwindbarer kultureller Differenzen. Das erneute Wiedersehen nach so vielen Jahren lässt zunächst Freude aufkommen.
Autor
Ibrahim Amir ist Kurde und wurde 1984 in Aleppo, Syrien geboren. Er studierte Theater- und Medienwissenschaft in Aleppo. Nach drei Semestern wurde er wegen seines Engagements in einer kurdischen Studentenorganisation exmatrikuliert. 2002 ging er nach Wien, wo er ein Medizinstudium absolvierte und inzwischen als Arzt arbeitet. Während des Studiums begann er in deutscher Sprache zu schreiben. Sein erstes Theaterstück Habe die Ehre wurde am 29.01.2013 am Theater Nestroyhof Hamakom, Wien uraufgeführt (Regie: Hans Escher). 2009 erhielt er den Exil-Literaturpreis »Schreiben zwischen den Kulturen« für die Kurzgeschichte
In jener Nacht schlief sie tief. Darüber hinaus wurde
Homohalal 2018 für den Mülheimer Dramatikerpreis sowie für den Nestroy in der Kategorie beste Off-Produktion nominiert.
Regisseur*innen
Miho Takayasu wurde 1978 in Osaka geboren. Seit ihrem achten Lebensjahr ist sie als Kagura-Tänzerin aktiv. Nach dem Studium an der Kinki Universität begann sie mit ihrer Schauspieltätigkeit bei der HMP Theater Company. 2011 nahm sie am internationalen Forum Theatertreffen der Berliner Festspiele mit dem Stipendium des Goethe-Instituts teil. Zurzeit arbeitet sie als freischaffende Darstellerin und kollaboriert mit Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen in den japanischen traditionellen Kunstszenen wie Kalligraphie, Kagura u.a. Darüber hinaus ist sie als Schauspielerin für die HMP Theater Company sowie die MAIMU Production und als Vorstandmitglied von DIVE (Osaka Contemporary Performing Arts Association) tätig.
Der in Sendai, Miyagi geborene
Tomonori Kasai ist Regisseur bei der HMP Theater Company sowie Vorstandsvorsitzender der NPO Osaka Contemporary Performing Arts Association. 1999 rief er ein Forschungsprojekt für Die Hamletmaschine des deutschen Dramatikers Heiner Müller ins Leben. 2001 gründete er zusammen mit Mitgliedern des Forschungsprojekts eine Schauspieltruppe namens „hmp“ (heute: HMP Theater Company) und noch bis heute führt er Regie bei allen Werken dieser Truppe. 2005 kürte ihn die Japan Directors Association mit dem ersten Preis anlässlich des Wettbewerbs für Nachwuchsregisseure. 2008 wurde er zum internationalen Forum Theatertreffen der Berliner Festspiele, dem größten Theaterfestival Deutschlands, eingeladen. 2014 nahm er den Preis für den Neuling des Jahres beim Kunstfestival des Amtes für Kunst und Kultur für die Inszenierung von
Die arabische Nacht von Roland Schimmelpfennig entgegen. In den letzten Jahren inszenierte er u.a. Makoto Satos
Abesada no Inu (2015, Hyogo und Tokyo), Tsuruya Nambokus
Yotsuya Kaidan (2016, Osaka) und Harold Pinters
Moonlight (2017, Osaka). 2011 führte er die Inszenierung von Dea Lohers
Das letzte Feuer in drei japanischen Städten auf.
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