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AMKA Literatur Forum


Literatur © Elisa Calvet via Unsplash Jede*r Schriftsteller*in hat einen Moment, in dem er*sie zum*zur Schriftsteller*in "wird"; ein scheinbar harmloser Moment, der ihr*ihm die Chance gibt, zu sehen, welche Möglichkeiten sich aus seinem*ihrem Wunsch ergeben könnten, der*die "nächste große afrikanische Schriftsteller*in" zu sein. Für manche Menschen geschieht dies in der Stille der Nacht, wenn sie in ihrer zehntausendsten Stunde der Expertise ihr x-tes Wort schreiben. Für andere geschieht es beim AMKA-Literaturforum.
AMKA ("wach auf" in Kiswahili) ist eine in Kenia ansässige und registrierte NGO, die sich für die Förderung von Kreativität einsetzt, aber auch Frauen das Lesen, Schreiben und Veröffentlichen für eine breitere Leserschaft ermöglicht. "Eines der Kernprojekte von AMKA besteht darin, die Veröffentlichung von Texten von Frauen im Rahmen unseres Anliegens "Frauen und kreativer Ausdruck" zu fördern", erklärt die Geschäftsführerin von AMKA, Lydia Gaitirira. "Unser oberstes Ziel ist es, angehende Schriftstellerinnen beim Aufbau von Kapazitäten zu unterstützen, um sicherzustellen, dass die Stimme der Frau durch Kreativität gehört wird."
Und sie sind sehr stolz auf die Partnerschaft, die zum AMKA-Literaturforum geführt hat. "Es hat dem Test der Zeit getrotzt und nicht nur viele veröffentlichte, sondern auch viele preisgekrönte Schriftsteller*innen hervorgebracht. AMKA heißt auch männliche Autoren und Teilnehmer in diesem Forum willkommen, denn sie profitieren nicht nur von den Fähigkeiten unserer kompetenten Moderator*innen, sondern bereichern auch den Diskurs und die Diskussionen in diesem Forum. Wir veröffentlichen ihre Texte nicht, aber wir schätzen männliche Verfechter der Geschlechtergleichstellung. AMKA hat auch von der Wahl der Gastautor*innen profitiert, die unsere Einladungen zu diesem Forum freundlicherweise angenommen haben."
Ich habe auch mit Muthoni wa Gichuru, der derzeitigen Moderatorin des Forums, darüber gesprochen, wie das Ganze abläuft. Das Format, wie sie es beschreibt, besteht darin, dass die Leute Geschichten und Gedichte bei amkaforum@gmail.com einreichen, und sie dann diejenigen auswählt, die besprochen werden. Das Forum findet jeden letzten Samstag im Monat von 10.00 bis 13.00 Uhr in der Bibliothek des Goethe-Instituts statt, und das schon seit etwa acht Jahren, außer natürlich während der Pandemie, in der AMKA online durchgeführt wird. Die Beiträge werden vorgelesen und die Teilnehmenden äußern ihre Meinung. Die Diskussion wird zusammen mit Tony Mochama, einem Schriftsteller, und Dr. Tom Odhiambo, einem Literaturlehrer und ebenfalls Schriftsteller, moderiert.
"Es ist eine kleine Gemeinschaft, aber sie nimmt die Leute herzlich auf. Die Fähigkeiten, die die Menschen erwerben, sind nicht messbar, aber es ist wichtig für die Schriftsteller*innen als eine Art Inkubationsraum. Stellen Sie sich vor, Sie geben einem Huhn zehn Eier, und das Huhn brütet sie aus, und dann kommen drei heraus. Und dann werden diese drei weitere Eier haben. Und dann drei weitere", fügt Dr. Odhiambo hinzu.
Manchmal gibt es auch Gäst*innen - AMKA und das Goethe-Institut haben bereits Ng'ang'a Mbugua, Faith Oneya, Hawa Golokai, Abigail Arunga und Joan Thatiah zu Gast gehabt. Im Jahr 2020 hatte AMKA den Regionaldirektor der Oxford University Press, John Mwazemba, zu Gast. "Die Veranstaltung bietet Schriftsteller*innen einen Raum, in dem sie wachsen können", erklärt Muthoni. "Die Schriftsteller*innen erhalten ehrliches Feedback, und diejenigen, die es gut aufnehmen, entwickeln sich in ihrem Schreiben wirklich weiter: [Leute wie] Okwiri Odour, Makena Onjerika (beide Caine-Preisträgerinnen), Faith Oneya (Kurzgeschichtenautorin und Journalistin), Gloria Mwaniga (Miles-Morland-Stipendiatin), Margaret Muthee (Kurzgeschichten- und Kinderbuchautorin) und Jerusha Kananu (Dichterin).
Faith Oneya, oben erwähnt, begann aus diesem Grund, AMKA zu besuchen. "Dieses Forum hat mich in meinen Augen literarisch entjungfert", lacht sie. Faith wurde bald in einer großen Sammlung von Vignetten von Autorinnen mit dem Titel Fresh Paint veröffentlicht - eine Publikation, die nach der von ihr beigesteuerten Geschichte benannt wurde. Die Zusammenarbeit mit AMKA führte zu einer weiteren Kurzgeschichtensammlung, Fresh Paint Volume II, sowie zu vielen anderen Beiträgen und Titeln in mehreren Kurzgeschichten-Anthologien.
Gloria Mwaniga, eine weitere bekannte Alumna von AMKA und ebenfalls eine ehemalige Moderatorin, hielt sich selbst nicht einmal für eine Schriftstellerin, als sie anfing, das Forum zu besuchen - nur für jemanden, die gerne liest. Aber die Gespräche bei AMKA regten sie, wie sie sagte, so sehr an, dass sie zurück an die Universität ging und versuchte, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. "Ich bin mit der Liebe zur Kunst aufgewachsen, habe gelesen und Kunst- und Buchsendungen auf BBC gehört. Einen Ort zu finden, an dem sich Buchliebhaber*innen treffen, um über das Schreiben zu diskutieren und sich auszutauschen, bedeutete mir sehr viel. Diese Zusammenkünfte haben mir so viel Energie gegeben."
"Ich glaube, dass AMKA eine strukturierte Art der Diskussion über Literatur bot. In einem Land, in dem es keine Master in Fine Arts (MFA)-Studiengänge im Bereich des Schreibens und nur sehr wenige Literaturwerkstätten gibt, glaube ich, dass viele der Teilnehmenden einen Einblick in Literaturwerkstätten und -schulen bekamen. Wie mir hat es denke ich auch anderen Schriftsteller*innen geholfen, ihr Handwerk ernst zu nehmen". Dr. Odhiambo teilt Glorias Ansicht, dass die relativ unstrukturierte - oder Laissez-faire-Struktur, wie er es nennt - genauso wichtig ist wie Programme für kreatives Schreiben, da AMKA weniger formell, weniger fordernd, aber dafür umso motivierender ist.
Tony Mochama, einer der AMKA-Moderatoren und mehrfacher Literaturpreisträger, erklärt Geschichten als Zeitstücke der Erzählung und die Art der öffentlichen Kritik, die sie bei AMKA üben, als "die von Fachleuten durchgeführte Zerlegung der großen Uhren, die wir eine Geschichte nennen".
Er führt aus: "Wir lesen, nehmen die Geschichte dann sehr sorgfältig auseinander und untersuchen sie gründlich unter der Motorhaube, dem Motor, der Geschichten in Bewegung bringt, und der erfolgreiche Erzählungen in Bewegung bringt. Ist die Sprache angemessen? Ist der Stil ausreichend? Sind die Worte effizient? Ist die Handlung logisch? Ist die Stimme glaubwürdig? Ist der*die Autor*in authentisch? Sind die Figuren überzeugend, und interessiert es uns, was mit ihnen geschieht?"
Und ja, obwohl sich das Forum auf Frauen konzentriert, dürfen, wie Lydia sagte, auch Männer teilnehmen und etwas beitragen. Peter Ngila erlebte seinen "Schreibmoment" ebenfalls bei AMKA. Wie er sagt, beginnt die Geschichte damit, dass er früher dachte, er sei ein Genie. "Ich dachte, ich sei ein Genie...und dann ging ich zu AMKA, saß ganz hinten und hörte ein paar Leuten zu. Ich hörte zu, wie die Leute beurteilt wurden, und nach ein paar Samstagen beschloss ich, auch etwas einzuschicken, um beurteilt zu werden. Es bedeutete mir alles. Leute, die über mein Schreiben diskutieren! Die Geschichte wurde allerdings sehr zerrissen. Ich dachte immer, ich sei sehr originell...aber ich merkte, dass ich Klischees benutzte. Ich war gespannt darauf zu lernen. Und das war einer der wichtigsten 'Anfänge' meiner Karriere. AMKA ist ein Raum für alle, vor allem, wenn jemand bereits neugierig ist und lernen will, wie Worte funktionieren und wie das mit dem Schreiben funktioniert." Und die nächste Geschichte, die sie lasen, so versichert er mir, "war viel besser". Wenn Peter über AMKA spricht, hört man die Leidenschaft in seiner Stimme über ein Forum, das vielen Schriftsteller*innen die Möglichkeit gab, ihr Talent zu verfeinern.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Das Format der Moderator*innen ist effizient, das Eintauchen und die Erfahrung des Schreibens in der kenianischen Branche sind offensichtlich, und die Formel funktioniert auch. Das Forum hat sein Ziel erreicht, bessere Autor*innen und Sammlungen ihrer Werke hervorzubringen. AMKA selbst setzt sich für die Aufwertung und Kreativität von Frauen ein, und so wurden die beiden Publikationen, die aus der Partnerschaft mit Goethe hervorgegangen sind, alle von Frauen mitgestaltet: Fresh Paint Volume I und Fresh Paint Volume II.
AMKA ist ein hoffnungsvoller, produktiver Ort, der sich in der komfortablen Bibliothek des Goethe-Instituts oder auf seiner Online-Plattform darum bemüht, die sich ständig verändernde literarische Landschaft zu erweitern. Viele Schriftsteller*innen sind durch die Hände der angesehenen und anspruchsvollen Moderator*innen und Mitglieder gegangen, die jeden letzten Samstag im Monat zusammensitzen und darauf warten, Geschichten zu analysieren - und glücklicherweise werden das auch weiterhin viele tun.