Bilderstrecke von Thabo Thindi Berlin Faces

Berlin ist eine Stadt für jeden und alles. 2009 kam ich ohne jegliche Erwartungen, was mir diese Stadt bieten würde hier her. Letztendlich gab sie mir mehr als ich je gedacht hätte – sowohl im Positiven wie auch im Negativen, je nachdem wie man diese Wörter definiert. Und in der Tat, ist es das, was Berlin für mich ausmacht, es ist eine Stadt der Gegensätze. Einige schaffen es, andere kämpfen kontinuierlich um die Realisierung ihrer Träume, jedoch niemand scheint aufzugeben.

Berlin Faces ist meine ganz eigene Perspektive auf diese Stadt. Die Serie bezeugt die tägliche Achterbahnfahrt meiner Gefühle: angefangen bei den hart um ihren Lebensunterhalt kämpfenden Straßenmusikern, die mich glücklich machen und mich hoffnungsvoll stimmen, zur faltigen 90-jährigen Radfahrerin, die wirkt als ob ihr Leben gerade mal zur Hälfte gelebt ist, zu den Geflüchteten, die das Licht am Ende des Tunnels sehen, ohne Ausstiegsmöglichkeit, oder zu den Obdachlosen, die bis auf die Knochen gegen Kapitalismus kämpfen. Diese tiefverwurzelten Geschichten, von Not und Mühsal von Menschen und ihren jeweiligen sozialen Gruppen, faszinieren mich.
 
Neben den vielen großartigen Dingen hier in Berlin, ist es auch ein Fakt, dass Menschen mich hier immer noch anstarren, da sie mich als Fremden sehen, sogar andere Migraten starren mich an! Manchmal scheint es, als ob ich für einige weniger Wert bin, als andere Menschen, auf Grund meiner dunklen Haut. Selbst von Menschen, die drogenabhängig sind und auf der Straße leben, bekomme ich das Gefühl, dass sie sich mir gegenüber als mehr Wert fühlen. Dies ist ein wichtiger Aspekt meines Lebens in dieser Stadt: Ich gehöre nicht dazu. Punkt!
 
Berlin Faces ist meine unsichtbare Existenz in diesem Bereich. Das Unbemerkte. Ich lebe in diesen Straßen, die meine Anwesenheit gar nicht bemerken, und dennoch bin ich ein gleichberechtigter Teil des Ganzen. Das ist meine Geschichte.

  • Year of the hustlers_2016 Foto: © Thabo Thindi
    Year of the hustlers_2016: Berlin ist eine Stadt der Kämpfer. Jeder scheint zu jeder Zeit um irgendetwas zu kämpfen. Künstler, insbesondere Musikerinnen scheinen noch härter zu kämpfen als andere. Ich wünsche mir, dass sie eines Tages die Früchte ihrer großen Hingabe ernten können.
  • Refugees Welcome¿ Foto: © Thabo Thindi
    Refugees Welcome¿: Berlin lässt lieber seine Gebäude zerfallen als Geflüchtete in anständige Wohnungen unterzubringen, die ihnen einen sicheren Ort und Privatsphäre bieten.
  • Die drei Musketiere Foto: © Thabo Thindi
    Die drei Musketiere: Mir scheint es so, als ob ich sehr oft Frauen mit Kopftuch in Dreiergruppen sehe. Sie kommen mir vor wie Soldatinnen: in der Welt da draußen beschützen sie sich gegenseitig gegen jegliches Böse des Stadtlebens.
  • Walala Wasala - Wer einschläft hat verloren Foto: © Thabo Thindi
    Walala Wasala - Wer einschläft hat verloren: Überleben des Tüchtigsten! Diese Stadt wurde nicht für die Schlafenden gemacht.
  • O-Platz Foto: © Thabo Thindi
    O-Platz: Das Protestcamp der Geflüchteten am Oranienplatz wird wieder aufgebaut, nachdem es von der Regierung zerstört wurde. Die Ketten und Hände symbolisieren für mich vereintes Leid im Unterdrückungssystem. Es gibt eine Einheit im Kampf und eine Idee von ‚Wir werden es überwinden‘.
  • Mekka für Künstler Foto: © Thabo Thindi
    Mekka für Künstler: Kunst in der Stadt. Berlin ist ein Mekka für Kunst, überall sichtbar, dynamisch und lebendig
  • O-Platz Foto: © Thabo Thindi
    O-Platz: Wenn alle in der Refugee-Bewegung involviert sind, wer ist dann eigentlich gegen Geflüchtete?
  • Mein Schlafzimmer Foto: © Thabo Thindi
    Mein Schlafzimmer: Für viele Obdachlose dient die U-Bahn als Schlafzimmer. Bis ich zum ersten Mal beobachtete wie sie vom Sicherheitsdienst verjagt werden, dachte ich, ‚Wow, diese Stadt ist tatsächlich für alle‘.
  • Elegante ältere Dame Foto: © Thabo Thindi
    Elegante ältere Dame: Für mich stellt dieses Foto das gute Leben dar.
  • KaDeWe Foto: © Thabo Thindi
    KaDeWe: Das gute Leben.
  • 1884 – Berlin Kongo Konferenz Marsch in Berlin Photo: © Thabo Thindi
    1884 – Berlin Kongo Konferenz Marsch in Berlin: Bis heute kämpfen wir für die Anerkennung unserer Menschenrechte.
  • Hipster-Leben Foto: © Thabo Thindi
    Hipster-Leben: Eine beliebte Bar in Kreuzberg für die Hippen und jene, die es gerne sein wollen! Die Bar ist nur wenige hundert Meter vom Protestcamp der Refugees am Oranienplatz entfernt.
  • Verloren in der Stadt Foto: © Thabo Thindi
    Verloren in der Stadt: Billige Drogen machen die Leute kaputt
  • Charlie Foto: © Thabo Thindi
    Charlie

Ich bin ein Künstler aus Südafrika, der mit verschiedenen Ausdrucksformen wie Film, Fotografie, Poesie und Performance arbeitet. Seit 2009 lebe ich in Berlin. Meine Karriere im Bereich Film begann an der AFDA in Johannesburg als Filmstudent. Seit dem konnte ich mir einen großen Erfahrungsschatz in diesem Bereich aneignen, sowohl in Südafrika als auch in Deutschland. Ich bin Gründer und Geschäftsführer von Jozi.tv, wo ich - neben vielen anderen Projekten - einen Online TV-Kanal mit dem gleichen Namen produziere. Bei Jozi.tv geht es mir darum eine multimediale Plattform für Afrika in Deutschland zu haben. Mein Ziel ist es Inhalte mit Afrikabezug zu entwickeln, welche den gängigen Klischees und Stereotypen widersprechen. Es mir geht darum eine authentische Darstellung von Afrikanern und Afrikanerinnen zu zeigen, die in der Diaspora leben, insbesondere in Deutschland. In einem anderen meiner Projekte, Exil Faces, dokumentiere ich mit einer Interviewserie die Lebensgeschichten von Menschen aus Südafrika, die während der Apartheid geflohen sind. Sie alle leben aus verschiedenen Gründen nach wie vor in Deutschland oder an anderen Orten außerhalb Südafrikas, bis heute also leben sie im Exil. Als Künstler strebe ich danach das Potential und die Rolle von Kunst als Katalysator für den Dialog und sozialen Wandel zu erforschen. Meine Themen drehen sich um Exil, Vertreibung, Diaspora, Identität und Zugehörigkeit, Mobilität und Migration sowie Interkulturalität.

Ich hatte die Chance an verschiedenen Videoinstallationen und Fotoausstellungen teilzunehmen: Verein Berliner Künstler, Haus der Kulturen der Welt, Ballhaus Naunynstraße, Galerie Listros, JolibaZwo, Oberwelt Gallery in Stuttgart und Cell 63 Gallery. Im Bereich Performance hatte ich kürzlich die Möglichkeit das südafrikanische Stück Blood Knot von Athol Fugard in deutschen Theatern aufzuführen. 2012 gewann ich einen Award für den besten Film im 48 Hour Filmprojekt Berlin.