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Wenn Lesen fördern im ländlichen Kenia Spaß macht
Der Literatur-Caravan


GT Literary Caravan Header_ Children reading Kinder lesen aus einem der von der Literarischen Karawane gespendeten Bücher. © Julian Manjahihi Literaturveranstaltungen sind in Kenia beliebt geworden. Sie finden auf öffentlichen Plätzen, in geschlossenen Räumlichkeiten, in Schulen und Museen statt und nehmen abwechslungsreiche Gestaltungsformen an. Ein klares Anzeichen dafür, dass der Raum für Literatur sich im Laufe der Zeit ausgeweitet hat, unter Einbeziehung aller Altersgruppen. Immer mehr Organisationen sind darin involviert, die Kultur des Lesens zu fördern, als Ergänzung zu den Bemühungen der Regierung. Aber wie lassen sich solche Veranstaltungen unterhaltsam gestalten und diejenigen mit einbeziehen, die weit entfernt von Orten der Literatur sind?


Das Goethe-Institut hat sich mit verschiedenen Organisationen zusammengeschlossen, um die Idee eines Literatur-Caravans auszutesten und dabei junge LeserInnen in Grundschulen und weiterführenden Schulen zu erreichen. Es war ein drei-Tages-Trip durch ländliche Regionen, von den kurvenreichen Straßen Machakos, nur 60 Kilometer von Nairobi entfernt, durch das malerische Flachland von Molo in der Grabensenke, bis zum stillen Regenwald in Kakamega, etwa 350 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Während der Reise wurden mehrere Veranstaltungen durchgeführt. Das Hauptziel war es, die Liebe zum Lesen bei den SchülerInnen zu unterstützen und sie mit kreativen Fähigkeiten des Schreibens auszustatten.


Der Weg nach Machakos
Die Reise begann mitten im Zentrum von Nairobi, am 27. Mai. Es waren die All for Books, Initiative, die “Writers Guild Kenya”, die Write Academy, der kenianische nationale Büchereidienst KNLS, der Verlag Nsemia und die Organisation Storymoja Africa vertreten. Die Leitung der Informations- und Büchereiabteilung des Goethe-Instituts in Nairobi, Elizabeth Wichenje, war führende Koordinatorin.

Die gesamte Rücksitzfläche des 24-Sitzer Minibusses war von den Bilderbüchern eingenommen, die von “All for Books” in Verbindung mit dem Verlag “Moran” gespendet worden waren. Die Gruppe der GeschichtenerzählerInnen und AutorInnen war glücklich darüber, den Verkehrsstau Nairobis für eine Weile hinter sich zu lassen und die offene, steinige und spärlich besiedelte ländliche Region Machakos zu erkunden. Ihr Ziel war die St John’s Kangii Secondary School.

Wie die Reise nach Kangii zeigen würde, gibt es eine Verbindung zwischen kreativen Köpfen und der Natur. Je weiter die Reise, desto größer das Wunder. Man realisiert erst, dass man sich verfahren hat, wenn was ein zweistündiger Trip sein sollte zu einer 40 Jahre langen Safari wird. Du hast deine Abfahrt verpasst – du weißt es – aber du weißt nicht mehr wo die Abfahrt war. Sie ist irgendwo zwischen den fruchtlosen Mangobäumen und dem Gestrüpp versteckt. Ein Hirte nahe der Autobahn ist wie von Gott gesandt, er lässt seine Buckelrinder in der Obhut der Anführerkuh mit einer Glocke um den Hals, um dir bei der Suche nach dem richtigen Weg zu helfen.

Literary Caravan 2019: Road to Machakos Literarische Caravan auf dem Weg nach Machakos. © Julian Manjahi “Vertraue immer dem Hirten”, sagt jemand im Bus.

Aber das Team machte das genaue Gegenteil und ignorierte die Hinweise des Hirten umzudrehen – bis es zu spät war.
Das Schöne daran, sich auf dem Land zu verfahren, ist, dass dir die lokalen Bewohner versichern, du seist auf dem richtigen Weg, nach vorne zeigen und dir versprechen, dass du nur 100 Meter entfernt von deinem Ziel bist, welches hinter einer unsichtbaren Wegbiegung liege. Sechs Kilometer später kommst du überraschender Weise an deinem Ziel an. Du bejubelst dich und fühlst dich wie ein großer Entdecker, der nie einen Gedanken daran verloren hatte, dass Google Maps hilfreich hätte sein können.


Ein Cocktail der Kunst
12 weiterführende Schulen hatten sich in der St John’s Kangii versammelt. Die Veranstaltung selbst war ein Cocktail der Kunst. Angeleitet von dem internationalen Künstler und Moderator für den Tag, Wangari the Storyteller, sprühten die Talente von einer ausgewählten Gruppe an Vortragenden. Simiyu spielte eine sechssaitige Leier, in ihrer Ursprungssprache Luhya auch litungu genannt. Er führte herzergreifende Darbietungen bekannter Luhya Songs auf, die keinen Zweifel daran ließen, wo seine berufliche Zukunft liegt.

“Vor nicht langer Zeit war der Unterhaltungssektor als Karrieregang verpönt. Aber heute haben viele Menschen ihr Leben auf solchen Talenten aufgebaut; wir sind stolz auf Lupita Nyong’o”, erklärte Stephen Mau, Direktor der Bibliotheksdienste des Ministeriums für Sport und Kultur, den SchülerInnen.

Unter den Darbietungen waren dramatisierte mündliche Erzählungen und Gedichte, die von zeitgemäßen Themen inspiriert waren. Anne Musau, 16 Jahre alt und Schülerin der Gastgeberschule, trug ein kurzes Klagelied vor, das mit einer fantastischen Liebesgeschichte begann, aus der ein Frauenmord hervorging. Hinter dem Titel ‘You promised me heaven’ verbarg sich die Geschichte eines jungen Liebhabers, der seine Geliebte ‘in den Himmel schickte’, als sie ihm das Herz brach.

Literary Caravan: student's performance Ein Schüler spielt das Litungu, ein traditionelles Musikinstrument aus der Luhya-Community. © Julian Manjahi Weiterhin lag ein Fokus darauf, wie Kenntnisse über die Muttersprache Kreativität fördern. SchülerInnen, LehrerInnen und das Team aus Nairobi versuchten sich an Rästeln und Zungenbrechern in verschiedenen lokalen Sprachen. Sie lernten die eröffnenden und antwortenden Rufe für Rästel, die Antworten auf alte Rätsel und die Bedeutung von Sprichworten in verschiedenen Sprachen.


Versuchen Sie sich an folgendem Zungenbrecher in Suaheli:
 ‘Babake Haji, mamake Haji akija mwambie Haji haji manake Haji hajaja.
(“Vater von Haji, wenn Haji’s Mutter ankommt sag ihr, dass Haji nicht kommt, weil er noch nicht angekommen ist.”)
Die Vorführungen schafften eine starke Basis für die Workshops zu kreativem Schreiben, die von den AutorInnen Jennie Marima, Vera Omwocha, Hillary Namunyu, Patrick Ngugi und dem Journalisten Khainga O’Okwemba angeleitet wurden. Letzterer ist der Erschaffer des beliebten Book Café Literaturprogramms, das seit vielen Jahren von der kenianischen Rundfunkgesellschaft gesendet wird.

“Dies ist eine der aufschlussreichsten Literaturveranstaltungen für Schulen, an der ich jemals teilgenommen habe. Nichts von dem was hier aufgenommen wurde wird während des Bearbeitungsprozesses herausgeschnitten werden”, so O’Okwemba.
“Eine Geschichte in einer Gruppe zu schreiben hat mir dabei geholfen, verschiedene Aspekte des kreativen Schreibens zu lernen, die ich in der Schule nie gelernt hätte. Wir dachten uns verschiedene Geschichten, basierend auf denselben Charakteren und Schauplätzen, aus und wir lernten, sprachliche und stilistische Mittel zu benutzen. Meine erzählerischen Fähigkeiten haben sich stark verbessert”, sagte Thomas, 17 Jahre alt und Schüler der 12. Klasse an der St. Peter’s Kwandoo Secondary School.

“Die Fähigkeiten, die ich gelernt habe, sind nicht nur für kreatives Schreiben wichtig, sondern generell für das Verfassen von Essays. Ich möchte beruflich in Richtung Journalismus gehen und diese Veranstaltung kam genau rechtzeitig”, sagte Janet, 17 Jahre alt und Schülerin der 11. Klasse an der Kabaa Mixed Secondary School.

Eine warme Erfahrung im kalten Molo und die Regenwald-Expedition

Im Herzen der Grabensenke, ca. 220 Kilometer westlich von Machakos situiert, war Molo etwas kälter als Machakos. Der Enthusiasmus der 800 SchülerInnen der Molo Akademie brachte dem Caravan jedoch künstlerische Wärme entgegen.

“Ich war glücklich darüber, die AutorInnen zu treffen, die wir sonst nur auf Büchern sehen, und von den fünf W’s und H’s zu lernen: Wer, Was, Warum, Wie, Wo. Das macht das Schreiben so viel einfacher”, sagte Anne, eine Zwölftklässlerin.

Noch mehr SchriftstellerInnen und TrainerInnen kamen an Tag zwei und drei zum Karavan dazu. Die Kinder entwickelten komplexe Welten in ihren Geschichten, manche mit fliegenden Autos und pinken Elefanten. Daran lässt sich gut erkennen, wie das Lesen die Vorstellungskraft erweitern kann.  

Wangari the Storyteller trug eine Volksgeschichte mit dem Namen Die Schildkröte und die magische Trommel vor. Die Geschichte erzählt von der Gefahr, die damit einhergeht, sich auf Magie und Glück zu verlassen, anstatt auf harte Arbeit. In der Geschichte waren die Tiere des Waldes auf die magische Trommel der Schildkröte angewiesen, die zu ihnen brachte was immer sie verlangten. Eines Tages wurde die Schildkröte jedoch krank. Sie nun faulen Tiere gingen gierig mit der Trommel um und als sie zersprang, rief ihr Zauber den Anfang von Problemen herbei, die für die Tiere fast das Ende bedeuteten.

Literary Caravan _ Wangari the storyteller Schülerinnen und Schüler singen mit Wangari dem Geschichtenerzähler während des Literaturfestivals. © Julian Manjahi Um die dreitägige Literatur-Expedition abzrunden, brachten Veranstaltungen in Kakamega zehn Grundschulen an der St. Joseph’s Akademie zusammen. Schulen in dieser ruhigen Stadt sind nur einen Steinwurf voneinander entfernt und umgeben von saftig grünen, riesigen Bäumen als Wolkenkratzer, die ein Sonnendach formen, dass in den einzigen Regenwald Kenias übergeht. Die  perfekte Umgebung für einen Buchliebhaber. Als ob die Freude darüber Bücher zu bekommen und an Workshops über kreatives Schreiben teilnehmen zu können nicht motivierend genug wäre, konnten die Kinder nicht genug bekommen von dem dramatischen Vortrag des Geschichtenerzählers George Chunga. Die Geschichte Ondiek Marach handelt von einem Clan, dem es verboten war, eine Hyäne zu essen. Aber wie sieht es mit dem Jagen, Töten, oder…Probieren der Hyäne aus?

Literary Caravan:  George Chunga George Chungas dramatische Aufführung von' Ondiek Marach'. © Julian Manjahi Bei allen drei Veranstaltungen in Machakos, Molo und Kakamega erhielten die Lehrer Schulungen vom Bibliothekar Muthoni Kibandi und dem CEO der “Writers Guild”, Gabriel Ndinda. Die Wichtigkeit, SchülerInnen dazu zu bekommen, Bilderbücher zu lesen, wurde herausgestellt. Es ist gang und gebe für LehrerInnen Kindern Bücher zu verwehren mit der Aussage, die Bücher würden kaputt gehen. “Wenn du ein Buch mit Eselsohren siehst wisse, dass es benutzt wurde. Wenn ein Buch neu aussieht bedeutet das, dass es nicht gelesen wird”, sagte Muthoni.

Mehr als 1000 Bilderbücher und andere Utensilien wurden an Schulbibliotheken verteilt und sie waren nicht genug für alle Schulen, die teilnahmen. Die Nachfrage, neue Büche zu sammeln, geht weiter und vielleicht auch die Nachfrage nach mehr Caravanen.

Etwa 1500 SchülerInnen, 40 Bibliotheks-LehrerInnen und 15 Schulen in drei Regionen wurden erreicht.    
 

 
 
 

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