Jochen Schmidt Zuckersand

Zuckersand Foto: ⓒ C.H.Beck, 2017 Einmal wieder die Welt aus der Sicht eines Zweijährigen sehen das wäre gewiss eine interessante Erfahrung. Jochen Schmidt stellt sich diese Aufgabe in seinem neuesten Roman Zuckersand. Erzählt ist Zuckersand aus der Perspektive eines jungen Vaters, der sich ganz dem zeitgenössischen Familienbild entsprechend um den Haushalt und die Erziehung des Sohnes Karl kümmert, während die Mutter Klara ihrer Arbeit an der Denkmalschutzbehörde nachgeht.

Der Vater schreibt einen Bericht darüber, was sein zweijähriger Sohn alles anstellt, wie er sich in seiner Umgebung bewegt, welche Sachen ihn faszinieren und vor allem, was Karl alles anders macht im Vergleich zu Erwachsenen. Dabei räsoniert er über die Veränderungen, die in der Welt stattgefunden haben, seit dem er selbst ein Kind war. Der Leser begleitet Vater und Sohn durch ihren Alltag, in dem selbst die gewöhnlichsten Dinge, wie ein Einkauf im Supermarkt, zu einer wundersamen Entdeckungsreise werden.
 
Schmidts Roman beschreibt nicht nur die Wunderwelt eines Kleinkinds, sondern zeigt auch auf, wie staunenswert die alltäglichen Dinge im Leben sind. Witzig, frech und mit vielen kleinen Anekdoten ist die Geschichte nicht nur unterhaltsam, sondern durchaus auch sozial kritisch. Abgerundet mit 14 Vignetten von der Hamburger Illustratorin Line Hoven ist dieses Buch ein echtes Schmuckstück.

Jochen Schmidt wurde 1970 in Ost-Berlin geboren. An der Humboldt-Universität Berlin studierte er erst Informatik, anschließend auch Germanistik und Romanistik. Seit dem Jahr 2000 veröffentlicht er regelmäßig literarische Werke, zudem ist er als Journalist und Übersetzer für das Französische tätig. Schmidt ist besonders bekannt für seine gewitzte Auseinandersetzung mit der DDR und der Nachwendezeit und wurde im Jahr 2004 mit dem Kasseler Literaturpreis ausgezeichnet, einem Förderpreis für Komische Literatur.