Dirk Kurbjuweit Die Freiheit der Emma Herwegh

Die Freiheit der Emma Herwegh © Hanser Verlag, 2017 Der deutsche Vormärz - die Revolution liegt in der Luft.  Alles Alte soll abgeschüttelt werden, neue Ideale sollen eine durch und durch verkrustete Gesellschaft aufbrechen. Dirk Kurbjuweits erster historischer Roman erzählt von Emma Herwegh, die sich dem revolutionären Kampf anschließt, der sie schließlich bis aufs Schlachtfeld führt. Doch das Politische und das Private sind eben doch oft widersprüchlich und so findet sich die Ehefrau des revolutionären Dichters Georg Herwegh bald in einer Beziehung wieder, die mit Emanzipation und Freiheit wenig zu tun hat. 

1894: Die revolutionären Jahre sind vorbei, Emma Herwegh ist fast 80 Jahre alt und längst verwitwet. Verarmt lebt sie in ihrer Pariser Unterkunft, friert in der Nacht und hungert am Tag. Einem jungen Mann, von dem sie sich eine kleine Leihgabe erhofft, erzählt die alte Dame von ihrem Leben in den Jahren des Vormärz:

Emma Herwegh ist ihrer Zeit voraus. Alte Rollenbilder lehnt sie ab, sie strebt nach der großen Veränderung ebenso wie nach der ganz persönlichen Freiheit und dem individuellen Glück. Die Tochter aus gutem Hause heiratet den revolutionären Dichter Georg Herwegh, dem es vor allem an Geld fehlt. Die zwei sind unzertrennlich und voller Tatendrang. Gemeinsam geht es ins revolutionäre Paris von Marx und Heine. 1848 schließt Herwegh sich einer bewaffneten Einheit an, die die Revolution von Frankreich aus in die Heimat bringen soll. Doch als Georg sich in Natalie, die Frau seines Genossen Alexander Herzen verliebt, entfaltet sich zwischen dem revolutionären Paar ein patriarchales Szenario. Emma Herwegh, die mutige Frau, die im politischen Kampf von nichts zurückschreckte, sieht sich in ihrer Ehe mehr und mehr der Demütigung und Unterwerfung ausgesetzt.

Geschickt und überzeugend beschreibt Dirk Kurbjuweit in drei Zeitebenen das emotionale Leiden der Emma Herwegh, die sich um ihr Glück betrogen sieht. Er beugt damit nicht nur einer Verklärung des politischen Paares vor, sondern wirft auch die Frage auf, wie sehr auch heute, mehr als 150 Jahre später, hinter fortschrittlichen Kulissen konventionelle Rollenbilder fortbestehen. 

Dirk Kurbjuweit wurde 1962 geboren und zählt zu den renommiertesten politischen Kommentatoren der Republik. Er ist zugleich, mit nicht weniger Erfolg, Autor einer ganzen Reihe von Romanen. „Die Freiheit der Emma Herwegh“ ist sein erster historischer Roman.