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Berlinale-Blogger 2020
Ein Hoch auf Petra Genetrix

Ayoung Kim: „Porosity Valley 2: Tricksters‘ Plot“
Ayoung Kim: „Porosity Valley 2: Tricksters‘ Plot“ | © Seesaw Pictures

Die zeitgenössische koreanische Künstlerin Ayoung Kim ist mit der Videoinstallation „Porosity Valley 2: Tricksters‘ Plot“ einer von drei koreanischen Beiträgen auf der Berlinale 2020. Ein Interview am Eröffnungstag der Sektion „Forum Expanded“ im Silent Green Kulturquartier im Berliner Wedding.

Wie sind Sie zur Berlinale gekommen?

„Porosity Valley 2: Tricksters' Plot” ist mit Unterstützung des National Museum of Modern and Contemporary Art Korea, der SBS Cultural Foundation und des Goethe-Instituts entstanden. Im November 2019 gab es im Asia Culture Center im südkoreanischen Gwangju eine Ausstellung, bei der ich in dem von Haeju Kim kuratierten Teil dabei war. Zu der Eröffnung hatte das Goethe-Institut auch die Medienkulturwissenschaftlerin Nanna Heidenreich eingeladen. Sie war von 2009 bis 2017 Kuratorin der Sektion „Forum Expanded“, und da sie mein Werk interessant fand, hat sie mich für die diesjährige Berlinale empfohlen.
 
Ayoung Kim Ayoung Kim | Foto: Min Gyungbok Ihr Werk bei einem Filmfestival auszustellen ist vermutlich eine interessante Erfahrung für Sie.

In letzter Zeit gibt es in der Filmszene und der zeitgenössischen Kunstszene viele, die die Grenzen verschwimmen lassen und sowohl als Video- und Medienkünstler*innen wie auch als Regisseur*innen tätig sind. Das „Forum Expanded“ hat meines Wissens seit seiner Gründung eine führende Rolle in der experimentellen Erweiterung des Mediums Films gespielt und Programme kuratiert, die Visuelle Kunst, Bewegtbild und künstlerische Filme zeigen. Dieser Ansatz beinflusst wohl auch zunehmend andere Filmfestivals - ein Zeichen, dass auch die Filmszene selbst die Grenzen des Mediums Films registriert hat. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Medien stark diversifiziert haben. Wenn das Medium Film in dieser Zeit weiter fortexisitiert, dann muss man meiner Meinung nach unentwegt nach dem Grund dafür fragen. Ich finde solche Experimente sehr begrüßenswert, und ich denke, die Teilnahme an der Berlinale wird für mich ein großer Wendepunkt werden. 

Interesse an Narrativen der Migration

Können Sie uns mehr über „Porosity Valley 2: Tricksters’ Plot“ erzählen?
 
Es ist eine 23-minütige 2-Kanal-Videoinstallation und das zweite Werk in meiner Serie „Porosity Valley“, mit dem Untertitel „Tricksters‘ Plot“. Es erzählt die Geschichte des fiktiven Wesens Petra Genetrix, einem Mineralien-Cluster, das durch eine Sprengung aus seinem ursprünglichen Standort „Porosity Valley“ in ein Migrantendasein geschleudert wird. Im „Crypto Valley“ angekommen wird Petra als Migrant und als ein potentiell systemgefährdender Datencluster klassifiziert und quaräntiert. Die Inspiration für das Werk habe ich sowohl aus meiner persönlichen Erfahrung der letzten zehn Jahre gezogen, in denen ich als Migrantin in verschiedenen Städten Europas eine recht unsichere Existenz gelebt habe, als auch aus dem Schicksal jemenitischer Flüchtlinge in Südkorea.

Kreierung neuer Mythen 

Das Motiv von „Porosity Valley“ ist aus einem konkreten Problem unserer Gesellschaft erwachsen, aber Sie haben es in eine fiktive Realität versetzt.

Wenn ich mir meine bisherigen Arbeiten so anschaue, habe ich wohl kein sehr großes Interesse an Realismus als Format. Ich möchte die Realität nicht einfach nur abbilden, sondern bestimmte Probleme lieber durch eine neue Welt oder einen neuen Mythos zum Ausdruck bringen. Mein Interesse an Science-Fiction-Romanen, an spekulativer Literatur und an Afrofuturismus spiegelt sich so in meiner Arbeit wieder. Für mich hat diese ästhetische Methodik einen Wert insbesondere für Minderheiten. Man kann mit ihr durch fiktive Narrative eine alternative Gesellschaft erdenken. 

Was haben Sie als nächstes vor?

Ich arbeite derzeit an einem neuen Werk zum Thema „Techno-Orientalism“. Eine dritte Folge von „Porosity Valley“ steht noch nicht fest, aber da Petra so viele Fans hat, denke ich definitiv darüber nach! (lacht)

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