10 Fragen an Hans-Alexander Kneider

Hans-Alexander Kneider
Foto: Hans-Alexander Kneider

Hans-Alexander Kneider hatte bereits vier Semester Chemie an der Ruhr Universität Bochum studiert, bevor er sich entschloss, seiner Leidenschaft zu folgen und sich dem Studium der Koreanistik, Volkswirtschaft und Wirtschaft Ostasiens zu widmen. Nach dem Abschluss erhielt er von der koreanischen Regierung ein Stipendium für einen dreijährigen Promotionskurs an der Seoul National University. Eine frei gewordene Stelle an der Hanguk University of Foreign Studies gab ihm daraufhin die Möglichkeit, als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Deutsche Sprache und Literatur zu unterrichten. Was ursprünglich nur ein Semester dauern sollte, wurde zu einem Langzeitaufenthalt: Seit über 25 Jahren nun lebt und arbeitet der gebürtige Bochumer in Seoul. Heute ist er Professor an der Hankuk University of Foreign Studies sowie der Graduate School for Interpretation and Translation. Akademisch spezialisierte sich Kneider auf die Erforschung der deutsch-koreanischen Beziehungen und veröffentlichte als Ergebnis seiner langjährigen Recherchen das Buch Globetrotter, Abenteurer, Goldgräber – Auf deutschen Spuren im alten Korea. Ende 2009 wurde er als erster Ausländer in der Geschichte Koreas zum Bezirksbürgermeister in Seoul ernannt.

 

1. Was ist für Sie „typisch koreanisch“?

Neben zahlreichen Aspekten, die man als typisch koreanisch der Kultur Koreas zuordnen kann, deren Auflistung aber sicherlich längere Zeit in Anspruch nehmen würde, möchte ich diese Frage spontan wie folgt beantworten: PC-Bang [Anm.: Internetcafés], Norae-Bang [Anm.: Karaoke], Jjimsil-Bang [Anm.: koreanische Sauna], natürlich Kimchi und eine „ppalli-ppalli“-Gesellschaft [Anm.: „ppalli“: „schnell“].

2. Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Korea?

Das war etwa 1974, als ich auf der Nordseeinsel Norderney einen koreanischen Studenten kennenlernte, der in Köln Wirtschaft studierte. Von ihm lernte ich das koreanische Alphabet „Hangeul“ und einige Sätze auf Koreanisch.

3. In welcher Weise hat die Begegnung mit Korea Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Die Begegnung mit dem koreanischen Studenten war für mich schicksalhaft und sollte meinen gesamten Lebensweg bestimmen. Das Resultat dieses Ferienerlebnisses auf Norderney führte dazu, dass mein Interesse an Korea geweckt wurde und ich mich später für den Studiengang Koreanistik an der Ruhr-Universität Bochum entschied. Ein Promotionsstipendium der koreanischen Regierung brachte mich schließlich nach Abschluss meines Studiums nach Korea, wo ich dann quasi „hängenblieb“, als ich das Angebot der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS) annahm, dort zu unterrichten.

4. Was war Ihr schönstes Erlebnis in Korea?

Mein schönstes Erlebnis war natürlich, meine Frau in Korea kennenzulernen. Abgesehen davon ist es für mich aber jedes Mal ein tolles Erlebnis, wenn ich mit Freunden aus allerlei Nationen am Wochenende für einen oder mehrere Tage auf Motorradtour gehe und dabei die wunderschöne und vielfältige Landschaft des Landes durchquere.

5. Haben Sie einen Lieblingsort in Korea?

Abgesehen von meinem Zuhause in Seongbuk-dong habe ich keinen besonderen Lieblingsort, doch die Provinz Gangwon-do und die Ostküste Koreas bieten viele schöne Lokalitäten, die ich immer wieder gerne besuche.

6. Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?

Diese Frage kann ich nur schwer beantworten, da ich seit fast 25 Jahren nicht mehr in Deutschland, sondern in Korea lebe und nur ein- oder zweimal pro Jahr für kurze Zeit auf Besuch in Deutschland bin.

7. Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit der Übersetzung meines ersten Buches über die deutsch-koreanischen Beziehungen ins Koreanische; mit dem Schreiben eines zweiten Buches über Franz Eckert; mit dem Erstellen eines neuen Lehrbuches für die Uni und mit meinem Job als Bezirksbürgermeister ehrenhalber in Seongbuk-dong.

8. Was sind drei Dinge ohne die Sie nicht auskommen, die Sie immer bei sich haben?

Eine alte koreanische Münze aus dem Jahr 1866 als Talisman, eine Uhr am Handgelenk und - leider Gottes - eine Lesebrille.

9. Welche Kulturleistung aus Korea beeindruckt Sie am meisten?

Die „Hallyu“-Welle; die Entwicklung der koreanischen Filmindustrie; die K-Pop-Szene und vor allem die Entwicklung einer multikulturellen Ebene, auf der neben der koreanischen auch allmählich die Kulturen anderer Länder in Korea präsentiert werden.

10. Wie schmeckt Korea?

Abenteuerlich mit dem Beigeschmack von Modernität und Konservatismus.