10 Fragen an Charlo Park

Charlo Park
Foto: Charlo Park

Charlo Park studierte Anfang der 1990er-Jahre Wirtschaftswissenschaft in New York – und verfiel dort dem Theater. Anschließend lebte er in verschiedenen europäischen Städten. Er lernte die entsprechende Landessprache, arbeitete als Regisseur und schrieb Theaterkritiken – und war fast jeden Abend im Theater. Insbesondere die vielfältige und innovative Berliner Theaterlandschaft hat es ihm angetan. 2012 erschien beim koreanischen Verlag Banbi sein Theater-Tagebuch Berlin: Stadt der tausend Bühnen, das seine interessantesten Artikel vereint: von Goethe bis Bernhard, von den Räubern zu Mutter Courage.


1. Was ist für Sie „typisch deutsch“?

„Vorsorge“ für Dinge, die in der Zukunft passieren könnten, so wie man wichtige Dokumente fotokopiert und sicher aufbewahrt. Man kann das auch als negative Haltung dem Leben gegenüber missverstehen – immer mit dem Schlimmsten rechnen. Mir selbst gefällt dieser "Pessimismus" der Deutschen.

2. Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Als ich in New York studierte, lernte ich einen Regisseur aus Deutschland kennen. Dieser Freund schenkte mir die englische Ausgabe von „Das Leben des Galilei“, es war ein Theaterstück seines Lieblingsdramatikers Bertolt Brecht. Außerdem lernte ich über ihn auch meine damalige Freundin Feli kennen, die Fotografie studierte. Weil es schon so lange her ist, bin ich nicht ganz sicher, wen ich zuerst kennengelernt habe – meine Freundin oder Brecht. Es muss in etwa zur gleichen Zeit gewesen sein.

3. In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

In Deutschland bekam ich die Gelegenheit, meine Erfahrungen mit Kunst, die ich bis dahin hauptsächlich theoretisch, durch das Lesen von Büchern, gemacht hatte, draußen in der Welt und am ganzen Körper zu erleben. Wie ich schon in meinem Buch Berlin, Stadt der tausend Theater spekuliert habe: Die fast täglichen, insgesamt über 500 Theaterbesuche, könnten mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin.

4. Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Am schönsten war es, an Orten wie dem Berliner Ensemble, dem Deutschen Theater, der Volksbühne und der Schaubühne, aber auch auf dem Pina Bausch-Festival in Wuppertal und Düsseldorf, unzählige Künstler und ihre Werke kennenlernen zu dürfen. Großartige Musikerlebnisse hatte ich außerdem auch in der Berliner Philharmonie, der Staatsoper und der Deutschen Oper. Von den Galerien und Museen ganz zu schweigen …

5. Haben Sie einen Lieblingsort in Deutschland?

Ein winziger Park am Ufer der Spree, gegenüber vom Bode-Museum, von wo aus man auch das runde Emblem des Berliner Ensembles sehen kann. Dort konnte ich einsam und ganz für mich allein in Gedanken versinken oder ein Buch lesen, an meinem ganz eigenen Zufluchtsort. Dann gibt es noch die Brecht-Statue, die vor dem Berliner Ensemble steht. Sie spendete mir Kraft in schwierigen oder schmerzhaften persönlichen Situationen. Außerdem am Sonntag der Mauerpark.

6. Auf was könnten Sie in Korea gerne verzichten?

Korrupte Politiker, sogenannte Politiker, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Egal wo, die braucht niemand.

7. Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich schreibe gerade ein neues Buch, diesmal über meine Theater- und Kunst-Erfahrungen in Madrid und Avignon. Inhalt und Struktur werden etwas anders sein als in meinem Buch Berlin, Stadt der tausend Theater aber von der Form her ist es ein ähnliches Projekt. Außerdem probe ich mit Amateurschauspielern – Menschen, die sonst im Büro arbeiten – das Theaterstück „John und Joe“ der ungarischen Autorin Ágota Kristóf. Wir werden es in einem Café in Hongdae auf die Bühne bringen – die kleinste in ganz Korea, mit kaum mehr als fünfzehn Zuschauerplätzen.

8. Was sind drei Dinge ohne die Sie nicht auskommen, die Sie immer bei sich haben?

Meinen Füllfederhalter, ein Buch und ein elektronisches Wörterbuch, das Französisch, Deutsch, Spanisch und Englisch beherrscht.

9. Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Am beeindruckendsten finde ich, dass klassische Museen wie die Museumsinsel oder das Kulturforum einerseits und Orte moderner Kunst wie der Hamburger Bahnhof andererseits, gleichberechtigt angesehen, anerkannt und akzeptiert werden.

10. Wie schmeckt Deutschland?

Keine Ahnung … Auf den ersten Blick ganz gewöhnlich, aber je mehr man isst, desto mehr tritt ein delikater Suchteffekt ein, so wie bei einer leckeren Currywurst.