10 Fragen an Daniel Norbert Seel

Daniel Norbert Seel
Foto: Daniel Norbert Seel

Der Komponist und Pianist Daniel Norbert Seel studierte Anfang der 90er-Jahre Klavier und Komposition an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Als Stipendiat der Deutschen Studienstiftung absolvierte er ein Auslandsjahr an der Seoul National University. In dieser Zeit forschte und experimentierte er zur koreanischen Gesangskunst Pansori und anderen traditionellen Musikstilen. Wieder zurück in Deutschland absolvierte er ein Meisterstudium im Fach Komposition an der Universität der Künste in Berlin.

Daniel Norbert Seel erhielt für seine Werke zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. 2012 wurde ihm unter anderem ein Stipendium für einen Aufenthalt an der Cité Internationale des Arts Paris verliehen. Als Lehrbeauftragter unterrichtete er an mehreren deutschen und koreanischen Universitäten und bietet derzeit Meisterkurse für Musiker an und referiert über Musiktheorie, Musikgeschichte und Neue Musik.

 

1. Was ist für Sie „typisch koreanisch“?

Neben offensichtlichen Klischees wie Kimchi und Hanbok vor allen Dingen ein „Dazwischen“: zwischen überschäumender Lebensfreude und tiefster Depression, zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex, zwischen Schönem und Erschreckendem, zwischen Liebe und Gewalt.

2. Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Korea?

Im schulischen Geschichtsunterricht (Koreakrieg), als ich in Konzerten Musik von Isang Yun und Sukhi Kang hörte, direkt dann über Kommilitonen während meines Studiums in Karlsruhe und schließlich als ich 1993 zum Studieren nach Korea kam.

3. In welcher Weise hat die Begegnung mit Korea Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Ganz entscheidend: Schließlich habe ich viele Jahre in Korea verbracht, eine Koreanerin geheiratet und halbkoreanische Kinder bekommen. Korea hat mein Leben geprägt, bereichert und in zahlreiche Sackgassen geführt, es ist mir zur Heimat geworden – und doch fremd geblieben. Mein Denken und mein musikalisches Schaffen sind von Korea stark beeinflusst.

4. Was war Ihr schönstes Erlebnis in Korea?

In Korea habe ich das größte Glück erfahren, das Glück der Einsamkeit und Ungebundenheit wie das der innigsten Verbundenheit mit geliebten Menschen.

5. Haben Sie einen Lieblingsort in Korea?

Nein.

6. Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?

Auf suizidal veranlagte Autofahrer mit Mordgelüsten.

7. Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Mit Musik, Theologie, Philosophie, Film und Literatur.

8. Was sind drei Dinge ohne die Sie nicht auskommen, die Sie immer bei sich haben?

Man kann auch sehr gut ohne Dinge auskommen. Dennoch habe ich fast immer ein Buch, einen Stift und ein Notizbuch bei mir.

9. Welche Kulturleistung aus Korea beeindruckt Sie am meisten?

Die traditionelle Musik, der Buchdruck, Hangŭl, der zeitgenössische Film.

10. Wie schmeckt Korea?

Von wunderbar bis ekelerregend. Für meinen Geschmack zu oft nach Fisch und Fleisch, da ich Vegetarier bin.