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Südkorea bei der Fußball-WM
60 Jahre voller Höhen und Tiefen

Die südkoreanischen Spieler freuen sich nach einem Tor bei der WM 1986 in Mexiko.
Die südkoreanischen Spieler freuen sich nach einem Tor bei der WM 1986 in Mexiko. | Foto: © Yonhap News

1954 traf Südkorea bei seinem ersten WM-Endrundenspiel auf die ungarische Nationalmannschaft – welche später im Finale beim „Wunder von Bern“ ausgerechnet von Deutschland besiegt wurde. Ein Rückblick auf 60 Jahre Fußball-WM aus der koreanischen Perspektive.

Seine erste WM-Teilnahme feierte das südkoreanische Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz. In der Qualifikation hätte Korea eigentlich in einem Heim- und einem Auswärtsspiel mit Japan um das Endrundenticket für eine asiatische Mannschaft kämpfen sollen. Kurz nach Ende der japanischen Kolonialherrschaft über Korea waren in der koreanischen Bevölkerung anti-japanische Gefühle jedoch noch stark ausgeprägt. Der damalige südkoreanische Präsident Rhee Syng-man erlaubte daher den japanischen Spielern nicht, koreanischen Boden zu betreten, und beide Spiele wurden in Japan ausgetragen.
 
Beim ersten Spiel gegen Japan lag die wohl nervöse koreanische Mannschaft in der ersten Halbzeit 0:1 zurück. Doch mit einer Torexplosion in der zweiten Halbzeit konnte sie das Spiel umdrehen und gewann 5:1. Das zweite Spiel fand bei schwierigen Witterungsbedingungen im Schneeregen statt und endete unentschieden mit 2:2. Mit einem Sieg und einem Unentschieden hatte sich Korea das Ticket für die Weltmeisterschaft in der Schweiz gesichert.
 
Doch die schwerste Aufgabe war, überhaupt bis in die Schweiz zu kommen. Die Mannschaft brach am 9. Juni 1954 in Seoul mit dem Zug in die südkoreanische Hafenstadt Busan auf. Von Busan ging es mit dem Schiff weiter nach Japan, von Japan mit dem Flugzeug nach Frankreich, von Frankreich wieder mit dem Zug bis in die Schweiz. Am Tag der Eröffnung der Weltmeisterschaft, in der Nacht des 16. Juni, kam die südkoreanische Mannschaft eine Woche nach Aufbruch in Seoul am Spielort an. Ohne Zeit, sich von der anstrengenden Reise zu erholen, mussten sie am nächsten Tag gegen den Favoriten Ungarn antreten. Die Koreaner verloren haushoch 9:0. Auch das zweite Spiel gegen die Türkei endete mit 7:0 in einer vernichtenden Niederlage. Die übliche Startaufstellung der Südkoreaner war so erschöpft gewesen, dass vor allem Ersatzspieler angetreten waren.

32 Jahre Warten

Damals hatte wohl keiner gedacht, dass es 32 Jahre dauern sollte, bis Südkorea sich wieder für eine Fußballweltmeisterschaft qualifizieren würde. Bei der Fußballweltmeisterschaft 1958 in Schweden verlegte ein Mitarbeiter des koreanischen Fußballverbandes das Anmeldeformular, sodass Korea noch nicht einmal an der Qualifikationsrunde in Asien teilnehmen konnte. Bei der Vorrunde für die Weltmeisterschaft 1962 konnte Südkorea zwar Japan besiegen, doch die FIFA erachtete das Niveau des asiatischen Fußballs als zu niedrig und ordnete kurzerhand ein Playoff zwischen Europa und Asien an, in dem Südkorea gegen Jugoslawien antreten musste. Südkorea verlor 2:1 und 2:0 gegen Jugoslawien und musste den Traum von einer Teilnahme bei der Finalrunde der Weltmeisterschaft aufgeben.
 
1966, bei der Fußballweltmeisterschaft in London, zog Südkorea unter Zahlung einer Strafe von 5.000 Dollar seine Teilnahme zurück. Man wollte nicht gegen die nordkoreanische Nationalmannschaft antreten, die damals stark war und es in London bis ins Viertelfinale schaffte.
Die Erzrivalen Japan und Korea beim Qualifikationsspiel für die WM 1978. Die Erzrivalen Japan und Korea beim Qualifikationsspiel für die WM 1978. | Foto: © Yonhap News
Bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaften 1970 und 1974 stand schließlich Australien den Koreanern im Weg, danach trafen sie auf die starken Mannschaften aus dem Nahen Osten. 1978 musste Südkorea dem Iran, 1982 Kuwait den Vortritt lassen und durfte nicht zur Endrunde antreten.

Rückkehr auf die WM-Bühne

Bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko war es dann soweit: Südkorea besiegte seinen Erzrivalen Japan in der Asien-Qualifikation mit 1:0 und durfte nach 32 Jahren wieder zu einer WM-Endrunde fahren.
 
Bei der 1:3-Niederlage gegen die argentinische Nationalmannschaft unter Kapitän Diego Maradona schoss Park Chang-sun das erste Tor Südkoreas bei einer WM-Endrunde. Beim zweiten Spiel gegen Bulgarien machten sich die Koreaner Hoffnungen auf einen Sieg, doch das Spiel endete mit 1:1 – immerhin der erste Punkt Südkoreas bei einer WM-Endrunde. Das letzte Gruppenspiel verlor Korea dann 2:3 gegen Italien.
 
Nach der Weltmeisterschaft von 1990 in Italien durfte Südkorea auch zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA anreisen. Wie durch ein Wunder schaffte der Irak im Qualifikationsspiel gegen Japan in letzter Minute vor dem Schlusspfiff noch ein Ausgleichstor und verhalf Südkorea damit zur WM-Teilnahme. Bei der Asien-Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich sicherte sich Korea in einem spektakulären Spiel gegen Japan das Ticket für die Endrunde. Nachdem Südkorea zunächst 0:1 zurücklag, schoss Seo Jung-won kurz vor Ende der zweiten Halbzeit das Ausgleichstor, und Lee Min-sung brachte Südkorea mit 2:1 in Führung. Dieses Spiel im Tokioter Nationalstadion wird von den Koreanern heute liebevoll als der „große Sieg von Tokio“ bezeichnet.
 
Die Endrunde 1998 verlief jedoch enttäuschend. Gegen Mexiko verlor Südkorea 1:3, nachdem es zunächst in Führung gelegen hatte. Im nächsten Spiel verlor Südkorea vernichtend 0:5 gegen die „orange Elf“ aus den Niederlanden. Der damalige Nationaltrainer Cha Bum-kun wurde direkt nach dem Spiel ausgewechselt und musste nach Korea abreisen, ohne das dritte Gruppenspiel noch mitzuerleben. Wie es der Zufall zu wollte, war es der damalige Nationaltrainer der Niederländer, Guus Hiddink, der das südkoreanische Nationalteam dann vier Jahre später bei der WM 2002 in Korea und Japan sensationell bis ins Halbfinale führte. 1998 schaffte Südkorea mit viel Kampfgeist im dritten Gruppenspiel immerhin noch ein 1:1-Unentschieden gegen Belgien.

Die Fußball-WM 2002 Korea/Japan

Die Weltmeisterschaft 2002 in Korea sollte für den südkoreanischen Fußball ein Neubeginn werden. Nachdem Südkorea im ersten Gruppenspiel 2:0 gegen Polen gewann – es war der erste Sieg Südkoreas in einer WM-Endrunde – folgte ein 1:1-Unentschieden gegen die USA und ein 1:0-Sieg gegen den Favoriten Portugal. Mit zwei Siegen und einem Unentschieden zog Südkorea ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft ein – auch dies ein Novum in der Geschichte des südkoreanischen Fußballs.
 
Im Achtelfinale traf Südkorea auf die italienische Nationalmannschaft, die es in der Verlängerung nach einem entscheidenden Tor durch Ahn Jung-hwan mit 2:1 besiegte. Das Viertelfinale gegen Spanien gewann Südkorea im Elfmeterschießen mit 5:4 und stand damit sensationell im Halbfinale. Als der Einzug Südkoreas ins Halbfinale feststand, strömten die Menschen in Korea auf die Straßen und feierten ihre Nationalmannschaft. Die Autos stimmten mit einem Hupkonzert in den Jubel mit ein.
Jubelnde Fans nach dem Einzug der südkoreanischen Mannschaft ins Halbfinale der WM 2002. Jubelnde Fans nach dem Einzug der südkoreanischen Mannschaft ins Halbfinale der WM 2002. | Foto: © Yonhap News
Im Halbfinale gegen Deutschland ließ Südkorea dann in der 30. Minute der zweiten Halbzeit ein Tor von Michael Ballack durch und verlor 1:0. Auch das Spiel um Platz 3 gegen die Türkei verlor Südkorea 3:4 und musste sich am Ende mit Platz 4 zufriedengeben.

Nach 2002

2006 in Deutschland holte sich Südkorea mit einem 2:1-Sieg gegen Togo den ersten Auswärtssieg in einer WM-Endrunde. Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gewann Südkorea in der Gruppenphase zunächst 2:0 gegen Griechenland und verlor dann 1:4 gegen Argentinien. Mit einem 2:2-Unentschieden gegen Nigeria schaffte es Südkorea mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage als Gruppenzweiter ins Achtelfinale – der erste Einzug in ein WM-Achtelfinale außerhalb des eigenen Landes. Im Achtelfinale verlor Korea dann jedoch 1:2 gegen Uruguay und scheiterte am Einzug ins Viertelfinale. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war Südkorea das Losglück zwar so hold wie nie zuvor, dennoch schied es mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen in der Gruppenphase aus.
 
Seit der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko bis zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland hat Südkorea es neun Mal in Folge in die Endrunde einer Weltmeisterschaft geschafft. Damit liegt es hinter Brasilien (21 Mal), Deutschland (16 Mal), Italien (14 Mal), Argentinien (11 Mal) und Spanien (10 Mal) auf dem sechsten Rang. 2018 ist Koreas zehnte Endrundenteilnahme insgesamt. Trotz vieler verletzter Spieler und einer Mannschaft, die viele als eine der schlechtesten südkoreanischen Mannschaften in der Geschichte ansehen, hofft Nationaltrainer Shin Tae-yong auf einen Überraschungserfolg in Russland.

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