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Ex-Fußballstars
Das zweite Leben nach der Fußballerkarriere

Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn ist Fußballexperte für das ZDF.
Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn ist Fußballexperte für das ZDF. | Foto (Ausschnitt): © Jens Hartmann, ZDF

TV-Experte, Funktionär, Trainer – viele Ex-Fußballstars in Deutschland bleiben ihrem Sport treu. Doch manche gehen auch ungewöhnliche Wege.

Von Mara Pfeiffer

Bei vielen Menschen ist die Entscheidung für den Beruf eine fürs Leben. Anders ist das bei Leistungssportlern wie etwa Fußballspielern: Mag die Begeisterung für den Rasen noch so groß sein, irgendwann macht der Körper auf dem Profilevel nicht mehr mit. Was also tun, wenn die aktive Karriere sich dem Ende zuneigt?

TV-Experten, Trainer, Funktionäre

Wenn im deutschen Fernsehen neben den bekannten Sport-Moderatoren ein neues Experten-Gesicht auftaucht, gehört das häufig zu einem ehemaligen Fußballstar. Im ZDF übernimmt seit vielen Jahren der dreimalige Welttorhüter Oliver Kahn diese Rolle, die ARD hat aktuell den ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger unter Vertrag.

Der Wechsel zum Fußballfunktionär oder -trainer ist als „Karriere nach der Karriere“ ebenfalls keine Seltenheit und in Deutschland wohl von niemandem so stark geprägt wie Franz Beckenbauer. Er war nach Ende seiner Spielerkarriere ab 1984 Teamchef der deutschen Nationalmannschaft und holte 1990 auch als Trainer den WM-Titel, den er 1974 als Spieler gewonnen hatte. Ebenso galt Beckenbauer, zumindest bis zu aktuellen Korruptionsvorwürfen, als einer der wichtigsten deutschen Fußball-Funktionäre. Als Vizepräsident des DFB und Leiter des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2006 war er maßgeblich für die Vergabe und Organisation der WM 2006 in Deutschland mitverantwortlich.

im Ausland weiterarbeiten

Die Karriere im Ausland ausklingen lassen Die Karriere im Ausland ausklingen lassen | Foto (Ausschnitt): © Vitaly Krivosheev - fotolia.com

Zum Ende der Profi-Laufbahn lässt sich bei vielen Stars eine Übergangsphase beobachten, in der sie die Karriere im Ausland ausklingen lassen. 2014 verließ der ehemalige Nationalspieler Manuel Friedrich die Bundesliga und unterschrieb einen Vertrag beim Mumbai City FC. Prominente wie Friedrich, der italienische Weltmeister Alessandro Del Piero oder Schwede Fredrik Ljungberg sollten im Land des Crickets dem Fußball den nötigen Schwung geben. „Durch die Cricket-Begeisterung der Inder hat es der Fußball dort schwer“, sagt Friedrich im Rückblick. „Aber die Leute, die ins Stadion gekommen sind, konnten wir schon begeistern.“ Beim Auftaktspiel waren das 70.000 Menschen. „Die Stimmung war richtig gut. Allerdings wird in diesen ovalen Cricket-Stadien gespielt, so dass der Abstand zu den Fans viel größer ist als in Fußballstadien. Für die Spieler ist das ungewohnt“, erinnert sich Friedrich. Inzwischen hat er sich aus dem Fußball zurückgezogen und absolviert seit 2017 eine Ausbildung zum Golf-Coach.

Durchstarten als Unternehmer

In der Spielergeneration der heute um die 30-Jährigen scheint die Karriere als Unternehmer immer beliebter zu werden. Erfolgreich ist dabei Simon Rolfes, der für Bayer Leverkusen und die Nationalmannschaft auflief. Er beendete 2014 mit 32 Jahren die aktive Laufbahn und gründete mit dem Finanzexperten Markus Elsässer eine Beratungsagentur für junge Leistungssportler. Gemeinsam übernahmen sie außerdem ein Unternehmen für Torlinientechnik. Auch der ehemalige Nationaltorwart René Adler, der 2016 ein Studium als zertifizierter Sportmanager mit Bestnote abschloss, plant bereits vor: Er ist beim Start-up für Torwarthandschuhe T1tan eingestiegen und betreibt in Hamburg eine Torwartakademie für Nachwuchstalente.

Weinbauer, Nachtklubbesitzer, Profi-Wrestler

Doch manche Ex-Profis beschreiten durchaus auch ganz andere Wege: Nico Patschinski (FC St. Pauli) war schon als Bestatter tätig und arbeitet heute als Busfahrer in Hamburg. Johan Micoud (Werder Bremen) baute Wein an, bis er den Fußball zu sehr vermisste. Heute ist er Präsident beim französischen Club AS Cannes. Der Nigerianer Jay-Jay Okocha (Eintracht Frankfurt) gründete einen Nachtclub in Lagos und Holger Stanislawski (FC St. Pauli) ist nicht nur TV-Experte für das ZDF, sondern auch Co-Inhaber eines Lebensmittelmarktes. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurden die Zweitkarriereversuche von Keeper Tim Wiese, der für Werder Bremen, die TSG Hoffenheim und auch als Nationaltorhüter im Tor stand. Er tauchte mit antrainierten Muskelbergen zunächst in diversen Promi-TV-Formaten auf, legte sich dann einen Lamborghini zu und absolvierte die Ausbildung zum Wrestler – eine Karriere, die er aber inzwischen wieder an den Nagel hängte.

Vorbereiten fÜr Plan B

Dass die Zeit nach der Karriere als aktiver Fußballer längst nicht immer so schillernd ist wie bei Tim Wiese, zeigt ein Projekt des Sportjournalisten Thorsten Schaar. Seit 2014 sammelt er auf dem Twitteraccount @Exprofis unter dem Motto Wo sind sie jetzt? Zweitkarrieren von Ex-Spielern, die oftmals wenig glamourös klingen: Leiter eines Versicherungsbüros, Inhaber eines Sportgeschäftes, Reittrainer. Im Interview sagte er einmal, es gehe nicht darum, ehemalige Stars zu entzaubern, sondern zu zeigen: Viele haben nach der Karriere nicht ausgesorgt, sondern gehen einem normalen Beruf nach. Damit dafür die Voraussetzungen stimmen, wird in den Nachwuchsleistungszentren der Vereine schon länger ein starker Fokus auch auf die schulische Ausbildung gelegt. Die Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) arbeitet zudem an der Aufklärung der Spieler über ihre Optionen nach Karriereende. Geschäftsführer Ulf Baranowsky gibt aktiven und werdenden Profis im Gespräch mit dem Online-Sportmagazin Spox drei goldene Regeln mit: Risiken – wie Spielunfähigkeit – absichern, ein Finanzpolster anlegen und schon in der Karriere an die Zeit danach denken. Denn: „Unvorbereitet und ohne Plan B in das neue Leben zu starten, ist aus unserer Erfahrung mit großen Risiken verbunden.“

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