Hyundai Card Cooking Library in Seoul
„Besinnung auf das Wesentliche“

Der Koch Kim Ho Yoon findet in der Hyundai Card Cooking Library Inspiration, sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Der Koch Kim Ho Yoon findet in der Hyundai Card Cooking Library Inspiration, sich auf das Wesentliche zu besinnen. | Foto: Minjee Kum

Kim Ho Yoon ist Chefkoch der Restaurants RIPE und ORZO in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Trotz seines hektischen Arbeitsalltags verbringt er regelmäßig Zeit in der Hyundai Card Cooking Library, denn die Bücher der Bibliothek helfen ihm, sich immer wieder auf das Wesentliche zu besinnen.

Die Eröffnung einer Spezialbibliothek für Kochbücher mitten in Gangnam war eine große Neuigkeit. Gastronomieleiter oder Köche wie ich müssen eine große Bandbreite von Kochbücher aus aller Welt lesen. Doch alle Kochbücher internationaler Verlage zu kaufen, wird auf die Dauer teuer, und sie untereinander auszuleihen, ist ziemlich unpraktisch. In normalen Bibliotheken wiederum ist das Angebot sehr lückenhaft. Selbst in Seouls wichtigstem Buchladen, dem Kyobo Bookstore in Gwanghwamun, sind ältere Bücher, die nicht mehr aufgelegt werden, meist vergriffen. All diese Bücher sollte es in der Hyundai Card Cooking Library nun geben – ich war begeistert! Das ging sicher nicht nur mir so, sondern allen, die sich fürs Kochen interessieren. 2017 war ich dann also das erste Mal hier.

Die Hyundai Card Cooking Library hat alle Preisträger der beiden wichtigsten internationalen Kochbuchpreise, der „James Beard Foundation Book Awards“ und der „IACP Cookbook Awards“, im Bestand.. Die Hyundai Card Cooking Library hat alle Preisträger der beiden wichtigsten internationalen Kochbuchpreise, der James Beard Foundation Book Awards und der IACP Cookbook Awards, im Bestand. | Foto: Minjee Kum Ich mag den Verlag Phaidon, aber seine Bücher sind in öffentlichen Bezirksbibliotheken nur schwer zu finden. In der Hyundai Card Cooking Library sind alle wirklich guten und berühmten Kochbücher verfügbar. Deswegen mache ich es zumindest alle paar Monate einmal möglich, hierher zu kommen, öfter schaffe ich es leider nicht. Wenn ich komme, verbringe ich zwei bis drei Stunden hier. Die Hyundai Card Cooking Library ist zwar nicht so ruhig wie andere Bibliotheken, aber dass man die Geräusche der Umgebung wahrnimmt, finde ich sogar angenehmer. Und die Raumaufteilung der Bibliothek ist gut gelungen.

Der Blick aus dem 1. Stock auf die Räume der Hyundai Card Cooking Library. Der Blick aus dem 1. Stock auf die Räume der Hyundai Card Cooking Library. | Foto: Hyundai Card Newsroom Ich lese hier vor allem ältere Kochbücher. Fachbücher aus Deutschland, Frankreich oder Spanien zum Thema Fleischverarbeitung, da sich diese in diesen Ländern historisch besonders weit entwickelt hat, oder Bücher, die bestimmte Zutaten vorstellen. Ich mag auch essayistische Bücher, die die Esskultur im Kontext des Lebens der Menschen betrachten, und Bücher über die Traditionen und die Geschichte einzelner Länder. Essen ist eine Kultur für sich. Nur wenn man die alten Traditionen kennt, kann man sein Kochen verbessern. Wenn man in den alten Gebräuchen das Wesentliche findet und versteht, hilft das dabei, den eigenen Stil zu festigen. Korea verändert sich in allen Bereichen unglaublich schnell. Umso wichtiger ist es, nicht jedem Trend nachzurennen und beständig seinen eigenen Stil weiterzuentwickeln.

Kim Ho Yoon freut sich, dass er in der Hyundai Card Cooking Library seltene Kochbücher lesen kann. Kim Ho Yoon freut sich, dass er in der Hyundai Card Cooking Library seltene Kochbücher lesen kann. | Foto: Minjee Kum Einmal habe ich hier ein Buch zur Soßenzubereitung in vergangenen Zeiten gefunden. Früher wurde in Europa viel Wild gegessen. Die Soßenkultur entwickelte sich aus der Notwendigkeit, dessen starken Geruch zu verdecken. Heute riecht Fleisch nicht mehr so streng, und dementsprechend hat sich die Zeit für die Soßenzubereitung verkürzt und die Methode vereinfacht. Für mich waren die alten Methoden sehr interessant. Heute kocht man keine Soße länger als einen Tag, früher konnten es sogar drei Tage sein! Die Soßen enthielten früher auch viel Wein, und wenn sie lange gekocht wurden, schmeckten sie dann sehr intensiv. Beim Lesen des Buches habe ich vieles, was mir meine Lehrer beigebracht hatten, auf einer neuen Ebene verstanden. Ohne die Hyundai Card Cooking Library wäre ich wohl nie auf dieses Buch gestoßen.

Die Außenansicht der Hyundai Card Cooking Library Die Außenansicht der Hyundai Card Cooking Library | Foto: Hyundai Card Newsroom Ich nehme das, was ich in den alten Büchern lese, zwar nicht eins zu eins in meine Küche auf, aber es verändert meine Einstellung. Ich werde etwas gelassener und gefestigter in meiner Überzeugung, auch in einer sich schnell verändernden Umgebung stets mein Ziel vor Augen zu haben und nicht von meinem Weg abzukommen. Durch die alten Traditionen kann ich mich wieder aufs Wesentliche zurückbesinnen.

Ich gebe hier in der Cooking Library auch selbst Kochkurse. Das Besondere an den Kochkursen hier ist die maximale Teilnehmerzahl von acht Personen. Bei Kochkursen in Kaufhäusern sind es meist 20 bis 30 Teilnehmer, wenn ich nur vorkoche, können es auch mal 200 bis 300 Teilnehmer sein. Aufgrund der kleinen Gruppe kann man hier im Unterricht mit allen direkt kommunizieren, das gefällt mir. 2018 habe ich verschiedene Fleischgerichte durchgenommen, heute geht es um Italienische Küche gemeinsam mit dem passenden Sekt. Ich werde den Sekt eines Produzenten in meinem Alter vorstellen, und diesen dann mit gereiftem Fleisch, Hummer und Pasta kombinieren.

In der Hyundai Card Cooking Library finden auch Kochkurse statt. In der Hyundai Card Cooking Library finden auch Kochkurse statt. | Foto: Hyundai Card Newsroom Dass eine solche Bibliothek eröffnet wurde, ist meines Erachtens auf das gestiegene Interesse der Koreaner an der Esskultur zurückzuführen. Früher haben viele Menschen Essen keine große Beachtung geschenkt. Man hat gegessen, was auf den Tisch kam. Doch heute hat sich um das Essen an sich eine ganze Kultur entwickelt. Vor 10, 15 Jahren gab es in Seoul nur sehr wenige gehobene Restaurants im westlichen Sinne, heute sind sie in jedem Stadtteil zu finden, sogar in den Universitätsvierteln. Ich möchte mich vor diesem Hintergrund auf ein koreanisches Mehrgängemenü mit einem Schwerpunkt auf koreanischem Rind spezialisieren. Dafür lerne ich in der Cooking Library über Geschichte und Esskultur.

Mit Hilfe der Bücher in der Cooking Library vertieft Kim Ho Yoon seine Kochkenntnisse. Mit Hilfe der Bücher in der Cooking Library vertieft Kim Ho Yoon seine Kochkenntnisse. | Foto: Minjee Kum


Die Hyundai Card Cooking Library (현대카드 쿠킹라이브러리) ist die vierte Bibliothek der Hyundai Card Libraries und spricht die fünf Sinne wie auch den Wissensdurst ihrer Besucher an. Im Erdgeschoss befinden sich ein Deli und eine offene Küche. Besucher können hier die Herstellung von Brot und anderen Gerichten erleben und sie auch probieren. Im ersten Stock befinden sich rund 10.000 Bücher, darunter die Preisträger renommierter Kochbuchpreise, Kochzeitschriften und Klassiker. Im sogenannten Zutatenhaus in der Mitte der Bücherregale im ersten Stock kann man 190 Gewürze, Kräuter, Salze und Öle kennenlernen. Im zweiten und dritten Stock gibt es außerdem noch zwei Küchen, in denen Kochkurse angeboten werden.

Kim Ho Yoon (김호윤) ist Chefkoch des Restaurants RIPE und der Osteria ORZO in Seoul. Er hat an der Universität Koreanische Küche studiert und im Hilton Hotel seine Karriere als Koch begonnen. Später war er Koch in dem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten französischen Restaurant Soigné. Er tritt auch in verschiedenen Fernsehprogrammen auf, unter anderem beim koreanischen Lifestyle-Kanal Olive.