Ansan Multi-Cultural Small Library
„Ich bin hier gewachsen”

Park Yeongsuk hat in der Ansan Multi-Cultural Small Library viel dazugelernt.
Park Yeongsuk hat in der Ansan Multi-Cultural Small Library viel dazugelernt. | Foto: Minjee Kum

Park Yeongsuk kommt ursprünglich aus China. Inzwischen hat sie keine Scheu mehr vor unerwarteten Herausforderungen. Denn in der Ansan Multi-Cultural Small Library hat sie kleine und große Erfolge erlebt und an Selbstvertrauen gewonnen.

Ich komme aus China und bin im Jahr 2000 nach Korea gekommen. Seit 2014 arbeite ich als Dozentin im World Culture Experience Center der Stadt Ansan, wo ich Besuchern die chinesische Kultur näherbringe. Mein Arbeitsplatz liegt ganz in der Nähe der Ansan Multi-Cultural Small Library, und so bin ich erstmals hierher gekommen. Ich musste mehr über die chinesische Kultur lernen, um sie den Besuchern gut erklären zu können, und habe chinesische Märchenbücher für Kinder ausgeliehen. Hier findet man Bücher aus 24 Ländern sowie Zeitungen, Zeitschriften und DVDs. Die Bibliothek hat auch mehr als 2.000 chinesische Bücher, was mir viel geholfen hat. Es ist nicht leicht, in Korea ein so vielfältiges Angebot an chinesischen Büchern zu finden.

Die Ansan Multi-Cultural Small Library hat mehr als 2.000 chinesischsprachige Bücher im Bestand. Die Ansan Multi-Cultural Small Library hat mehr als 2.000 chinesischsprachige Bücher im Bestand. | Foto: Minjee Kum Aber ich habe schnell gemerkt, dass es hier mehr gibt als nur Bücher zum Ausleihen. Es gibt hier viele verschiedene Clubs und Lesekreise für die internationalen Nutzerinnen und Nutzer. Die Bibliothek ist mit knapp 75 qm recht klein, aber sie macht so viel wie eine große Bibliothek. Durch die Programme habe ich ganz leicht Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennengelernt und bin mit ihnen zusammengewachsen.

Im Zentrum der Ansan Multi-Cultural Small Library steht das engmaschige Netzwerk aus Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen. Im Zentrum der Ansan Multi-Cultural Small Library steht das engmaschige Netzwerk aus Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen. | Foto: Minjee Kum Seit 2015 bin ich oft in der Bibliothek, da machte ich erstmals in einem Club für Märchenerzählen mit Zaubern mit. Beim Märchenerzählen mit Zaubern wird nicht nur ein Märchen erzählt, sondern eben auch noch gezaubert. Wenn in der Geschichte zum Beispiel von einer Blume die Rede ist, macht es einen Knall und aus dem Zauberstab wachsen Blütenblätter. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich auch nach Ende des Unterrichts mit den anderen Mitgliedern jeden Tag in der Bibliothek getroffen und Vorführungen vorbereitet habe. Die haben wir dann bei Buchfestivals und in anderen Bibliotheken aufgeführt. Als ich in meinem Beruf als Kulturdozentin anfing, war ich zunächst sehr unsicher. Ich begegne dort sehr verschiedenen Menschen, von Kindergartenkindern bis zu Erwachsenen, und ich wusste nicht wie ich mit ihnen jeweils umgehen sollte. Aber durch das Märchenerzählen gewann ich viel an Selbstbewusstsein.

Es gibt in der Bibliothek elf Clubs, ich bin in fünf von ihnen aktiv. Am liebsten habe ich einen Club mit dem Namen „Dadada Saessak“, in dem sich vielfältige Menschen mit vielfältigen kulturellen Hintergründen treffen. Wir lesen dort mit den Mitgliedern aus neun Ländern Bilderbücher und beschäftigen uns dann auf vielfältige Art und Weise mit den Büchern. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Stickprojekt, bei dem wir Covers von Büchern gestickt haben. Unsere Werke wurden dann nicht nur in unserer Bibliothek, sondern auch in anderen Bibliotheken und Buchläden ausgestellt.

In einer Ecke der Bibliothek sind die Stickereien des Lesekreises „Dadada Saessak“ ausgestellt. In einer Ecke der Bibliothek sind die Stickereien des Lesekreises „Dadada Saessak“ ausgestellt. | Foto: Minjee Kum In letzter Zeit bin ich vor allem stolz auf unseren „Globalen Gebärdesprachchor“. Im Frühjahr 2017 erzählte ein Teilnehmer bei unserer freitäglichen Versammlung in der Bibliothek, dass er bei einer der Kerzenlichtdemonstrationen gesehen habe, wie ein Gebärdendolmetscher ein Lied live dolmetschte. Das hatte ihn sehr beeindruckt, und er schlug vor, dass wir das auch lernen sollten. Und so wurde im Sommer 2018 mit Mitgliedern aus sechs Ländern der „Globale Gebärdesprachchor“ gegründet. Im gleichen Jahr gewannen wir beim Gebärdesprachwettbewerb der Gyeonggi-Provinz einen Nachwuchspreis und bei dem Wettbewerb der Stadt Ansan den ersten Preis. Dieses Jahr sind auch Kinder mit dabei, was es noch schöner macht. Es hat sich nämlich ein Kinderchor namens „Blühende Cosmea“ gegründet. Mit unserem gemeinsam Auftritt haben wir beim Gebärdensprachwettbewerb der Gyeonggi-Provinz dieses Jahr Bronze gewonnen. Das war ein tolles Gefühl, wir waren sehr stolz. Auch jetzt treten wir nicht nur in Ansan, sondern auch in Seoul regelmäßig an verschiedenen Orten auf.

Der „Globale Gebärdensprachchor“ ist aus der Ansan Multi-Cultural Small Library hervorgegangen und hat bereits bei mehreren Wettbewerben Preise gewonnen. Der „Globale Gebärdensprachchor“ ist aus der Ansan Multi-Cultural Small Library hervorgegangen und hat bereits bei mehreren Wettbewerben Preise gewonnen. | Foto: Ansan Multi-Cultural Small Library Und das ist noch nicht alles! 2016 habe ich in der Bibliothek an einem Kurs mit dem Titel „Her Story Media“ teilgenommen, bei dem wir Filme zu den Lebensgeschichten von Frauen gemacht und dabei Videoproduktion gelernt haben. Seitdem produziere ich regelmäßig Videos und war auch ein Jahr als eine sogenannte „Dream Creator“ der Gyeonggi-Provinz aktiv. Dieses Jahr haben wir mit den Bibliothekar*innen der Bibliothek zusammen einen YouTube-Kanal namens „Geungeuni TV“ gegründet. Es handelt sich um sogenanntes Food TV, aber um multikulturelles Food TV! Wir besuchen Restaurants mit Essen aus aller Welt und lernen beim Essen über die Kultur und die Tischettikette des Landes.

Dass ich in der Ansan Multi-Cultural Library so aktiv bin, liegt daran, dass ich hier immer das Gefühl habe zu lernen und zu wachsen - egal was ich mache. Die Bibliothekar*innen fragen auch immer nach unserer Meinung, wenn sie ein neues Programm planen. So entsteht bei uns von Beginn an ein Gefühl von Ownership, wir machen mit, und wir machen auch noch weiter, nachdem das offizielle Programm vorbei ist. Ein Beispiel dafür sind auch die „globalen Ehrenbibliothekar*innen“, die mit über Neuanschaffungen bei den Büchern entscheiden können. Ich gehöre auch dazu, und tatsächlich sind die von uns ausgewählten Bücher bei den Nutzerinnen und Nutzern sehr beliebt.

Die globalen Ehrenbibliothekar*innen der Ansan Multi-Cultural Small Library Die globalen Ehrenbibliothekar*innen der Ansan Multi-Cultural Small Library | Foto: Ansan Multi-Cultural Small Library Was sich am meisten verändert hat, seit ich in die Ansan Multi-Cultural Small Library komme... Wenn jemand zu mir kommt und mich fragt, ob ich etwas tun kann, dann kann ich ohne zu zögern „ja“ sagen. Das ist ein Zeichen dafür, wie viel Selbstbewusstsein ich gewonnen habe. Nachdem ich hier so viele verschiedene Dinge bewältigt habe, fürchte ich mich vor nichts mehr. Alleine hätte ich es nicht soweit geschafft. Die Mitarbeiter*innen und die vielen Menschen, die ich über die Bibliothek kennengelernt habe, haben mir viel Kraft gegeben. Manchmal kommen wir mir wie eine große Familie vor. Eine große Familie, die aus allen Teilen der Welt kommt. Die Ansan Multi-Cultural Small Library ist für mich eine zweite Familie geworden.

Der Eingang der Ansan Multi-Cultural Small Library Der Eingang der Ansan Multi-Cultural Small Library | Foto: Minjee Kum

Die Ansan Multi-Cultural Small Library (안산다문화작은도서관) wurde im Oktober 2008 von der Stadt Ansan im Untergeschoss der Ansan Multicultural Support Headquarters für die in Ansan lebenden Ausländer eingerichtet. Sie war die erste „Small Library“ Koreas, die sich auf einen multikulturellen Ansatz spezialisierte. Mit 75 qm ist sie zwar recht klein, hat aber mit 12.000 Büchern in 24 Sprachen den größten Bestand aller multikulturellen Bibliotheken Südkoreas. Außerdem bietet sie jederzeit Zugang zu DVDs, Zeitungen und Zeitschriften sowie Contents (Übersetzungen, Anthologien, Videos), die von Nutzer*innen der Bibliothek im Rahmen der vielfältigen Programme erstellt wurden. In der kleinen Bibliothek gibt es mit elf Clubs und 55 Lesekreisen ein reges Engagement der Nutzer. Täglich nutzen ungefähr 100 Menschen die Bibliothek, 90 % davon sind Ausländer, die aus 80 verschiedenen Ländern kommen.

Park Yeongsuk (박영숙) wurde in China geboren und kam 2000 nach Korea. Seit 2014 arbeitet sie als Kulturdozentin beim Ansan World Culture Experience Center (안산시세계문화체험관) und bringt den Besuchern die chinesische Kultur näher.