Korean Film Archive in Seoul
„Hier habe ich meine Leidenschaft für Filme entdeckt“

In der Korean Film Archive Library fühlt sich Donghun Lee wieder wie ein einfacher Filmfan.
In der Korean Film Archive Library fühlt sich Donghun Lee wieder wie ein einfacher Filmfan. | Foto: Minjee Kum

Wenn Donghun Lee das Korean Film Archive besucht, fühlt er sich in die Anfangszeit seiner Filmbegeisterung zurückversetzt. Er schaut in der Bibliothek des Archivs Filme, liest Bücher oder sieht sich Ausstellungen an und tankt so wieder Energie. Diese hilft ihm, bei seiner Arbeit in der Filmbranche die Motivation zu bewahren.

Zum ersten Mal war ich in der High School im Korean Film Archive (KOFA). Ich wohnte in der Nähe, und als Schüler waren Kinotickets oft zu teuer für mich. Hier konnte man kostenlos Filme sehen, das hat mich angezogen. Die erste Filmreihe, die ich damals sah, war eine Retrospektive zum 100-jährigen Geburtstag des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich alte Filme sah, aber danach war ich ein Fan von Akira Kurosawa. Und kam während der High School fast jeden Nachmittag nach der Schule ins KOFA.

Die kostenlosen Filmvorführungen in der Cinematheque KOFA haben Donghun Lee ins KOFA gelockt. Dann wurde er Stammgast in der Bibliothek im 1. Stock. Die kostenlosen Filmvorführungen in der Cinematheque KOFA haben Donghun Lee ins KOFA gelockt. Dann wurde er Stammgast in der Bibliothek im 1. Stock. | Foto: Minjee Kum Die Hauptaufgabe des KOFA ist das Sammeln und Bewahren von Filmen, man findet hier daher auch Filme, die sonst nur schwer zu beschaffen sind. Im 1. Obergeschoss gibt es eine Filmbibliothek, wo man Filme auf DVD anschauen kann, Bücher zu Filmthemen findet und Musik hören kann. Dort habe ich nach Lust und Laune Filme angeschaut, nach Drehbüchern recherchiert oder mich zwischendurch aufs Sofa gesetzt und Soundtracks gehört. Im 1. Untergeschoss gibt es die Cinematheque KOFA mit drei Kinosälen, wo man regelmäßig bei Filmreihen Filme sehen kann. Angesichts dieses vielfältigen Angebots bin ich oft hier gewesen und habe dadurch ganz einfach immer mehr über Filme gelernt. Ich habe durch die große Bandbreite der Filme, die ich hier sehen konnte, viel Erfahrung gesammelt und dann nach Abschluss der High School ein Filmstudium aufgenommen. Kurz vor Abschluss des Studiums bekam ich einen Job in der Requisite des Films „Illang: The Wolf Brigade“ und arbeite seitdem im Filmdreh.

Zuletzt habe ich mir die frühen Werke von Steven Spielberg angeschaut. Zum Beispiel seinen ersten Spielfilm „Duell“ oder „Das Reich der Sonne“. Alte Filme helfen mir sehr bei der Arbeit. Viele suchen zunächst nach aktuellen Filmen, wenn sie auf der Suche nach Inspiration sind, aber das macht neue Idee weniger wahrscheinlich. Ich entdecke neue und originelle Dinge viel eher in Filmen, die einige Jahrzehnte alt sind. Eine der Requisiten, die mir aus Steven Spielbergs Filmen in Erinnerungen geblieben sind, ist der Heilige Grahl aus „Indiana Jones“. Dieser Kelch ist untrennbar mit dem Film verbunden. Der nächste Film, bei dem ich mitarbeite, ist ein Historienfilm, daher werde ich mir für eine Weile wohl vor allem Historienfilme anschauen.

In der Filmbibliothek kann man sich den gewünschten Film ganz einfach auf DVD anschauen. In der Filmbibliothek kann man sich den gewünschten Film ganz einfach auf DVD anschauen. | Foto: Minjee Kum Das KOFA ist der einzige Ort in Korea, wo man alte und neue Filme in der gesamten Bandbreite sehen kann. Vor einiger Zeit war ich in Frankreich, wo es mit der Cinémathèque française eine ähnliche Institution wie das KOFA gibt. Ich hatte erwartet, dass dort alles viel besser ist, aber nach dem Besuch fand ich das KOFA für mich ehrlich gesagt angenehmer. Ein Unterschied war vielleicht, dass sich in Frankreich vor allem ältere Menschen unabhängige Filme und Arthouse-Filme anschauen, in Korea ist das eher die junge Generation.

In der Cinematheque KOFA werden unabhängige und Arthouse-Filme gezeigt, es werden aber auch verschiedene Filmreihen organisiert. Insbesondere gibt es einmal im Jahr eine große Filmreihe, bei der man die Filme eines Regisseurs gesammelt erleben kann. In der Vergangenheit gab es zum Beispiel Filmreihen mit den Werken von Im Kwon-taek oder Hong Sang-soo. Die verpasse ich nie. Und es werden nicht nur Filme gezeigt, sondern auch Regisseure und Schauspieler zu Publikumsgesprächen eingeladen. Vor einiger Zeit waren der Regisseur Park Chan-wook und der Schauspieler Jung Woo-sung da. Ich finde es toll, dass man hier über die Zeit so viele bekannte Filmemacher*innen erleben kann. Es ist auch immer spannend, von Regisseuren Anekdoten aus dem Produktionsprozess zu hören.

Wenn man beim Film arbeitet, rutscht man leicht in bestimmte Routinen rein. Aber wenn ich hierher komme, erwacht wieder meine Begeisterung aus der Zeit, wo ich einfach nur Filmliebhaber war. Ich glaube, das liegt daran, dass hier der Ort ist, an dem ich meine Leidenschaft für Filme zuerst entdeckte. Ich erinnere mich daran, wie ich früher bei Filmen vor Aufregung Herzklopfen bekam, und das weckt wieder meine ursprüngliche Motivation, nämlich gute Filme machen zu wollen. Die Erschöpfung, die ich bei der Arbeit vielleicht verspürte, verfliegt und ich bekomme wieder positive Energie.

In der Bibliothek des KOFA findet man auch vielfältige Sekundärliteratur und Periodika. In der Bibliothek des KOFA findet man auch vielfältige Sekundärliteratur und Periodika. | Foto: Minjee Kum Wenn ich nicht viel Zeit habe, nutze natürlich auch ich Onlineplattformen wie Netflix zum Filmschauen. Aber da passiert es mir oft, dass ich zwischendurch unterbreche, Teile überspringe und dann letztlich den Film nicht zu Ende schaue. Hier schaue ich Filme ohne Ausnahme zu Ende. Und es gefällt mir, dass es hier so viele Möglichkeiten gibt, den Kopf wieder freizukommen. Wenn man zu viel Filme geschaut hat, kann man lesen, oder man sieht sich im Museum im Erdgeschoss eine Ausstellung. Und natürlich kann man in der Cinematheqe im Untergeschoss Filme auf der Leinwand sehen. Für mich ist das hier mein Traumspielplatz, wie ein Disneyland! Ohne Freude an der Arbeit würde es mir schwerfallen, weiter in der Branche zu bleiben. Aber wenn ich gelegentlich hierherkomme und mich austobe, kommt die Freude immer wieder zurück.

Vor kurzem wurden die KOFIC Namyangju Filmstudios geschlossen, und die Kulissen, Requisitenkammern und viele andere Produktionseinrichtungen sind von einem Tag auf den anderen verschwunden. Diese Nachricht hat mir die Bedeutung des KOFA noch einmal vor Augen geführt. Die Bedeutung dessen, dass jemand Filme zusammenträgt, sie bewahrt, und sie auch immer wieder zeigt, ist nicht zu unterschätzen. Es ist für jeden wichtig, dass es einen Ort gibt, an dem die eigenen Erinnerungen bewahrt werden. Ich wünsche mir, dass das KOFA diese Aufgabe noch lange erfüllen kann.
 

Die Bibliothek befindet sich gemeinsam mit der Cinematheque KOFA und dem Filmmuseum im KOFA-Gebädue im Seouler Stadtteil Sangam-dong. Die Bibliothek befindet sich gemeinsam mit der Cinematheque KOFA und dem Filmmuseum im KOFA-Gebädue im Seouler Stadtteil Sangam-dong. | Foto: Minjee Kum Die Bibliothek des Korean Film Archive (한국영상자료원 영상도서관) wurde 2007 im 1. Obergeschoss des KOFA im Seouler Stadtteil Sangam eingerichtet und ist eine Spezialbibliothek für Film. An Bildschirmplätzen für ein bis zwei Personen oder in Kabinen für drei bis acht Personen kann man alle in Korea veröffentlichten Filme auf Bluray, DVD oder VHS anschauen. Außerdem werden Bücher und Periodika zum Thema Film, Originaldrehbücher, Poster und Standfotos sowie Unterlagen der Filmprüfung zugänglich gemacht, und es gibt Plätze zum Anhören von Soundtracks aus dem In- und Ausland. Das Korean Film Archive ist aus dem 1974 gegründeten Korean Film Depository hervorgegangen und ist eine staatliche Organisation, die wichtige Materialien zum koreanischen Film sammelt und bewahrt. Am Hauptsitz im Seouler Sangam-dong gibt es neben der Bibliothek das Programmkino Cinematheque KOFA und Südkoreas einziges Filmmuseum. In Paju gibt es zudem ein Zentrum für die Filmrestaurierung.

Donghun Lee (이동헌) hat Film studiert und arbeitet seit 2017 in der Requisite für Filmproduktionen. Derzeit ist er beim Requisitenverleih The Prop beschäftigt.