Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Leipzig
Von einer grauen zu einer farbenfrohen Stadt

Leipzig Innenstadt
Eine bewegte Geschichte: Leipzig vereint verschiedene architektonische Stile in sich. | Foto (Detail): Jung Taeg Oah © Leipzig Project

Leipzig blickt auf eine bewegte Geschichte – und in eine spannende Zukunft. Denn die Stadt im Osten Deutschlands, die auch „Hypezig“ genannt wird, hat sich nach der Wiedervereinigung neu erfunden – und vereint in sich Innovationsfreude und Traditionsbewusstsein.

Von Jung Taeg Oah

Leipzig, eine der bedeutendsten Städte in der ehemaligen DDR, hat sich seit der Wiedervereinigung Deutschlands stark verändert und weiterentwickelt. Dabei konnte man an der geschichtlichen Vergangenheit und an Traditionen festhalten und gleichzeitig neue Ideen realisieren. Trotz der anhaltenden Vorbehalte gegenüber Gebieten aus der ehemaligen DDR hat sich Leipzig zu einer attraktiven Stadt entwickelt. Blickt man heute auf die Stadt Leipzig, versteht man, was seit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren in Ostdeutschland passiert ist.
 
Johann Wolfgang von Goethe, der Leipzig den Spitznamen „Klein-Paris“ gab, studierte an der Universität Leipzig – und schwärmte von seinem damaligen Leben. In seiner Autobiografie Poesie und Wahrheit heißt es, dass es kein größeres Glück gäbe, als in einer Stadt mit Intellektuellen zusammenzuleben und sich auszutauschen, die im Geiste wie im Herzen gleichgesinnt seien. Leipzig bildete bis Anfang des 20. Jahrhunderts eines der größten Zentren der Bildung, des Handels und der Kultur. Nach der Teilung Deutschlands in Ost und West erlebte die Stadt jedoch den Untergang des ostdeutschen sozialistischen Systems. Nach der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland beschrieb der einzige Koreaner, der damals in Leipzig lebte, die Stadt als eine „graue Stadt“, umgeben von einer bedrückenden und düsteren Atmosphäre. Leipzig und auch die anderen Gebiete aus der ehemaligen DDR werden auch heute noch – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung – von vielen Menschen in Westdeutschland als düster und gefährlich wahrgenommen. Doch dieser Eindruck trügt, hat sich die Stadt längst von dem 'grauen Schleier der Vergangenheit' gelöst und wieder den einstigen Charme zurückerlangt. Jüngst wurde Leipzig zur „Stadt mit dem schnellsten Bevölkerungswachstum“ und „Stadt mit einer hohen Lebensqualität“ oder auch „Stadt der jungen Menschen“ gekürt. Man meint sogar, dass Leipzig dem angesagten Berlin aus vergangenen Zeiten ähnelt und so entstanden für Leipzig neue Spitznamen wie „Das neue Berlin“ oder „Hypezig“.

Leipzig, ein Ort im Gedenken an die Wiedervereinigung

Oper Leipzig사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Die Einkehr des Alltags auf dem Augustusplatz

Während der Friedlichen Revolution im Jahr 1989 demonstrierten die Bürger*innen von Leipzig zu Tausenden auf dem Augustusplatz gegen das ostdeutsche Regime und forderten Freiheit und Demokratie, was schließlich zur Wiedervereinigung führte. Der Augustusplatz galt lange als ein Symbol für den Niedergang der ostdeutschen Gesellschaft und dem innigen Wunsch nach Veränderung. Mittlerweile sind dort der alltägliche Frieden und das Leben wieder eingekehrt. Auf dem Platz finden zu allen Jahreszeiten Stadtfeste und Veranstaltungen für die Bürger*innen statt. Wöchentlich gibt es außerdem einen traditionellen Markt, der zahlreiche Besucher*innen anzieht.
Schauplätze der Wiedervereinigung사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Leipzig - Schauplätze der Wiedervereinigung

Auf den Straßen von Leipzig sind viele Installationen mit Fotografien und Texten zu sehen, die die Friedliche Revolution sowie den Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands von 1989 dokumentieren. Wenn man als Besucher*in in Leipzig ist, kann man entlang der Installationen spazieren gehen und die wichtigsten Schauplätze der damaligen Zeit entdecken. Die Fotos auf den Installationen lassen erahnen, wie viele Menschen 1989 an den Straßenprotesten teilgenommen haben. Außerdem stellt die Dokumentation der historisch bedeutsamen Stätten, die in der ganzen Stadt verteilt sind, eine gute Möglichkeit dar, den nachfolgenden Generationen die Geschichte der Wiedervereinigung Deutschlands auf leichte Weise zu vermitteln.
 Die Nikolaikirche in Leipzig.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Die Nikolaikirche – die ersten Schritte zur Wiedervereinigung

In den späten 1980er Jahren, als das ostdeutsche Regime ins Wanken geriet, versammelten sich die Bürger*innen von Leipzig und hielten jeden Montag in der Nikolaikirche Friedensgebete ab. Am 9. Oktober 1989 gingen im Anschluss an das Friedensgebet die Menschen auf die Straße. Viele Bürger*innen schlossen sich dem Zug an – so entstand eine Großdemonstration. Die friedlichen Demonstrationen in Leipzig breiteten sich wie ein Lauffeuer auch in anderen Teilen der DDR aus. Einen Monat später, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. Am 3. Oktober 1990 wurde die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland offiziell erklärt. Wahrscheinlich hätten die Menschen, die an jenem Tag von der Nikolaikirche auf die Straße gingen, nicht im Traum daran gedacht, dass so der Weg zur deutschen Wiedervereinigung aussehen würde. Auf dem Nikolaikirchhof steht die Nikolaisäule, ein Denkmal für die Friedliche Revolution 1989, die größtenteils durch Spenden der Bürger*innen errichtet wurde.
 
Zeitgeschichtliches Forum in Leipzig.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig - auf den Spuren der Geschichte

Es gibt drei Museen, die an das geteilte Deutschland und die Geschichte der Wiedervereinigung erinnern. Sie befinden sich in Bonn, Berlin und Leipzig. Hier kann man das Leben in der DDR und die historischen Ereignisse auf einen Blick sehen. Vor dem „Zeitgeschichtlichen Forum“ in Leipzig steht die Bronzeskulptur „Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer, einem repräsentativen DDR-Künstler. Sein Kunstwerk enthält eine kritische Botschaft über das 20. Jahrhundert, das unter dem Banner des Nationalsozialismus und des Sozialismus stand. Die Veröffentlichung seiner Skulptur im Jahr 1985 rief in Ostdeutschland große politische Kontroversen hervor. Einerseits komprimiert das Kunstwerk die deutsche Moderne, anderseits regt es zum Nachdenken darüber an, wonach wir im 21. Jahrhundert streben.
Das Lichtfest in Leipzig erinnert an die friedliche Revolution von 1989.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Das Lichtfest im Zeichen des Friedens

Seit der deutschen Wiedervereinigung findet jedes Jahr in Leipzig das Lichtfest statt. Es erinnert an die Friedliche Revolution von 1989. Alle Bürger*innen zünden eine Kerze an, halten sie in der Hand und versammeln sich auf dem Augustusplatz. Das Lichtfest ist eine Veranstaltung von großer Bedeutung, die viele Generationen an einem Ort vereint, der Friedlichen Revolution sowie der Wiedervereinigung gedenkt und bei der gemeinsam für den Weltfrieden gebetet wird.

Vom Joch der Ideologie befreit

Die Universität Leipzig wurde 1409 gegründet.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Universität Leipzig – Zurück zum ursprünglichen Namen

Gegründet im Jahr 1409 ist die Universität Leipzig die zweitälteste Universität in Deutschland. Für ihre große Tradition stehen bedeutende deutsche Persönlichkeiten wie Leibniz, Goethe, Wagner, Nietzsche, Schumann und Angela Merkel sowie 30 Nobelpreisträger. Während des DDR-Regimes wurde die Universität Leipzig in „Carl-Marx-Universität“ umbenannt und fungierte als zentrale Universität zur Förderung von Talenten im ostdeutschen sozialistischen System. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erhielt sie ihren ursprünglichen Namen zurück. Das alte, sozialistische Hauptgebäude wurde rekonstruiert und 2012 neu gestaltet. Die Hochschule sieht sich als „moderne Universität mit Tradition“ und versucht ihren früheren Ruhm wiederzuerlangen.
Die Universitätskirche St. Pauli wurde 1968 auf Anordnung des ostdeutschen Regimes gesprengt und völlig zerstört 사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Universitätskirche St. Pauli – Zerstörung durch Ideologie

Die Universitätskirche St. Pauli wurde 1968 auf Anordnung des ostdeutschen Regimes gesprengt und völlig zerstört – sie passte nicht zur sozialistischen Ideologie der damaligen „Carl-Marx-Universität“. An ihre Stelle trat ein neues sozialistisches Gebäude mit einer riesigen Karl-Marx-Statue. Heute steht hier das Paulinum, ein moderner Neubau ohne Karl-Marx-Statue, der in seiner Architektur Elemente der ehemaligen Kirche aufgreift und neu interpretiert. Nach Gesprächen mit den Bürger*innen einigte man sich darauf, das Gebäude sowohl als Auditorium der Universität Leipzig als auch als Universitätskirche zu nutzen.
 
Vor einigen Jahren starteten die Universitäten in Ostdeutschland eine Kampagne mit dem Titel „Studieren in Fernost“, mit dem Ziel, insbesondere westdeutsche Schüler*innen für ein Studium an einer ostdeutschen Hochschule zu begeistern사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Studieren in Fernost?

Vor einigen Jahren starteten die Universitäten in Ostdeutschland eine Kampagne mit dem Titel „Studieren in Fernost“. Ziel war es, insbesondere westdeutsche Schüler*innen für ein Studium an einer ostdeutschen Hochschule zu begeistern. Dabei spielt der Begriff „Fernost“ darauf an, dass Westdeutsche gegenüber den ostdeutschen Ländern immer noch eine subjektive Distanz empfinden. Dank der Kampagne steigt die Zahl der Studierenden aus westdeutschen Gebieten an der Universität Leipzig und an anderen ostdeutschen Universitäten allmählich an. Allerdings gibt es immer noch wesentlich mehr Studierende aus Ostdeutschland an westdeutschen Hochschulen. Bis der persönliche Austausch zwischen Ost- und Westdeutschland einigermaßen ausgeglichen ist, braucht es wohl noch einige Zeit. Nichtsdestotrotz sind die meisten Studierenden, die aus Westdeutschland nach Leipzig gekommen sind, sehr zufrieden. Universitätseinrichtungen wie Hörsäle, Bibliotheken und Studentenwohnheime, die lange Tradition der Universität, die niedrigen Lebenshaltungskosten, das reichhaltige Kulturangebot sowie das helle, saubere Stadtbild werden am häufigsten als positive Aspekte genannt.

Auf Zeitreise in Leipzig

Ein Streifzug durch Leipzigs Straßen.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Ein Streifzug durch die Zeit

Ein Spaziergang durch die Straßen der Leipziger Innenstadt fühlt sich an, als würde man eine Zeitreise zwischen Vergangenheit und Gegenwart machen: Das Stadtbild zeichnet sich durch mittelalterliche Bauten, Bauwerken aus DDR-Zeiten und moderner Architektur aus. Antike, mittelalterliche Gebäude mit wunderschönen Verzierungen, streichholzschachtelartige, einfache und nüchterne Gebäude aus der ehemaligen DDR, Gebäude aus der Zeit nach der Wiedervereinigung in moderner Eleganz – sie alle bilden eine sonderbare Harmonie. Es scheint, als würde die Stadt ihre ereignisreiche Vergangenheit auf diese Weise in sich vereinigen.
 
Die Leipziger Notenspur kombiniert Musik und Stadterkundung.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Entlang der Notenspur

Schlendert man durch die Innenstadt von Leipzig, so sieht man häufig metallene Markierungen im Straßenpflaster. Sie gehören zur sogenannten Leipziger Notenspur. Dieser Spaziergang kombiniert Musik und Stadterkundung: Man passiert Wirkungsstätten berühmter Komponisten und kann somit Musikgeschichte erleben. Die Notenspur lädt also zu einer musikalischen Reise ein, in der man auf Komponist*innen wie Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn, Robert und Clara Schumann, Richard Wagner und Gustav Mahler trifft. Die verschiedenen Stationen der Notenspur können auch einfach über eine App vom Smartphone abgerufen werden. Mittels der Audiodateien man kann sogar der Musik des jeweiligen Komponisten vor seinem Geburtshaus lauschen. 
Jedes Jahr im Juni findet in Leipzig das Bachfest statt. 사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Das Bachfest

Johann Sebastian Bach, der auch als „Vater der Musik“ bezeichnet wird, arbeitete die letzten 27 Jahre vor seinem Tod als Kantor und Musikdirektor. Er war für die Musik der Thomaskirche und der anderen Hauptkirchen von Leipzig verantwortlich. In der Thomaskirche befinden sich seine Gebeine. Jedes Jahr im Juni findet in Leipzig das Bachfest statt. Es kommen zahlreiche namhafte Künstler*innen und Klassik-Liebhaber*innen aus der ganzen Welt nach Leipzig, um Bach ihre Ehre zu erweisen. Auch während des geteilten Deutschlands brach die Neue Bachgesellschaft nicht entzwei und konnte ihre Einheit aufrechterhalten. So wurde das Bachfest jährlich fortgesetzt und abwechselnd in ost- und westdeutschen Städten veranstaltet – ein Beweis dafür, dass es die Kunst vermag, sich über ideologische und politische Konflikte hinwegzusetzen und Wege der Versöhnung und des Austausches zu finden.
Felix Mendelssohn wurde bereits im Alter von 26 Jahren Dirigent des Gewandhausorchesters.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Die Wiederherstellung der Ehre von Mendelssohn

Felix Mendelssohn wurde bereits im Alter von 26 Jahren Dirigent des Gewandhausorchesters, dem führenden Sinfonieorchester der Stadt Leipzig. Er setzte sich aktiv für die Aufführung von Werken Bachs ein, die in Vergessenheit geraten waren, und trug damit wesentlich zu ihrer Wiederentdeckung bei. Während des NS-Regimes wurden die Werke von Mendelssohn jedoch gezielt ausgegrenzt, da er ein Komponist jüdischer Herkunft war. Auch seine Statue vor dem Gewandhaus wurde von den Nationalsozialisten entfernt und verschwand spurlos. Anlässlich des 200. Geburtstages von Mendelssohn bemühte man sich in Deutschland um eine umfassende Rehabilitation Mendelssohns und um eine gerechte Würdigung seiner musikalischen Leistungen. Die abgerissene Statue in Leipzig wurde ebenfalls mit städtischen und privaten Mitteln wieder errichtet.
 
Die „Löffelfamilie“ ist eine Leuchtreklame am Gebäude des Lebensmittelherstellers VEB Feinkost Leipzig사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Die Auferstehung der ,Löffelfamilie‘

Die ,Löffelfamilie‘ ist eine Leuchtreklame am Gebäude des Lebensmittelherstellers VEB Feinkost Leipzig, der von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Wende in Betrieb war. Errichtet wurde die Werbetafel 1973 zu Zeiten der DDR. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands vernachlässigte man die Löffelfamilie für einige Jahre – bis die Stadt Leipzig beschloss, die Leuchtreklame unter Denkmalschutz zu stellen, anstatt sie abzureißen. Eine Bürgerinitiative wurde beauftragt, die Löffelfamilie zu erhalten und mittels Spenden weiterzubetreiben. Die Werbetafel wird täglich nach Sonnenuntergang für 90 Minuten in Betrieb gesetzt. Danach kann man sie gegen eine Spende von drei Euro für weitere drei Minuten aufleuchten lassen. Dieses Konzept fand großen Anklang bei den Bürger*innen von Leipzig. Auch das Feinkost-Gebäude wurde saniert und dient nun als Raum für vielseitige Kulturveranstaltungen wie z.B. Konzerte, Festivals und Flohmärkte. Neben dem Feinkost-Gebäude gibt es in Leipzig noch eine Reihe weiterer Gebäude aus der ehemaligen DDR, die nach der Wiedervereinigung nicht abgerissen wurden, sondern für die Bürger*innen der Stadt umfunktioniert wurden, um sie für Kunst- und Kulturveranstaltungen zu nutzen – Orte, die von der Logik des Kapitalismus verschont geblieben sind. Man könnte fast sagen, diese Orte sind für Leipzig wie die Luft zum Atmen: Sie machen Leipzig lebendig.

Hypezig in Leipzig

KarLi ist die Kurzform von Karl-Liebknecht-Straße.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

KarLi – der Ausgangspunkt des Leipziger Hip

Die KarLi ist quasi die Geburtsstätte des hippen Leipzig. KarLi ist die Kurzform von Karl-Liebknecht-Straße. Die Straße wurde nach dem prominenten, deutschen Marxisten Karl Paul August Friedrich Liebknecht benannt, der in Leipzig lebte. Als Antimilitarist hatte er sich entschieden gegen die Linie der Sozialdemokratischen Partei ausgesprochen, die eine Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterstützte. So warf man Liebknecht kurzerhand aus der Partei. 1918 gründete er mit anderen Gleichgesinnten die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Die Karl-Liebknecht-Straße aus der ehemaligen DDR behält auch nach der Wiedervereinigung ihren Namen. Die KarLi ist ca. zwei Kilometer lang. Zu beiden Seiten der Straße erstrecken sich unzählige Restaurants, Cafés, Bars, Clubs und andere Kulturstätten. Sie liegt in der Nähe des Stadtzentrums von Leipzig. Da die Mieten relativ niedrig sind, leben hier viele Studierende. So wurde die KarLi auf natürliche Weise zur Szenenmeile für junge Menschen. Die liberale und farbenfrohe Atmosphäre trägt sehr zum Charme der Straße bei.
Gegenwärtig ist Plagwitz einer der angesagtesten Bezirke in Leipzig.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Plagwitz, ein neues Zuhause für arme junge Menschen

Mit der Zunahme an Beliebtheit der Szenenmeile KarLi tritt auch unweigerlich das Phänomen der Gentrifizierung auf. Die Mieten und Unterhaltskosten sind in der hippen Gegend gestiegen und die jungen Leute, die sich diesen Preisanstieg nicht mehr leisten können, mussten ein neues Zuhause finden. Ihr neues Domizil ist Plagwitz. Zu DDR-Zeiten war dieser Bezirk ein Industriekomplex mit vielen Fabriken. Nach der Wiedervereinigung wurden ostdeutsche Unternehmen jedoch oftmals geschlossen und Plagwitz glich eher einer Ruine. Zunächst ließen sich Künstler*innen in den verlassenen Gebäuden nieder, gefolgt von jungen Menschen aus ärmlichen Verhältnissen, die auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen waren. Dadurch veränderte sich der Ort. Gegenwärtig ist Plagwitz – eine weitere Keimzelle von „Hypezig“ – einer der angesagtesten Bezirke in Leipzig, in dem man Leipziger Kreativität und junge Kultur erleben kann.
Die Spinnerei ist ein bekanntes Kunst- und Kulturzentrum in Leipzig.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Von einer Textilfabrik zu einem Mekka der Kunst und Kultur

Die Spinnerei ist aus Plagwitz nicht wegzudenken. Ursprünglich eine große Fabrikanlage in Ostdeutschland, in der Baumwolle hergestellt wurde, ist die Spinnerei gegenwärtig ein bekanntes Kunst- und Kulturzentrum. Bis Anfang der 1990er Jahre soll es die größte Baumwollspinnerei in ganz Europa gewesen sein. Nach der Wiedervereinigung wurde auch diese Anlage geschlossen, die Stadt Leipzig initiierte jedoch gemeinsam mit den Bürger*innen ein Projekt zur Errichtung eines Kunst- und Kulturkomplexes auf dem ehemaligen Spinnereigelände. Zahlreiche Künstler*innen ließen sich mit ihren Ateliers und Galerien hier nieder, darunter auch Neo Rauch, der bekannteste Vertreter der Neuen Leipziger Schule, der bereits 1992 sein Atelier eröffnete. Die Spinnerei entwickelte sich zu einem multikulturellen Raum für Kunst und Kultur, in dem neben der Kunst auch Kreativschaffende aus verschiedenen Bereichen wie Grafik, Mode, Kunsthandwerk, Performances und Film zusammenarbeiten. Als große ehemalige Fabrikanlage, die kommerziell revitalisiert wurde, ist die Spinnerei ein erfolgreiches Beispiel für Stadterneuerung und wird im Ausland, einschließlich Korea, häufig als Modell vorgestellt.
Die Spinnerei Leipzig bietet jedes Jahr im Frühling und Herbst Rundgänge an.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Die Spinnerei-Rundgänge

Ein Rundgang wird von den Kunsthochschulen oder künstlerischen Einrichtungen in Deutschland jährlich für die Bürger*innen veranstaltet und kann als eine Art Kunstfestival verstanden werden. Auch die Spinnerei bietet jedes Jahr im Frühling und Herbst Rundgänge an. An diesen Tag können neben den Galerieausstellungen auch die Ateliers der hier niedergelassenen Künstler*innen besichtigt werden; eine Möglichkeit für die breite Öffentlichkeit, die Spinnerei bis in den kleinsten Winkel nach Belieben zu erkunden. Bei einem Besuch im Atelier kann man sowohl die Werke betrachten als auch den Künstler*innen bei der Arbeit aus nächster Nähe zusehen und über ihre Werke sprechen, was das Kunsterlebnis ganz besonders macht. Aufgrund des attraktiven Angebots ist die Spinnerei bei ihren Rundgängen trotz ihrer großen Fläche voll von Besucher*innen.
In der Spinnerei befindet sich auch das Start-up Accelerator SpinLab.사진(부분): 오정택 © 라이프치히 프로젝트

Der Leipziger Innovationsmotor SpinLab

In der Spinnerei sind nicht nur Kunst- und Kulturschaffende zu Hause. Seit 2015 befindet sich hier auch das Start-up Accelerator SpinLab. Die HHL Leipzig, die Stadt Leipzig und Unternehmen wie Porsche und die Deutsche Bank eröffneten in Zusammenarbeit das SpinLab, um innovative Startups für die Industrie 4.0 zu fördern und auszubilden. In einer geräumigen alten Fabrikhalle arbeiten jungen Menschen an Konzepten zur Unternehmensgründung – sie träumen davon, mit ihren Innovationen die Zukunft zu revolutionieren. Bisher haben über 70 Start-ups an dem SpinLab Accelerator-Programm teilgenommen; mehrere Startups wie Trivago und Nextbike konnten große Erfolge verzeichnen. Das SpinLab könnte somit eine wichtige Rolle dabei spielen, das Unternehmertum in ostdeutschen Gebieten voranzutreiben.
 

„Leipzig Project“

Das „Leipzig Project“ wurde von Koreaner*innen, die in Leipzig leben, gegründet und setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Jung Taeg Oah, Yujin Lee, Chorong Lee, Byeongu Jin und In Hye Choi. Das Ziel des Projektes ist die Suche nach möglichen Modellen für eine Wiedervereinigung Koreas, basierend auf dem Beispiel der deutschen Wiedervereinigung. Dafür haben die Mitglieder drei Jahre lang in Bild und Schrift aufgezeichnet, wie das Leben (Wohnen, Arbeit, Bildung, Kultur etc.) in ostdeutschen Gebieten nach der Wiedervereinigung aussah. Am 9. November 2019, anlässlich des 30. Jahrestages des Berliner Mauerfalls, wurde die Sammlung von Texten und Fotos im Werk „A Week in East Germany: Seven barriers to overcome after reunification“ veröffentlicht.

Top