Social Media Revolution der Kommunikation

Social Media

Mit der steigenden Zahl von Smartphone-Besitzern gibt es auch immer mehr Nutzer von Social Media, vor allem in Korea. Als Teil bilateraler Kommunikation tauscht man Informationen aus und knüpft Beziehungen. Einflussreiche Personen des öffentlichen Lebens, die sich unterschiedliche Social Media wie Facebook oder Twitter zunutze machen, können so nicht nur innerhalb ihrer digitalen Netzwerke Neuigkeiten verbreiten, sondern auch die öffentliche Meinung aktiv mitbestimmen.

Social Media, Medien der Online-Kommunikation

Der Begriff „Social Media“ wurde 2004 auf einer IT-Konferenz zum ersten Mal verwendet und kann wörtlich als „Medien zur gesellschaftlichen Interaktion“ übersetzt werden. Verwendet wird diese Wortneuschöpfung jedoch als Sammelbegriff für frei verfügbare Online-Medien: Jeder kann in diesem Medium aktiv werden und mit anderen kommunizieren.

Smartphones, Tablet-PCs und andere brandneue Informations- und Kommunikationsgeräte sowie die entsprechende digitale Multimediatechnik haben den Weg bereitet für Social Media – und beigetragen zur Entstehung eines neuen sozio-kulturellen Paradigmas. Fast jeder kann heute unabhängig von Ort und Zeit auf das Internet zugreifen, unterschiedlichste Arten von Information abrufen, nicht zuletzt auch selbst produzierte Inhalte („user-generated content“) einstellen, diese mit Freunden und Bekannten teilen und weiterverbreiten. Darüber hinaus ist es auch möglich, zwischenmenschliche Beziehungen online zu pflegen.

Die Entstehung von Verbindungen zwischen den Gesellschaftsmitgliedern durch bilaterale Kommunikation

Social Media stellen eine Online-Umgebung bereit, in der sämtliche Mitglieder der Gesellschaft Informationen frei senden und empfangen sowie aktiv neue Kontakte mit anderen Menschen knüpfen können. Während die Menschen über Social Media Bilder, Videos und Texte miteinander teilen, entstehen neue Kontakte, die dann vertieft und ausgeweitet werden. Je dichter das Kontakt-Netzwerk geknüpft ist, desto schneller können sich Neuigkeiten und Erfahrungen verbreiten und desto größer wird die Einflusskraft der Social Media.

Während das Phänomen Social Media als Mittel zur Verbreitung persönlicher Informationen ein breites Interesse auf sich zieht, verwischt durch diesen unkomplizierten Austausch jedoch schnell die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem. Gleichzeitig übernehmen die neuen Kommunikationsmittel aber auch die Aufgabe, der breiten Masse die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und sozialen Leben zu ermöglichen.

Daher lassen sich Social Media auch als ein Instrument betrachten, das — auf Basis modernster Technik — zur gesellschaftlichen Teilnahme, zu Austausch, Öffnung, Dialog und Gemeinschaft beitragen kann.

Gesellschaftliche Verbreitung der Social Media

Echtzeit-Kommunikation über Smartphones hat in Korea die Zahl der Nutzer von Social Media stark in die Höhe getrieben. In der ersten Jahreshälfte 2012 hat die Zahl der Koreaner, die einen Smartphone-Vertrag unterschrieben haben, die 25 Millionen-Marke überschritten. Auch die Zahl der Nutzer von Social Media ist im Vergleich zu den Vorjahren rapide angestiegen.

Die internationale Unternehmens- und Strategieberatungsfirma McKinsey hat in Korea sechstausend Internetnutzer zu ihren Online-Gewohnheiten befragt und ist zu folgendem Ergebnis gekommen: Die Nutzungsrate von Social Network Services (SNS) ist in Korea mit 70% die höchste unter den 15 Zielländern, größer etwa als in China, Japan und den USA. Der Umfrage zufolge nutzen in Korea etwa 7 Millionen Personen Facebook, etwa 6,4 Millionen Twitter. Ein weiteres Ergebnis besagt, dass 67 % der Nutzer von Social Media dies per Smartphone tun.

Die Verbreitung von Social Media beschränkt sich nicht nur auf die IT-Industrie, sondern umfasst zunehmend auch weite Teile des gesellschaftlichen Lebens. Wie man zuletzt am 19. Dezember 2012 bei der 18. Präsidentschaftswahl in Südkorea sehen konnte, sind Online-Strategien mittlerweile integraler Bestandteil des Wahlkampfes. Sie bestimmen aber auch auf andere Weise mehr und mehr das Wählerverhalten. Sowohl die politische Elite als auch die Wähler haben intensiv von Social Media Gebrauch gemacht, um politische Werbung zu machen und um unter Gleichgesinnten und Unterstützern Zusammenhalt zu stiften.

Zu jeder Meinungsäußerung, zu jeder öffentlichen Diskussion, ja zu jeder Regung der Kandidaten wurden zahllose Kommentare verfasst und ausgetauscht, die sich dann per Retweet multiplizierten. Am Wahltag schließlich haben prominente Schauspieler, Künstler, Nachrichtensprecher und andere Personen des öffentlichen Lebens nach dem Urnengang vor dem Wahllokal posiert, ein „Beweisfoto“ angefertigt und dieses dann verschickt, um ihre Freunde und Follower zum Wählen zu motivieren. Dies führte am Wahltag zu einem dermaßen hohen Anstieg der Daten-Übertragungsrate der Social Network Services, dass nur dank der Notfallpläne der koreanischen Mobilfunkfirmen die Netze stabil blieben. Die Firma KT etwa stellte an diesem Tag 2000 Mitarbeiter für eine konzentrierte Überwachung der Online-Aktivitäten frei und richtete kurzfristig ein Sonder-Einsatzteam ein, das vor Ort bereit stand. Nur so konnten die massiven Datenmengen bewältigt und die uneingeschränkte Kommunikation aufrechterhalten werden.

Meinungsmacher als Nutzer von Social Media und ihr zunehmender gesellschaftlicher Einfluss

Während die Social Media einerseits eine Ära der „Einpersonen-Medien“ einleiten – damit sind Veröffentlichungsformen gemeint, die privat und inoffiziell genutzt werden –, können sich andererseits auch normale Menschen einfacher denn je Zugang zu der Gedankenwelt und den persönlichen Meinungen zu Personen des öffentlichen Lebens verschaffen. Prominente Social Media-Nutzer, die über eine große Zahl von „Unterstützern“, „Fans“ oder sogenannten „Followern“ verfügen, können über ihren Online-Bekanntenkreis nicht nur Informationen verbreiten, sondern auch die öffentliche Meinung beeinflussen.

Eine Studie des Institute of Communication Research der Seoul National University fand heraus, dass der prominente Schriftsteller Lee Oisoo die meisten Twitter-Follower hat — als die Zahl kürzlich die Millionengrenze überschritt, war das eines der wichtigsten Gesprächsthemen im Bereich der Social Media. Menschen, die dank ihrer vielen Follower über Social Media-Netzwerke Meinungen über bestimmte Ereignisse oder Themen beeinflussen können, gelten als Meinungsmacher.

Die Einflusskraft dieser Meinungsmacher wird nicht nur an der Zahl ihrer Follower gemessen, sondern hängt auch von ihrer Retweet- und Update-Frequenz ab — und natürlich davon, wie aktiv die Fans auf ihre Äußerungen reagieren und an den von ihnen angestoßenen Diskussionen teilnehmen. Professor Choe Jae-yeong, Leiter der Korea Social Media Agency, erklärt: „Der gesellschaftliche Einfluss, den bekannte Schriftsteller oder Künstler über ihre Aktivitäten in Social Media ausüben, ist beträchtlich. Eine einzige Zeile kann die persönlichen Werte und Denkweisen des individuellen Followers stark beeinflussen. Aufgrund der starken kollektiven Überzeugungskraft dieser Texte, lässt sich auch eine Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes feststellen.“ Wenn sie über Social Media mit ihren Lesern kommunizieren, können Schriftsteller zudem auf Neuerscheinungen und Veranstaltungen hinweisen, ebenso wie auf Rezensionen. Weil sich Neuigkeiten über Social Media-Kanäle im Vergleich zu den traditionellen Medien sehr viel schneller verbreiten lassen und auch die Reichweite größer ist, ziehen einige Autoren Social Media den traditionellen Werbemedien vor.

Ein Schritt hin zur Entwicklung neuer Kommunikationskanäle

Während die Einflusskraft der Meinungsmacher weiter ansteigt, entstehen aufgrund der Social Media auch negative Phänomene, wie etwa die Verbreitung von falschen oder fehlerhaften Informationen, Online-Angriffe oder Missbrauch privater Informationen. Auch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen, bei denen durch personalisierte Kommunikationskanäle die öffentliche Meinung manipuliert wird. Einige Gruppierungen haben die Social Media auch als effektives Medium zur Hetze gegen Andersdenkende und zum Ausdruck von emotionalem Zorn für sich entdeckt. Darüber hinaus kann beim Austausch privater Details oder persönlicher Meinungen leicht die Privatsphäre verletzt werden.

Trotz ihrer Grenzen in der Anwendung stehen die zahlreichen Möglichkeiten der Social Media aus technischer und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive weiterhin im Fokus der Gesellschaft. Social Media stärken die Bedeutung des „Sozialen“, indem sie, unabhängig von Zeit und Ort, auf breiter Ebene zwischenmenschliche Beziehungen gestalten und grenzenlose Kommunikation ermöglichen. Die Muster partizipativer Kommunikation, die dabei zu Tage treten, entwickeln sich zu einer neuen Form des gesellschaftlichen Austausches.