Seminar zu neuen Lernformen Realitätscheck beim E-Learning

Kaist University

„Mit Deutsch smart unterwegs“ lautete das Motto des Interuni-Seminars, das vom 15. bis zum 18. August 2012 in Kooperation mit dem Goethe-Institut Korea stattfand. Das Seminar stand dieses Mal ganz im Zeichen eines Lernens mit online verfügbaren Inhalten und „Apps“, also praktischen Anwendungen auf dem Smartphone oder dem Tablet, die uns die Orientierung und den Zugang zu Wissen und Unterhaltung erleichtern. Es ist daher an der Zeit einen Blick auf die Gegenwart des E-Learnings zu werfen.

Um es gleich vorwegzunehmen, eine eindeutige Definition, was unter dem Begriff eigentlich zu verstehen ist, gibt es nicht. In der einschlägigen Fachliteratur versteht man darunter entweder allgemein einen Sammelbegriff für jegliche Art des elektronisch vermittelten Lehrens und Lernens, oder man grenzt etwas ein und beschränkt sich auf vernetzte und mediengestützte Lehr- und Lernformen. Im letzteren Fall wird häufig der Begriff Distance Learning bevorzugt. Diese begriffliche Unschärfe kommt nicht von ungefähr, hält man sich vor Augen, welche akademischen Fachdisziplinen sich mittlerweile mit dem E-Learning befassen: Informatik, Pädagogik, Organisationssoziologie und Betriebswirtschaftslehre. Da in diesem Zusammenhang auch verwertungsrechtliche Fragen, etwa das Thema Copyright, an Bedeutung zugenommen haben, sind auch noch die Rechtswissenschaften dazuzurechnen.

Utopien rund um das E-Learning

Ungeachtet dieser definitorischen Schwierigkeiten gibt es heute im deutschen Sprachraum und auch in Südkorea keine Universität, die sich nicht mit dem Thema E-Learning auseinandergesetzt und den Studierenden eine Lernplattform online gestellt, Podcasts von laufenden Veranstaltungen angeboten oder wenigstens einen Download-Bereich für Studienmaterial eingerichtet hätte. Exemplarisch für Südkorea kann an dieser Stelle das Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) genannt werden, das seinen Studenten aus aller Welt mit CyberKAIST eine umfassende Betreuung bietet. Das Thema E-Learning ist populär, und zudem hat ein gutes Online-Angebot durch den globaler werdenden Wettbewerb und Konkurrenzdruck zwischen den Universitäten zunehmend den Status eines Differenzierungskriteriums. Andererseits haben sich viele, wenn nicht die meisten noch bis zur Jahrtausendwende mit dem E-Learning verbundenen Hoffnungen aber auch Ängste nicht erfüllt.

Schon Edison soll prophezeit haben, dass das Radio einmal den Lehrer (beim Sprachenlernen) ersetzen würde, dann kam die Schallplatte (später ersetzt durch CD/DVD), das Fernsehen mit seinen meist unsäglich langweiligen Telekursen, gefolgt vom Computer und schließlich dem Internet. Alle diese Medien versprachen ein zumindest theoretisch zeit- und ortsunabhängiges Lernen, das zudem, da man damit eine größere Masse an Lernwilligen zu erreichen glaubte, auch noch kostengünstiger sein sollte als so genannte „Präsenzveranstaltungen“, wie der herkömmliche Unterricht im Wissenschaftsjargon genannt wird.

Seit dem Aufkommen des Internets mit seiner dezentralen Struktur und völlig neuen Möglichkeiten der Interaktion haben sich solche Erwartungen noch verstärkt. Als dann noch unter dem Schlagwort „Web 2.0“ ein interaktiver und kollaborativer Paradigmenwechsel verkündet wurde, dem zufolge der Internetnutzer nun ganz offiziell nicht bloß als Konsument, sondern auch als ein sich in Gemeinschaften organisierender Produzent zu verstehen sei, haben auch die Fantasien rund um das Computer Based Training (CBT) neuen Auftrieb erhalten. Liest man allerdings die Publikation, die von der Gesellschaft für Medien in den Wissenschaften (GMW) zur Aktualität, Nutzen und Akzeptanz von E-Learning veröffentlicht wurden, dann ergibt sich ein sehr differenziertes und teilweise ernüchterndes Bild, das aber auch zeigt, dass wir erst am Anfang stehen.

Lernen als selbst gesteuerter Prozess

Der wichtigste Grund, weshalb reine Online-Angebote nur geringe Nutzerakzeptanz verzeichnen können, ist grundsätzlicher Art und hat mit der Natur von Lernprozessen zu tun. Der Lernpsychologe Prof. Heinz Mandl nennt sechs Aspekte, die es zu beachten gilt, ganz unabhängig davon, ob man nun Lehrangebote an Schulen, Hochschulen oder berufliche Fort- und Weiterbildungen betrachtet. Lernen ist als ein aktiver, konstruktiver, emotionaler, sozialer, situativer und damit selbst gesteuerter Prozess zu begreifen. Theoretisch liegt dieser Auffassung das Menschenbild des Konstruktivismus zugrunde. Diese seit den 90er Jahren populär gewordene Lehrmeinung vertritt die Auffassung, dass sich ein Lernender sein Wissen immer selbst in Abhängigkeit und in Interaktion mit seiner Umwelt organisiert. Lernen muss somit unweigerlich Selbstlernen sein. Aufgabe einer handlungsorientierten Didaktik ist folglich, solche durch den Lerner selbst gesteuerten Prozesse zu aktivieren. Online-Angebote müssen, wollen sie mehr sein als seelenloser Frontalunterricht, solche sozialen, persönlichen und damit auch emotionalen Bindungen berücksichtigen.

Heute geht man daher davon aus, dass eine optimale Lösung dieser Probleme in einer Mischung von Vorort- und Onlinephasen besteht. Man spricht in Anspielung auf gute Kaffee- oder Whisky-Mischungen vom sogenannten „Blended Learning“. Entsprechend der konstruktivistischen Doktrin liegt genau hierin die große Stärke von aktuellen E-Learning-Lösungen. Lern-Management-Systeme (LMS) bieten heute neben der Möglichkeit, Kursteilnehmer und Termine zu verwalten, Inhalte bereitzustellen, zu vernetzen und zu bewerten, längst auch sogenannte Social Media-Elemente, wie Chats, Blogs, Wikis und Foren – auch Electronic Voting Systems, Online Whiteboards und Video-Konferenzen könnte man hierzu rechnen. Im universitären Bereich sind Blackboard und die Open Source-Entwicklung Moodle die bekanntesten Plattformen. Zumindest der Theorie nach wäre damit ein optimales Umfeld für ein selbst gesteuertes Lernen gegeben.

Realität des E-Learnings

Aber wie die Qualität eines guten Whiskys von der Güte sämtlicher Zutaten abhängt, so ist auch die Qualität von E-Learning-Modulen entscheidend für einen Erfolg in der Praxis. Dies schließt natürlich die mit den Kursen betrauten Lehrer mit ein. Es hat sich gezeigt, dass E-Learning zunächst einmal eine ziemlich teure Angelegenheit sein kann. Die Angaben variieren dabei erheblich. So nennt die Alfred P. Sloan Foundation, die sechs amerikanische Universitäten zu ihren reinen Entwicklungskosten im Bereich E-Learning befragt hat, einen Betrag zwischen 5.000 und 15.000 Dollar pro Kurs, während Unicmind in einer Umfrage unter europäischen Unternehmen Gesamtkosten von 10.000 bis 30.000 Euro pro Lernstunde ermittelt hat. Gerhard Zimmer, der 2005 eine betriebswirtschaftliche Studie zur Situation an deutschen Hochschulen veröffentlicht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass sich ein Kostenvorteil durch das E-Learning erst dann bestätigen lässt, wenn 7.000 bis 8.000 Studierende pro Studienmodul eingeschrieben sind.

Verwunderlich ist das eigentlich nicht, beachtet man, dass schon bei der Implementierung einer E-Learning-Lösung Kosten für Integration und Administration, sowie Lizenz- oder Entwicklungskosten entstehen. Hiernach fallen Kosten für die Konzeption und Entwicklung oder den Erwerb von Lehrinhalten an. Anschließend müssen die Kurse von geschulten Tutoren oder Trainern betreut werden. Speziell der Mehraufwand aufseiten der Lehrenden sollte nicht unterschätzt werden, da sich die Betreuungszeit beim Blended Learning, selbst wenn man die Zeit für die Erstellung der Inhalte nicht mitrechnet, mindestens verdoppelt. Zwar ermöglichen automatisierte Beurteilungen bei Quizfragen und Bewertungsverfahren wie das Peer Grading, bei dem die Kursteilnehmer sich gegenseitig korrigieren und bewerten und so nebenbei auch noch einen Lerneffekt erzielen, eine spürbare Aufwandsreduktion, aber sie ersetzen eben nicht den Lehrer, der für Rückfragen, Erklärungen und weiterführende Erläuterungen zur Verfügung steht.

Dennoch, durch das digitale Vorhandensein der Datensätze entstehen auch Möglichkeiten der statistischen Fehleranalyse, die in einem gewissen Rahmen, solange sich typische Fehler ermitteln lassen, ebenfalls automatisierte Antworten zulassen. Für eine solche Analyse braucht man jedoch Spezialisten. Idealerweise sollten im Rahmen der Qualitätssicherung auch regelmäßig Evaluationen des gesamten Angebots durchgeführt werden. Erst wenn all dies gegeben ist, und gesetzt den Fall, dass sich solche Kurse mehrfach verwerten lassen, entstehen mit der Zeit Kostenvorteile. Es drängt sich daher der Schluss auf, dass die Vorteile von E-Learning zunehmen, je größer und stärker vernetzt Organisationen oder Unternehmen sind.

Aktuelle Entwicklungen an Universitäten

In den USA, dem ehemaligen Pionier in Sachen E-Learning, findet derzeit eine solche Entwicklung statt. Mit edX und Coursera sind dort zwei Courseware-Plattformen online gegangen, die in Kooperation mit mehreren Universitäten entwickelt und finanziert werden. EdX ist ein gemeinnütziges Joint-Venture des Massachusetts Institute of Technology und der Harvard University, die diese als Open Source-Projekt entwickelte Plattform mit insgesamt 60 Mio. Dollar finanzieren. Diesem hat sich dieses Jahr auch die University of California in Berkeley angeschlossen. Coursera ist hingegen ein Gemeinschaftsprojekt von derzeit 16 Universitäten, darunter so illustre Namen wie Standford, Princeton und das California Institute of Technology, das zumindest in Zukunft gewinnorientiert betrieben werden soll. Laut Medienberichten hat Coursera derzeit 900.000 aktive Nutzer. Ein eindeutiger Businessplan existiert jedoch noch nicht. Interessant ist, dass beide Projekte ihr Angebot kostenlos zur Verfügung stellen und als Hauptantrieb für diese Kooperationen die Erforschung von E-Learning nennen. Offensichtlich gibt es noch reichlich Forschungsbedarf.

Im Umgang mit diesen neuen Herausforderungen hat sich in Deutschland ein Mix aus Eigenengagement, Wettbewerben und Förderprogrammen etabliert. Hier vermelden die meisten von der GMW veröffentlichten Studien eine Reihe von positiven Entwicklungen. So verfügt eine Großzahl der Universitäten, die Distance Learning anbieten, über eigene Beratungs- Support- und Kompetenzzentren, die sich auch um die Weiterqualifizierung und Schulung der Mitarbeiter kümmern. Einige Hochschulen, wie die Ruhr-Universität Bochum bilden auch studentische Hilfskräfte zu eTutoren aus, die durch spezielle Trainings im Umgang mit Autorentools die Lehrkräfte entlasten. Es wurden akademische Qualifizierungsangebote geschaffen wie der Masterstudiengang „Educational Media“ der Universität Duisburg oder der „Master of Distance Education“ der Universität Oldenburg. Darüber hinaus haben sich zahlreiche Informations- und Comunity-Portale (bspw. e-teaching.org) und sogenannte Communities of Practice (bspw. moodle.org) gebildet. Auch existieren informelle Sozialformen des Erfahrungsaustausches und Wissenstransfers, wie der E-Lunch der Universität Freiburg oder der E-Learning-Stammtisch der Universität Frankfurt am Main.

Umfragen haben auch gezeigt, dass Wettbewerbe wie der „mediendidaktische Hochschulpreis“ (Mediaprix), der seit 2000 bundesweit vergeben wird und mittlerweile immerhin mit 100.000 Euro dotiert ist, sich als motivierend für die Einführung und Weiterentwicklung von Online-Angeboten ausgewirkt haben. Seit einiger Zeit ist auch ähnlich wie in den USA eine Konzentrierung der Bemühungen zu beobachten. Mit CampusContent, dem Leistungszentrum für E-Learning der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), wurde 2005 eine zentrale Anlaufstelle ins Leben gerufen. Neben einem Portal, in dem sich Interessengemeinschaften austauschen können, bietet CampusContent ein umfangreiches Leistungsangebot an Beratung, Service, Schulung und Information rund um Fragen zu Organisation, Technologie, Recht und Didaktik. Auch wird dort eigene Software entwickelt, von Autorenwerkzeugen bis hin zu einem eigenen Repository-Server, der interessierten Bildungseinrichtungen sowohl ein Dokumentenmanagementsystem wie auch einen Medien- und Streamingserver bietet. Gerade von Vertretern der Open Educational Resources-Bewegung wird ein solcher Server vielfach gefordert, da sich so etwa verwertungsrechtliche Fragen an die Bibliotheken delegieren lassen.

Laut eigener Angabe versteht sich dieses DFG-Leistungszentrum als eine Konsequenz des von 2000 bis 2004 angelegten Förderprogramms „Neue Medien in der Bildung für Hochschulen“ und der Erfahrung aus ähnlichen Förderprogrammen der EU. Dabei seien zwei Problemfelder deutlich zutage getreten. Erstens sei die „Zukunftsfähigkeit der entwickelten Materialien im Alltag" nicht gesichert gewesen, und zweitens fehle es „an systematischen Lösungen, um entwickelte Inhalte verschiedener Produzenten verknüpft und didaktisch sinnvoll in den unterschiedlichen Lernarrangements integrieren zu können.“ Insgesamt lässt sich also im Bereich der Hochschulen ein Trend zur Konsolidierung und Kooperation beobachten. Befürchtungen, dass in Zukunft Lehrangebote durch Online-Kurse von einigen Star-Professoren ersetzt werden, erscheinen dagegen relativ unbegründet. Dies gilt auch für kommerziell ausgerichtete Hochschulen, wie Derek Bok, ehemaliger Präsident der Universität Harvard, in seinem Buch Universities in the Marketplace feststellt. Wichtiger als der Profit seien gerade für Universitäten intellektuelles Renommee, die Fähigkeit interessante Wissenschaftler und gute Studenten anzuziehen und vor allem die Reputation der Uneigennützigkeit und Neutralität der Forschung.

Aktuelle Entwicklungen in Unternehmen

„Mitarbeiter mit E-Learning zu schulen, setzt sich in immer mehr Unternehmen durch“, stellte Michael Schlösser bereits 2010 in der Zeit fest. Voraussetzung dafür sei auch hier, dass die Technik benutzerfreundlich ist und funktioniert, ansonsten hat sie in den Hintergrund zu treten. Beispielsweise haben die Mitarbeiter der Gothaer Versicherungen in einem personalisierten Bereich im Intranet die Möglichkeit sich „Bildungsangebote zusammenzuklicken und auch externe Schulungen der eigenen Bildungshistorie hinzuzufügen.“ Mit Blick auf ein notwendig gewordenes lebenslanges Lernen sind gerade solche Bildungsportfolios ein brandaktuelles Thema. Wichtig ist dabei, sagt Hartmut Jöhnk, Geschäftsführer bei Cegos Deutschland, einem führenden Unternehmen in den Bereichen Kompetenzentwicklung und globales Lernen, „flexibel auf Bedarf, Zeitplanung und Aufnahmefähigkeit des einzelnen Mitarbeiters einzugehen.“ Ludwig Hinkofer und Heinz Mandel bestätigen in ihrem Praxibericht über die Implementierung von E-Learning in einem Pharmaunternehmen diesen Befund. Von Bedeutung ist darüber hinaus, bei der Planung von Web Based Trainings (WBT) das individuelle Vorwissen der Mitarbeiter zu berücksichtigen und die Möglichkeit zu schaffen, bei Problemen einen Berater/Coach zu kontaktieren. Sind diese Voraussetzungen gegeben, entfaltet sich das volle E-Learning-Potenzial, da es ein bedarfsorientiertes, von Zeit und Ort unabhängiges und Ressourcen sparendes Wissensmanagement ermöglicht.

Gegenwart des E-Learnings

Als Fazit lässt sich also festhalten, dass das konstruktivistische Lernparadigma eines selbst gesteuerten und bedarfsorientierten Wissenserwerbs nicht nur in Schule und Hochschule, sondern auch in die Unternehmenswelt Einzug gehalten hat. E-Learning bietet hierzu nicht bloß die Infrastruktur und die notwendigen Werkzeuge, sondern auch die didaktischen Möglichkeiten, individuell und effektiv zu lernen. Voraussetzung dafür ist aber eine detaillierte und langfristige Planung sowie ein professioneller Service.

Trifft der Befund zu, dass wir uns bereits in einer Wissensgesellschaft befinden, in der lebenslanges Lernen eine Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und damit für die „Employability“ von Mitarbeitern ist, dann beobachten wir in der gegenwärtigen Entwicklung im E-Learning wichtige Entwicklungen in Richtung einer Flexibilisierung im Bereich des Wissensmanagements. Als problematisch erweisen sich, zumindest für kleinere und mittlere Bildungsträger und Unternehmen, die hohen Kosten der Anschubfinanzierung und des Unterhalts.

Realitätscheck im Interuni-Seminar

Unter all diesen Gesichtspunkten waren wir dieses Jahr besonders glücklich, mit dem Goethe-Institut Korea einen kompetenten und erfahrenen Partner zur Seite zu haben, der über die Größe und die Ressourcen verfügt auch für den Sprachunterricht ein innovatives Online-Angebot anzubieten. Neben variantenreichen Unterrichtseinheiten zum vertiefenden Selbststudium, aktuellem Text-, Audio- und Videomaterial und umfangreicher Betreuung bietet das Goethe-Institut Korea seit einiger Zeit auch eigene Apps an. Eine dieser Apps, Deutsch Bitte, eignet sich etwa zur Vorbereitung für einen Besuch in einem deutschen Restaurant. Die andere, Himmelsscheibe, ist wesentlich komplexer und bietet den Sprachstudenten ein Lernen in einem immersiven Szenarium. Der Anwender begibt sich in dieser als Abenteuerspiel konzipierten Lernumgebung in die Rolle eines Avatars, der kleine Abenteuer bestehen und Aufgaben lösen muss. Dazu bedient sich der Spieler der deutschen Sprache, wobei er von der App Unterstützung erhält. Vor dem Hintergrund der genannten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lernen bietet ein solches Spiel einen interessanten Lernansatz, da es situative Kontexte simuliert, die den Spieler emotional beteiligen, ihn aktiv fordern, seine Kreativität anregen und ihm so den eigenen Lernfortschritt selbst in die Hand geben.

Im vergangen Interuni-Seminar hatten wir reichlich Gelegenheit, diese innovativen Ideen zusammen mit Studierenden aus Korea, Japan und China zu testen und uns über die Zukunft und die Möglichkeiten des E-Learnings auszutauschen. Insgesamt hat sich dabei gezeigt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer solchen neuen Lernformen sehr offen und empfänglich gegenüberstanden. Da die vorgestellten Apps für beginnende, beziehungsweise leicht fortgeschrittene Deutschlerner konzipiert sind, waren sie natürlich für viele etwas zu leicht. Als sie dann aber im Anschluss an die Vorstellung der Apps eigene Konzepte in Gruppen entwickeln sollten, zeigte sich die volle Begeisterungsfähigkeit für dieses Thema. Wir sahen Apps zur Vorbereitung auf ein Auslandsstudium, zur Planung einer Sprachreise in den deutschsprachigen Raum und zur Eingewöhnung in den deutschen Alltag mit Funktionen wie Veranstaltungskalendern, Tandem-Chats, Suchfunktionen für „Freunde“ in der Nähe, situativen Sprachübungen, Hilfsangeboten bei Problemen und Fragen (etwa dem Planen einer Party oder dem Kochen von deutschen Rezepten) und sogar ein kostenpflichtiger Korrekturservice wurde angeregt. Eine Gruppe entwickelte auch ein Konzept für ein einfaches Sprachlernspiel. Seminare wie dieses zeigen, worauf auch in der Forschung hingewiesen wird: nämlich schon bei der Planung von E-Learning-Angeboten die potenziellen Anwender mit einzubeziehen. Es ist manchmal nichts spannender als ein Realitätscheck.