Finn-Ole Heinrich im Interview Als „staunender, kleiner Mensch“ in Korea

Der Schriftsteller Finn-Ole Heinrich
Der Schriftsteller Finn-Ole Heinrich | Foto: Denise Henning

Finn-Ole Heinrich ist Schriftsteller und Filmemacher. Im Juni 2014 besuchte er zum ersten Mal Korea. Im zuvor geführten Interview berichtet er, wie er sich auf seinen Aufenthalt im Land der Morgenstille vorbereitete.

In einem Interview mit der Zeitung „Die Zeit“ aus dem Jahre 2011 haben Sie den Beruf des Schriftstellers mit dem eines Punkrockstars verglichen: „Eine Punkband muss auch erst mal in 300 Kneipen spielen, bis sie hundert CDs verkauft hat“. Welche Art von „Location“ ist Korea für Sie?
 
Naja, gemeint war, dass man sich als Autor im Regelfall auch erstmal ein Publikum erarbeiten muss. Die wenigsten Autoren schaffen es, gleich mit einem Bestseller und maximaler Aufmerksamkeit zu starten. Der Regelfall ist, dass man lange, lange, manchmal ewig, wenig Publikum hat, viel Aufwand betreiben muss, um überhaupt wahrgenommen zu werden und eben irgendwie überleben zu können ... Ich sprach also weniger vom „PunkrockSTAR“ als vom „Punkrockunterbau“.
 
Korea ist in diesem Sinne auch wirklich gar keine „Location“ für mich. Ich werde mit großen Augen und Ohren kommen. Ich bin noch nie in Südkorea gewesen, kenne mich gar nicht mit der Kultur aus, weiß nichts – und bin unfassbar aufgeregt, dass ich jetzt eine Einladung in dieses mir so fremde Land bekommen habe. Für mein eigenes Befinden bin ich gar nicht beruflich da, sondern als staunender kleiner Mensch, zufällig. Natürlich mache ich auch ein paar Lesungen und Workshops, aber dabei geht es mir wirklich nicht darum, ein Publikum zu finden. Das alles hat nichts mit meinem Berufsleben in Deutschland zu tun. Nur insofern, als es mich als Menschen bereichern könnte und ich viel mit meinem Menschsein arbeite.
 
Die koreanische Sprache ist reich an Bildern und Metaphern, die Koreaner phantasievoll und gewitzt, genau wie Ihre Bücher. Entstehen da besondere Erwartungen gegenüber dem koreanischen Publikum?
 
Wie gesagt: Ich habe gar keine Erwartungen, weil ich gar keine Ahnung habe. Eigentlich, denke ich, sollte ich mich wenigstens ein wenig vorbereiten, aber ich werde es nicht mehr schaffen. Mir fehlt momentan schlicht die Zeit. Ich weiß aber aus der Erfahrung, dass es auch ganz zauberhaft sein kann, wenn man frei von Erwartungen und Vorstellungen auf etwas ganz Neues und Fremdes zugeht. Ich versuche mal, aus der Not eine Tugend zu machen...
 
Ihre Bücher sind nicht nur was für Kinder und dennoch machen sie gerade diesen besonders viel Spaß und schwierige Themen leicht verständlich. Liegen Ihnen die jüngeren Generationen am meisten am Herzen oder steckt vielleicht auch in Ihrem Kopf noch ein Kind?
 
Nein, ich glaube nicht. Ich denke einfach nie nach, für wen ich da nun schreibe. entweder eine Geschichte ist gut oder nicht. Entweder ich habe Lust, mich mit ihr zu beschäftigen oder nicht. Kinder sind mir nicht wichtiger als Erwachsene. Frauen nicht wichtiger als Männer. Es geht um Geschichten, nicht um Zielgruppen. Und Geschichten sind für Menschen, am besten für alle (damit meine ich nicht: für jeden).

Aber bestimmt steckt in meinem Kopf AUCH ein Kind. Ich bin ja lange eins gewesen, ungefähr die Hälfte meines bisher gelebten Lebens. Wäre ja eher komisch, wenn davon nichts mehr in mir wäre...

Herr Heinrich, vielen Dank für das Interview!