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Stiftung Buchkunst
Im Namen der guten Gestaltung

Schöne Bücher vermitteln auch ihre Inhalte besser.
Schöne Bücher vermitteln auch ihre Inhalte besser. | Foto: Carolin Blöink

Die deutsche Stiftung Buchkunst fördert die Buchgestaltung – insbesondere mit Hilfe von drei jährlich durchgeführten Wettbewerben für die schönsten Bücher des Jahres. Die Geschäftsführerin der Stiftung Katharina Hesse stellt die Wettbewerbe vor und erklärt, warum die Gestaltung von Büchern so wichtig ist.

Frau Hesse, warum ist der Stiftung Buchkunst die Förderung des „vorbildlich gestalteten Gebrauchsbuches“ ein so wichtiges Anliegen?

Seit über 50 Jahren ist das Ziel der Stiftung Buchkunst, die Qualität der Buchgestaltung und Buchherstellung kritisch zu begleiten und zu fördern. Warum erwähnen wir explizit das Gebrauchsbuch? Weil wir der Überzeugung sind, dass jeder Inhalt seiner Funktion gemäß bestmöglich transportiert werden sollte, und genau das macht gute Gestaltung aus. Außerdem  wollen wir, dass der Leser nicht nur inhaltliche Freude an der Lektüre hat. Auch das Taschenbuch für den Strandurlaub sollte einen ausgewogenen Satzspiegel und eine sorgfältige Typografie haben, was zu einer besseren Lesbarkeit führt, es sollte ein passendes Papier aufweisen und nicht auseinanderfallen…  Wir bewerten Bücher anhand einer Vielzahl an Kriterien, technisch und konzeptionell. Das gelungene Zusammenspiel aller dieser Faktoren in einem dem Inhalt angemessenen Rahmen macht ein Buch zu einem schönen Buch.

Sie haben insbesondere drei Wettbewerbe, mit denen Sie herausragende Bücher aus dem Vorjahr auszeichnen. Welche Bücher kommen für diese Wettbewerbe jeweils in Frage, und wie laufen die Wettbewerbe ab?

Katharina Hesse Katharina Hesse | Foto: Gaby Gerster Unser Hauptwettbewerb „Die Schönsten deutschen Bücher“ bewertet alle bei uns eingereichten Bücher eines Vorjahres. Die Zulassungsvoraussetzung: die Auflage muss mindestens 500 Exemplare aufweisen und das Buch muss eine ISBN besitzen, also im Handel erhältlich sein. Im Schnitt senden uns Verlage, Gestalter oder Druckereien über 700 Titel ein. Wir berufen eine ehrenamtliche Fachjury, bestehend aus Herstellern von Verlagen und freien Gestaltern, die in einem zweistufigen Verfahren aus allen Einsendungen die 25 Schönsten wählt. Dabei erhält jedes Buch einen Bewertungsbogen, auf dem zahlreiche Kriterien gelistet sind. Diese Bögen werden ausgefüllt und den Teilnehmern am Ende des Wettbewerbes zugesendet. Damit legen wir die Juryentscheidungen offen und geben auch Impulse zum „besser machen“.

Beim „Förderpreis für junge Buchgestaltung“ darf im Grunde jeder mitmachen, der möchte. Hier suchen wir neue Ideen zum Buch. Das Buch von morgen? Innovation! Auch hierfür berufen wir eine Fachjury, die an einem Tag drei Einreicher auswählt, die einen mit 2.000 € dotierten Preis erhalten. Die Jury ist hier deutlich freier im Entscheidungsverfahren, es gelten aber auch hier die klassischen Kriterien für gute Buchgestaltung. Auf technische Perfektion wird allerdings weniger genau geachtet, sind doch viele der Einreichungen erst im Stadium des Konzeptes. Die Hoffnung, dass durch eine Auszeichnung der Stiftung Buchkunst ein Verlag auf die Titel aufmerksam wird, haben wir immer, und in den letzten Jahren ist es auch das ein oder andere Mal gelungen.

Und der internationale Wettbewerb „Schönste Bücher aus aller Welt“? An dem nehmen Partnerwettbewerbe aus mehr als 30 Ländern teil. Sie senden uns ihre Gewinner nach Deutschland und eine internationale Designjury wählt aus mehr als 600 Büchern 14 Siegertitel aus. Für drei Tage kommen wir in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zum gemeinsamen Sichten, Selektieren und vor allem Diskutieren zusammen.  Alle international eingesandten Bücher werden auf den beiden deutschen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt gezeigt. Eine wunderschöne Ausstellung internationaler Buchkunst.

Die Jury des Wettbewerbes „Die schönsten Bücher aus aller Welt 2019“ bei der Arbeit in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig. Die Jury des Wettbewerbes „Die schönsten Bücher aus aller Welt 2019“ bei der Arbeit in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig. | Foto: Carolin Blöink Was gefällt Ihnen denn typischerweise an Büchern?

Für mich ist es  am allerschönsten, wenn ich durch unsere Wettbewerbe ein Buch entdecke, das ich mir normalerweise nie gekauft oder gar angesehen hätte. Wenn Buchgestaltung es also schafft, ein Thema so gut zu vermitteln, dass es nicht nur für die offensichtliche Zielgruppe, sondern für viel mehr Menschen interessant wird. Das begeistert mich. Oder zum Beispiel auch, wenn ich ein Buch in fremder Sprache verstehe, weil die Grafik oder das Design es schafft, dem Betrachter Inhalt, Emotionen oder Stimmungen zu vermitteln.

Auch die Buchgestaltung ist im Laufe der Zeit sicher bestimmten Veränderungen unterworfen…

Allgemein geht es uns weniger um das Aufspüren von Trends, sondern vielmehr um das Aufzeigen möglichst adäquater Buchgestaltung anlässlich eines spezifischen Zwecks, und um innovative Gestaltungsgedanken, die Themen neuartig vermitteln. Das kann auf der einen Seite bedeuten, dass die Gestaltung zeitlos gut sein kann, auch wenn sie schon seit Jahren so praktiziert wird, aber ebenso einen Zeitgeist aktueller Strömungen vermittelt. Ein solcher Zeitgeist kann sich neben offensichtlichen optischen Merkmalen auch viel subtiler, beispielsweise an der Wahl eines möglichst nachhaltigen Materials, abbilden.

Auffällig ist aber, dass sich Bücher weltweit visuell stärker angleichen und Länderspezifika viel weniger präsent sind als noch vor einigen Jahren. Das könnte an der Präsenz unzähliger internationaler Blogs und Social-Media-Kanäle zum Thema Gestaltung liegen. Diese kommunizieren vorwiegend über die äußere Erscheinung und führen in vielen Fällen scheinbar zu einer gegenseitigen optischen Adaption und zu weniger individuellen grafischen Sprachen.

Einige der Preisträger des Jahres 2018

  • „Schwimmt Brot in Milch?“ von Katrin Stangel (ALADIN Verlag, Hamburg) Foto: Uwe Dettmar
    Der Preis der Stiftung Buchkunst ging 2018 an das Kinderbuch Schwimmt Brot in Milch? von Katrin Stangel (ALADIN Verlag, Hamburg).
  • „Song Book“ von Stephan Eichner und Martin Suter (Diogenes Verlag, Zürich) Foto: Uwe Dettmar
    In der Rubrik Allgemeine Literatur wurde unter anderem das Song Book von Stephan Eichner und Martin Suter (Diogenes Verlag, Zürich) prämiert, das neben dem Buch auch eine CD enthält.
  • „America Readers at Home“ (Ludovic Balland u.a., Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich) Foto: Uwe Dettmar
    Bei den Kunst-, Fotobüchern und Ausstellungskatalogen gehörte America Readers at Home zu den ausgezeichneten Büchern (Ludovic Balland u.a., Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich). Der Schutzumschlag des Buches lässt sich ganz einfach als Poster verwenden.
  • „Weit. Ein Reisemagazin“ (Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier, Eigenverlag Weit, Freiburg im Breisgau) Foto: Uwe Dettmar
    Weit. Ein Reisemagazin (Eigenverlag Weit, Freiburg im Breisgau) gehörte 2018 bei den Ratgebern zu den Prämierten. Die Autoren Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier erzählen darin von ihrer Weltreise.
  • „Handbook of Tyranny“ von Theo Deutinger (Lars Müller Publishers, Zürich) Foto: Uwe Dettmar
    Bei den Fach-, Sach-, Schulbüchern und wissenschaftlichen Bücher schaffte es 2018 zum Beispiel Handbook of Tyranny von Theo Deutinger (Lars Müller Publishers, Zürich) unter die Gewinner.
  • „Heimat, Handwerk und die Utopie des Alltäglichen“ von Uta Hassler (Hirmer Verlag, München) Foto: Rolf Wöhrle
    Die Goldene Letter für das schönste Internationale Buch ging 2018 an Heimat, Handwerk und die Utopie des Alltäglichen von Uta Hassler (Hirmer Verlag, München). Der Rücken ist aus Leinwandgewebe, die Buchdeckel aus exotischem Leder.
  • Die Prämierten des „Förderpreises für junge Buchgestaltung“ im Jahr 2018 Foto: Uwe Dettmar
    Die Prämierten des „Förderpreises für junge Buchgestaltung“ im Jahr 2018 (v.l.n.r.): Fluss von Dorothee Waldenmeier (Eigenverlag Dorothee Waldenmeier), Nevertheless. 17 Manifestos, herausgegeben von Andrea Sick, Hochschule für Künste Bremen (Textem Verlag, Hamburg) und Nichtsein. Über Suizide und mögliche Ursachen von Katharina Schwarz (Eigenverlag Katharina Schwarz).
Eine Frage zum Schluss: Ist auch Südkorea bei den „Schönsten Bücher aus aller Welt“ vertreten?

In der Vergangenheit gab es im Rahmen der Seoul International Book Fair Kontakte nach Korea. 2003 und 2010 fanden auf der Messe auch Ausstellungen unseres internationalen Wettbewerbs statt. In den letzten Jahren haben uns leider keine koreanischen Einreichungen mehr erreicht. Wenn es jedoch zu einer neuen Kooperation mit einem Buchgestaltungswettbewerb aus Korea käme, wären wir dem gegenüber sehr positiv gestimmt. Die Tradition der Gestaltungsszene Koreas ist unheimlich beeindruckend, und auch in der aufstrebenden Designgeneration scheint sich viel zu bewegen.
 

Die Stiftung Buchkunst hat ihren Sitz in Frankfurt am Main und Leipzig und verschafft dem vorbildlich gestalteten Gebrauchsbuch vor allem über drei Wettbewerbe – „Die schönsten deutschen Bücher“, „Förderpreis für junge Buchgestaltung“ sowie „Schönste Bücher aus aller Welt“ – ein viel beachtetes Forum. Die prämierten Bücher und die der Short- und Longlist werden auf der Frankfurter Buchmesse ausgestellt. Die Kollektion der „Schönsten deutschen Bücher“ ist außerdem jedes Jahr in Buchhandlungen, Bibliotheken und Universitäten in vielen Orten Deutschlands sowie auf Messen im In- und Ausland zu sehen. In Korea sind die „Schönsten deutschen Bücher“ des Vorjahres jedes Jahr auf der Seoul International Book Fair am Stand des Goethe-Instituts Korea zu sehen.

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