Eiko Tsukamoto:
„Nichtcomponiertes im Raum“

Eiko Tsukamoto © Eiko Tsukamoto Bereits mit fünf Jahren begann die 1986 in Kagoshima geborene Japanerin Eiko Tsukamoto (塚本 瑛子) Klavier zu spielen; aus dieser Zeit stammen auch ihre ersten Kompositionsversuche. Als junge Pianistin beschäftigte sich Tsukamoto vor allem mit dem klassischen Repertoire, bis ihr Kompositionslehrer Toshio Hosokawa sie mit zeitgenössischer Musik bekannt machte. Nach dem Schulabschluss nahm die Japanerin jedoch nicht gleich ein Musikstudium auf, sondern schrieb sich zunächst für Philosophie ein. 2009 zog sie dann nach Köln, wo sie heute die dortige Hochschule für Musik und Tanz besucht. Ihre sprachlichen-philosophischen Vorkenntnisse, mit Schwerpunkt auf Wittgenstein, erleichterten ihr die Eingewöhnung. Neben der Ausbildung an der größten Musikakademie Europas schätzt Tsukamoto nicht zuletzt die Vielfalt der lokalen Musiklandschaft – viele Ensembles und Spielstätten bieten auch jungen Komponisten zahlreiche Aufführungsmöglichkeiten. Einen Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere markiert das Orchesterstück In einem Augenblick, das Eiko Tsukamoto 2011 als Auftragsarbeit zum 25-jährigen Bestehen der Kölner Philharmonie komponierte. Das Stück wurde vom Mahler Chamber Orchester unter Sir Roger Norrington uraufgeführt, und zwar in einem Programm aus Werken, die alle im Alter von 25 Jahren komponiert worden waren. Das Auftragswerk der damals 25-jährige Komponistin brauchte den Vergleich mit ihren „Altersgenossen“ Mozart, Schubert und Britten, nicht zu scheuen. Ihrer Philosophie folgend – Komponieren bedeutet für Tsukamoto „auf eine neue Art darzustellen, wie die Zeit vergeht“ – reflektiert In einem Augenblick die Bedeutung von Momenten. Tsukamoto möchte ihre Komposition erfahrbar machen als „Folge von Punkten, also von mehreren Augenblicken, die zu einem einzigen Augenblick zusammenfließen, die nicht länger die Summe vieler Augenblicke sind.“

„Nichtcomponiertes im Raum“ für Flöte, Klarinette, Horn, Klavier, Geige, Bratsche, Cello, Kontrabass und Schlagwerk

Inspiration Eiko Tsukamoto © Inspiration Eiko Tsukamoto „Den Titel Nichtcomponiertes im Raum, nach einem Gemälde von Paul Klee, hatte ich schon im Kopf noch bevor ich die erste Note geschrieben habe. Das Bild selbst ist sehr eindrucksvoll, aber was mich zu meinem Stück inspiriert hat, war eher, dass Klee diesem extrem konstruierten Bild den auf den ersten Blick paradoxen Titel Nichtcomponiertes im Raum gegeben hat. Sämtliche Bildelemente sowie die Art und Weise, wie sie zusammengestellt sind, ermöglichen unterschiedliche Perspektiven – so entsteht für den Betrachter ein undefinierter Raum. Klee versucht hier, etwas „nichtcomponiertes“ zu erzeugen, er erschafft einen undefinierten Raum, indem er Raum definiert. In diesem Sinne sehe ich das Bild als eine Komposition über die Komposition selbst. Analog dazu versuche ich mit meinem Stück, eine Antwort darauf zu geben, was „Komponieren“ bedeutet. Ich bin damit zugleich Betrachter und Komponist meines eigenen Stückes. Beides verschmilzt während des Niederschreibens des Stückes zu einer Einheit und wird untrennbar, jegliche Meta-Komposition löst sich auf. Letztlich sind meine Noten zwar fixe Punkte in einem Raum, doch die Frage, was „Komponieren“ bedeutet, bleibt ein Rätsel.“