Peng Liu:
„Eclipse II“

Peng Liu Peng Liu | Foto: Peng Liu Peng Liu, geboren 1986, studierte Komposition am Sichuan Conservatory of Music (2006-2015), wo er sein Bachelor- und Master-Studium bei Professor Chang Yingzhong absolvierte. Derzeit ist er Doktorand im Fach Komposition an der musikalischen Fakultät der Capital Normal University in Peking bei Komponist und Pianist Gao Ping. Seine Arbeiten wurden mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Excellence Award der 2. China National Percussion Composition Competition, jeweils mit dem dritten Preis der 7. und 13. SunRiver New Music Competition, dem ersten Preis der Sichuan Opera Music Competition sowie mehreren Preisen von der ASEAN Music Week und dem Festival für traditionelle Musik. Seine Kompositionen umfassen Orchestermusik, Kammermusik, elektronische und dramatische Musik. Sie wurden unter anderem von dem Teana Zheng-Ensemble in Chengdu, dem Jian Kammerorchester in Peking, dem New Zealand Trio, dem New Zealand Quartet und dem PEP in Toronto (Klavier- und Erhu-Projekt) sowie dem Kammer Musek Veräin Lëtzebuerg aufgeführt. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren (2017–2018) wurde er für das Sichuan Opera Music Talents Program und das Music Theory Research Program ausgewählt, die von der China National Art Foundation gefördert werden. Neben der Komposition hat er als Wissenschaftler und Musikkritiker mehrere Artikel in akademischen Zeitschriften veröffentlicht. Zur Zeit hat Peng ein großes Interesse an der Verbindung von traditioneller chinesischer Oper und dem Thema Geister in den westlichen Kompositionstechniken.

„Eclipse II (2018)“ für Flöte, Klarinette, Percussion und Streichquintett

Inspiration Peng Liu Foto: Peng Liu Eclipse II wurde 2018 komponiert. Der Titel bezieht sich wortwörtlich auf die sich verändernden Mondphasen sowie auf das stille Schwinden der Zeit. Aus meiner Sicht ist die Zeit doppeldeutig. Einerseits behält sie in der mikroskopischen Ansicht ihren statischen Charakter, was es schwierig macht, sie zu messen. Im Gegensatz dazu ist beim Vergleich mit einem konstanten Objekt wie dem Mond die Zeitskala in der makroskopischen Betrachtung deutlich sichtbar, wenn das Zu- und Abnehmen mit jedem wiederkehrenden Zyklus den Prozess des Lebens wie stetig wachsende Ringe eines Baumes aufzeichnet. Das Stück besteht aus sechs Abschnitten, die fortlaufend gespielt werden müssen, was den Mondphasen entspricht, und einer Reihe von Tönen, die, basierend auf dem C, aus natürlichen harmonischen Serien extrahiert wurden und im Verlauf des jeweiligen Abschnittes auch zu einem Akkord kombiniert werden können. Sowohl die von mehreren Halbtönen überlagerte fragmentierte Klangfülle als auch die symmetrische Formensprache sind wesentliche Elemente des musikalischen Aufbaus. Im zweiten Abschnitt drückt eine feste Zwölftonsequenz den Änderungsprozess der Mondphrasen aus und erscheint in den folgenden Abschnitten als etablierte Texture, um sich weiter zu verwandeln und miteinander zu verbinden. Durch diesen Mechanismus beginnt die Bedeutung von Struktur Gestalt anzunehmen. Wechselnde Phrasen beziehen sich auf das Vergehen der Zeit und das Timbre der Harmonie offenbart scheinbar ein Gefühl der Nostalgie für die Vergangenheit. Ein mit den verschiedenen acht Abschnitten integriertes Netzwerk von Verbindungen ist schließlich ein Versuch, den Fluss der Gedanken zu erfassen, welchen die Zuhörer erfahren.