Hunjoo Jung :
„I/You won’t/haven’t/hadn’t know[n] Which Door[s] You/I will/do/did open“

Hunjoo Jung Hunjoo Jung | Foto: Hunjoo Jung Hunjoo Jung ist ein in Deutschland lebender Komponist instrumentaler, elektronischer und elektroakustischer Musik sowie intermedialer Installationskünstler. Neben einem Fokus auf Instrumentalmusik hat Jung in den letzten Jahren verschieden komplexe, strukturelle Wege, Visuals, Live-Video und Video-Mapping, Licht und Laser, Sensoren, Aktionen und Objektformen mit Klang im Raum zu verbinden, erforscht.

Seine neuesten Stücke wurden und werden von Ensembles wie Talea, Intercontemporain, Distractfold, Curious chamber players, Mimitabu, Interstring Project, Trio Comet, Adopter, Surplus, Oerknal, Zone Expérimentale, Multilaterale, Barcelona Modern, sowie von Musikern wie Tyler J. Borden vom Mivos Quartet oder Szilard Benes von Ensemble Schallfeld interpretiert.

Jung hat am New England Conservatory of Music studiert (BM), mit Konzertexamen (Soloklasse) an der Hochschule für Music, Theater und Medien Hannover abgeschlossen, war Postgraduate an der Kunstuniversität Graz und ist zur Zeit Doktorand an der University of California San Diego, Department of Music, wo er bereits ein Master-Programm absolviert hat. Zu seinen wichtigsten Kompositionsprofessoren zählen Roger Reynolds, Clemens Gadenstätter und Ming Tsao, sowie im Bereich Computermusik Miller Puckette und Philippe Manoury. Jung erhielt Kompositionsaufträge für Uraufführungen von verschiedenen Festivals wie z.B. Klang (Dänemark), TIME SPANS (USA), Kontakte ’19 (Deutschland), Kalv (Schweden), Sound of Stockholm (Schweden), Tzlil Meudcan (Israel), aNOther Festival (Österreich), Barcelona Modern Music_Sampler Series (Spanien), Spectrum (USA), Crossroads International Music Festival (Österreich). Zu seinen bisherigen Artist Residencies zählen u.a. Harvard University (USA), Akademie Schloss Solitude (Deutschland) und das Avaloch Farm Institute (USA), MWK Niedersachsen (Deutschland), IDEAS (International Digital Exploration of Arts+Science, USA). Er ist zudem Mitbegründer des NeuMERZ Vereins und Kurator der NeuMERZ Konzerttage in Hannover.
 

„I/You won’t/haven’t/hadn’t know[n] Which Door[s] You/I will/do/did open (2019)“ für Flöte, Oboe, Geige und Klavier
 

Inspiration Hunjoo Jung Foto: Hunjoo Jung Dieses Studie über einen (Un-)Bewusstseinsstrom basiert auf Carl G. Jungs Theorie der psychologischen Typen und der konzeptuellen Sensibilität der Gestaltpsychologie.

Das Stück besteht aus einer Reihe musikalischer „Zellen“. Zu Beginn spielen diese ihre jeweilige Rolle, was fast zu einer motivischen Figuration führt, was sich jedoch bald wieder auflöst. Dann werden die Zellen in jedem der aufeinanderfolgenden Momente, eine nach der anderen, wiederhergestellt, was dem Publikum mit seinen Erinnerungen immer wieder neue Räume eröffnen. Im Mittelteil werden die Zellen demontiert, erhalten ihr jeweils eigenes spezifisches Gewicht und erfahren dann eine andere Bedeutung im zeitlich neuen Raum. Anschließend vereinigt, transformiert und modifiziert jede der Zellen die gesamte Verarbeitung. Im letzten Teil öffnet eine Unterbrechung den fortbestehenden dichten Geräuschverlauf hin zu einer neuen Welt und führt in andere Richtungen.

Die dem Stück implizite Gestaltpsychologie legt nahe, dass das menschliche Gehirn dazu neigt, Objekte und Geräusche als Teil eines größeren Ganzen wahrzunehmen. Im Gegensatz zur atomistische Ausrichtung der strukturalistischen Schulen zielt dieses Stück darauf ab, die Erfahrung in verschiedene, nicht miteinander verbundene Elemente zu zerlegen. Diese Folge scheinbarer Bewegungen ermöglicht es dem Publikum, fehlende Informationen in der klanglichen Umgebung selbst zu ergänzen. Die dabei in der Wahrnehmung auftretenden Phänomene beruhen nicht zuletzt auch auf den musikalischen Erfahrungen und dem kulturellen Hintergrund des jeweiligen Publikums. Durch eine Abfolge von Standbildern entsteht die Illusion von Bewegung. Die musikalischen Gesten und Texturen des Ganzen werden nicht von seinen einzelnen Elementen determiniert, vielmehr bestimmt das immanente Wesen des Ganzen dessen Teilprozesse.