Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

2. Mai 2018
Mehr Licht!

Subroto Saha Lesung
Foto: Goethe-Institut Korea/OZAK

Von Subroto Saha. Ein Austauschforum beim Übersetzen hat sich der indische Übersetzer Subroto Saha lange gewünscht. Doch der Austausch zwischen Übersetzerinnen und Übersetzern hat auch seine Grenzen.

Das Merck Social Translating Projekt ist ein neuartiges Konzept und eine experimentelle Initiative. Daher war das Auftakttreffen in Seoul sehr hilfreich. Dort konnte ich mehr über die Hintergründe des Projekts erfahren und meine Gedanken mit den Projektleiterinnen und den am Projekt beteiligten Übersetzerkolleginnen und -kollegen persönlich austauschen. Das Treffen ermöglichte mir, eine Einsicht in das Ziel und den Ablauf des Projekts und in den Umgang mit einem digitalen Diskursraum als Medium zu gewinnen. Die Lesungen aus den Übersetzungen in verschiedene Sprachen und an mögliche Erklärungen von bestimmten witzigen Wortspielen habe ich noch lebhaft im Kopf.
 
Doch nach dem Eintauchen in die Übersetzung dachte ich mir, dass es besser gewesen wäre, wenn jeder vor dem Treffen das ganze Buch gelesen und beim Treffen die wesentlich auffallenden Dinge und offenen Fragen aus seiner eigenen Sicht zur aufklärenden Diskussion gestellt hätte. Dann hätte man schon am Anfang noch bewusster darauf eingehen können, mit welchen konkreten Besonderheiten man später rechnen muss. So hätte ein Beitrag des Autors in seiner Rolle als Übersetzer auch sehr geholfen.
 
Von vornherein bin ich von der Form begeistert, weil ich persönlich häufig eine Art von Austauschforum vermisst habe. Mir war und ist in diesem Fall eines klar: Der Austausch zwischen Übersetzerinnen und Übersetzern gelingt bis zu einem gewissen Punkt, denn die Zielsprachen und Zielkulturen sind unterschiedlich. Außerdem ist man meistens an seinen eigenen Fragen interessiert, was erst mal auch natürlich ist. Die Hinweise und Erklärungen helfen dennoch auch indirekt. Das ist zwar nicht zu unterschätzen, aber jeder Übersetzer muss für sich an einer Stelle eine passende Lösung in seiner Sprache finden, und zwar schnell, auch wenn sie nicht perfekt ist. Da kann er nicht darauf warten, dass eine ähnliche Stelle später wieder etwas deutlicher auftaucht und besprochen wird. Sonst verliert man die Dynamik. Und es soll ja gerade umgekehrt sein, dafür ist die Lectory-Plattform da.

Ein Leser bei der Lektüre des Buches „Die Welt im Rücken“ „Die Welt im Rücken“ ist ein besonderer Roman, der die Übersetzer vor einige Herausforderungen stellt | Foto: Goethe-Institut Korea/OZAK
Es geht hier auch um einen besonderen Roman. Man kann über eine Fülle von Hintergrundinformationen und Erläuterungen verfügen, doch die Übersetzung braucht auf inhaltlicher Ebene letztendlich eine nachvollziehbare Übertragung ohne Verlust, sei es sprachlich oder kulturell. Dabei muss ich als Übersetzer (der manchmal selbst eine Antwort auf Unklarheiten sucht) ständig an meine „einfachen“ (und nicht nur an die mit der westlichen Szene vertrauten) bengalischen Leser denken, denen die Berliner Musik-, Club-, Kultur- und Jugendszene mit all ihren spezifischen Nuancen sowie der westliche bzw. deutsche Kulturraum in diesem Roman größtenteils fremd sind. Namen sind hier nicht einfach Namen, ähnlich ist es auch mit etlichen Begriffen. Es ist schwierig, dies alles als bekannt vorauszusetzen. Entsprechende Umformulierungen eignen sich höchstens an wenigen Stellen, Fußnoten und Erläuterungen in Klammern eher gar nicht. Ohne jeden Behelf scheitert meiner Meinung nach die Übersetzung.
 
Vom Unübersetzbaren ist hier nicht die Rede. Es geht weder um Vereinfachung noch um Ergänzung, sondern um das Verständnis. Die Frage ist, wie viel Freiheit ich hier als Übersetzer haben kann. Meine bisherige Erfahrung mit dem Austausch auf der Lectory-Plattform auf technischer Ebene ist positiv. Die Plattform gibt mir auch eine Orientierung, weil alle Übersetzerinnen und Übersetzer die eine oder die andere Frage stellen können. So ergänzen wir uns gegenseitig. Dass der Autor auch in diesem Raum ist, bedeutet mir noch mehr für die übersetzerische Arbeit. Und ich weiß, immer wenn etwas im Dunkeln liegt, kann ich klopfen und rufen: Mehr Licht!

  Seitentrenner 1

Top