Christian Kracht
Der gelbe Bleistift

Der gelbe Bleistift
© S. Fischer
Ende der 1990er Jahre bereiste der Schweizer Autor Christian Kracht für die Welt am Sonntag verschiedene asiatische Länder; Die Erzählsammlung Der gelbe Bleistift versammelt den literarischen Ertrag dieser Reisen.

Die Rolle des kosmopolitischen Dandys und selbstverliebten Ästhetizisten einnehmend, gelingt es Kracht dabei hervorragend, das prekäre Verhältnis des Reisenden zum bereisten Land zu thematisieren.  Auf der Fahrt im sauteuren Orient-Express durch Malaysia beispielsweise zieht der Erzähler die Lektüre zweitklassiger Agatha-Christie-Romane einer Begegnung mit malaysischer Lebensrealität vor; in Kambodscha kontrastiert er Reflexionen zur Qualität kühlen Importweins mit dem sichtbaren Schmutz der vorbeihumpelnden Bettler.

Indem der Autor beständig die eigene Befindlichkeit ins Zentrum stellt, werden dem Leser lediglich en passant Bildfetzen des bereisten Landes zugespielt, Andeutungen gemacht, Assoziationen ermöglicht. Dabei schreckt Kracht nicht vor einem Drahtseilakt auf der Grenze des politisch Korrekten zurück.  Die – oberflächliche – Begegnung mit dem Fremden wird auf diese Weise als ein Akt narzistischer Selbstinszenierung entlarvt. Dies gelingt Kracht indes auf virtuose Weise: In stilistisch fein gearbeiteter Prosa schafft Kracht Miniaturen von großer formaler Offenheit, die scheinbar ziellos von einer belanglosen Beobachtung zur anderen mäandern und dennoch eine hohe Dichte an Binnenverweisen und thematischen Verknüpfungen enthalten. Ein Genuss für Leser, die Esprit, Eleganz und Ironie zu schätzen wissen.

Christian Kracht wurde am 29. Dezember 1966 geboren. Er stammt aus Saanen in der Schweiz. Er studierte in den USA Filmwissenschaften und arbeitete bei verschiedenen Magazinen, Zeitungen und Journalen. Kracht lebte längere Zeit in Bangkok und bereiste neben asiatischen Ländern auch Afrika und den Südpazifik. Seine Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
 

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