Anna Kim
Die große Heimkehr

Die große Heimkehr
Foto (Ausschnitt): © Suhrkamp, 2017
Die Handlung beginnt in der heutigen Zeit mit Hanna, einer aus Korea adoptierten Österreicherin, die als junge Frau auf der Suche nach ihrer Identität nach Seoul zieht. Dort trifft sie den 78 Jahre alten Yunho Kang, der ihr seine Lebensgeschichte erzählt. In seiner Erzählung beschreibt er die Entwicklung Koreas, von den 40er Jahren unter der japanischen Besetzung durch den Zweiten Weltkrieg hindurch bis hin zum geteilten Korea in den 60er Jahren.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen drei sehr unterschiedliche Charaktere: der nachdenkliche Yunho Kang; sein bester Freund, der draufgängerische Johnny Kim; und die geheimnisvolle und verführerische Eve Moon. Yunho, Johnny und Eva engagieren sich politisch und versuchen ihre Heimat in etwas zu verändern, auf das sie stolz sein können. Bei einer Studentendemonstration tötet Johnny einen seiner Kollegen, der der antikommunistischen Nord-West-Jugend angehört, und die drei Freunde müssen nach Japan fliehen. Sie finden Unterschlupf im koreanischen Viertel von Osaka und müssen sich dort mit einer ihnen bisher unbekannten Form von Nationalismus auseinander setzten: der von Menschen, die außerhalb ihrer Heimat leben.

Durch die manchmal entgegengesetzten politischen Ansichten und Aktivitäten der drei Hauptfiguren werden die historischen Ereignisse auf vielfältige Weise beleuchtet. Um zu beteuern, dass die Erzählung lediglich seine Sichtweise auf die Ereignisse darstellt, sagt Yunho: „Letztlich gehört Geschichte demjenigen, der sich Gehör verschafft.“ Damit bezieht er sich aber nicht nur auf seine eigene Lebensgeschichte, sondern auch auf die Geschichte der beiden Koreas. 

Die österreichische Schriftstellerin Anna Kim wurde 1977 in Daejeon, Südkorea geboren. 1978 zog ihre Familie zuerst nach Deutschland und später nach Österreich. An der Universität Wien studierte sie Philosophie und Theaterwissenschaft. Seit 1999 veröffentlicht sie regelmäßig literarische Werke, ihr erster Roman Die Bilderspur erschien 2004. Sie hat bereits zahlreiche Preise und Stipendien gewonnen, unter anderem das Elias-Canetti-Stipendium (2009) und den Literaturpreis der Europäischen Union (2012).

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