Berlinale-Blogger 2020
Die Stärke von Filmfestivals

Hyejin Lees Arbeitsplatz beim Forum
Hyejin Lees Arbeitsplatz beim Forum | Foto (Detail): Hyunjin Park

Mehr als zehn Tage lang sorgen sie schwer beschäftigt, aber meist unsichtbar dafür, dass Stars und VIPs den Roten Teppich schmücken: die Mitarbeiter*innen des Filmfestivals. Ein Interview mit Hyejin Lee, die die Berlinale 2019 beim Forum Expanded, 2020 beim Forum als Mitarbeiterin erlebt hat.
 

Wie kamst du zur Berlinale, und was ist deine Aufgabe?

An der Filmhochschule, an der ich studiert habe, musste man während eines Praxissemesters einen Projektbericht schreiben. Nach verschiedenen Ideen entschloss ich mich, dass ich gerne etwas mit dem Forum Expanded 2019 machen wollte, und bewarb mich dort. Ich wurde genommen und habe dann dort gearbeitet. Dieses Jahr hat das Forum mich angesprochen, und nach einem Vorstellungsgespräch haben sie mir einen Job angeboten. 2019 habe ich im Programmteam und bei der Pressebetreuung gearbeitet, dieses Jahr mache ich vor allem Gästemanagement. Mein genauer englischer Titel ist „Protocol Officer“.
 
Wie ist es, als Koreanerin bei der Berlinale zu arbeiten?

Es gibt noch einen Deutschkoreaner, aber außer mir gibt es meines Wissens nach bei der gesamten Berlinale sonst niemanden mit koreanischer Staatsangehörigkeit. Aber es gibt mehr internationale Mitarbeiter*innen, als man vielleicht denken würde, und man merkt kaum, dass ich Koreanerin bin. Außer vielleicht, wenn mich Kolleg*innen um Tipps für gute koreanische Restaurants bitten, und als sie mir am Tag nach den vier Oscars für „Parasite“ gratulierten.
 
Mit der neuen Festivalleitungen hat sich manches beim Festival geändert. Merkst du das?

Da ich dieses Jahr in einer anderen Sektion als letztes Jahr arbeite, ist für mich vieles neu. Das hat aber nicht so viel mit Veränderungen beim Festival zu tun. Das einzige, was sich vielleicht geändert hat, ist, dass es mehr Besprechungen gibt: im Team, in der Sektion, mit allen Sektionen zusammen. Dadurch wird es viel besser nachvollziehbar, was die einzelnen Sektionen ausmacht.
 
Wir leben in einer Zeit, in der man Filme auf vielerlei Art sehen kann, nicht mehr nur im Kino. Welche Bedeutung haben da aus deiner Sicht noch Filmfestivals?  

Aus Zuschauersicht die Tatsache, dass man bei einem Filmfestival mit Weltpremieren neue Filme noch völlig unvoreingenommen sehen kann. Bei der Berlinale auch der Punkt, dass die einzelnen Sektionen klare Profile haben und man sehr vielfältige Filme sehen kann. Für die Filmindustrie findet bei der Berlinale der größte Filmmarkt statt, mit dem das neue Jahr beginnt. Und unter künstlerischen und wirtschaftlichen Aspekten haben Filmfestivals auch eine wichtige Rolle als Wegweiser.
 
Als Koreanerin vergleiche ich auch oft die deutsche und koreanische Filmkultur. In Korea ist die Rolle der „Programmkinos“, in denen Kuratoren das Programm gestalten, nicht sehr ausgeprägt. Die Kinokultur ist von den Multiplexkinos bestimmt. Das macht im Umkehrschluss die Rolle der Filmfestivals in Korea noch wichtiger.
 
Gab es bei der diesjährigen Berlinale einen Film, der dich besonders beeindruckt hat und den du weiterempfehlen würdest?

In meiner Rolle muss ich leider ständig per Telefon erreichbar sein und komme kaum dazu, Filme anzuschauen. Aber bei dem koreanischen Film „Time to Hunt“ hatte ich zufällig Zeit und konnte ihn sehen. Ich mag Filme, die ein cineastisches Erlebnis sind, und hatte viel Spa- dabei. Danach war der Stress wie verflogen! (lacht)

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