Berlinale-Blogger 2020
Koreaner*innen auf der Berlinale

Eröffnung der Berlinale
Foto: Hyunjin Park

Ein Filmfestival bringt Filmkunst, die Filmindustrie und Filmfans zusammen. Die koreanischen Beiträge auf der Berlinale 2020 wurden mit großem Interesse und Lob aufgenommen, und der Regisseur Hong Sangsoo erhielt einen Silbernen Bären. Auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale Palast sorgten auch mal K-Pop-Hits wie „Ddu du ddu du“ von Blackpink für Stimmung. Unsere Bloggerin hat Koreaner*innen auf der Berlinale nach ihren Impressionen des diesjährigen Festivals gefragt.

Ein Zuschauer nach dem Kinobesuch
„Als ich noch in Seoul lebte, habe ich zum Jeonju International Film Festival oder dem Busan International Filmfestival meist Urlaub genommen und mal drei Tage, mal eine Woche dort verbracht und so viele Filme wie möglich gesehen. Da ich in Berlin lebe und mein Alltag hier ist, ist das schwerer umzusetzen, aber ich versuche trotzdem jedes Jahr, das Filmfestival mitzunehmen. Ich mag vor allem Kurzfilme, die Berlinale Shorts versuche ich daher so viel wie möglich zu sehen. Und in Berlin kann ich mir nur selten Filme ohne Untertitel anschauen, deswegen schaue ich mir normalerweise die eingeladenen Filme aus Korea an. Dieses Jahr habe ich mir „The Woman Who Ran“ angeschaut. Überraschenderweise waren dort recht wenige Koreaner*innen unter den Zuschauern, das Publikum war eher international. Bei „Parasite“ hatte ich mich auch schon gefragt, ob koreanischer Humor wohl international funktionieren würde, und wir wissen alle, was passiert ist! Bei der Vorführung von „The Woman Who Ran“ war es ähnlich: Manchmal haben die Leute an anderen Stellen gelacht, aber insgesamt kam der Humor gut an.“       
 
Eine koreanische Filmstudentin in Deutschland

„2019 waren mehr Filme aus Korea eingeladen, und mit „Byeol-Sae (House of Hummingbird)“ bekam ein wirklich guter koreanischer Film viel Aufmerksamkeit. Die beiden koreanischen Filme dieses Jahr waren zwar auch hervorragend, aber ich frage mich, ob nicht etwas Vielfalt fehlte. „The Woman Who Ran“ von Hong Sangsoo ist das Werk eines berühmten Regisseurs, und „Time to Hunt“ ist zwar ein inspiriertes Experiment eines jungen Regisseurs, aber die Besetzung besteht vor allem aus männlichen Schauspielern und der Film folgt übliche Genreregeln. Ich habe den Eindruck, dass die Berlinale dieses Jahr bei der Auswahl koreanischer Filme eher auf der sicheren Seite geblieben ist. In der Filmwelt und beim Publikum geht der Trend derzeit zum Richtungswechsel. Also nicht immer die gleichen Filme mit männlichen Polizisten und Verbrechern, sondern mehr Frauenfilme und vielfältigere Themen. Als koreanische Zuschauerin fand ich es daher schade, dass das Filmfestival nicht als gute Chance genutzt wurde, um eine größere Vielfalt an koreanischen Filmen zu zeigen.“
 
Ein Mitarbeiter des Korean Film Councils
„Der Korean Film Council nimmt jedes Jahr mit einem Stand am European Film Market teil und stellt dort koreanische Filme vor. Außerdem organisieren wir die „Korean Film Night“, mit der wir Filmschaffenden einen Ort zum Austauschen und Feiern bieten. Unsere wichtigste Aufgabe ist, durch den Austausch mit internationalen Filmschaffenden Informationen zu sammeln und darauf basierend Strategien zu entwickeln, wie wir den koreanischen Film präsentieren und vorstellen können. Ich bin zum vierten Mal bei der Berlinale dabei. Mit der neuen Leitung wurde das Programm etwas verändert, es fühlte sich auch etwas strukturierter an, und man konnte die Bemühungen merken, das 70. Jubiläum gebührend zu feiern. Und ich konnte bei diesem Festival deutlich spüren, dass das Interesse am koreanischen Film und sein internationales Standing gestiegen sind. Ich habe viele Gratulationen zu „Parasite“ bekommen, und die internationale Filmbranche zeigt sich sehr interessiert und positiv gegenüber Kooperationen mit Korea.“
 
Eine Dolmetscherin
„Ich habe dem Team von „Time to Hunt“ als Dolmetscherin auf der Berlinale geholfen. Dabei habe ich gemerkt, dass wirklich viele Filmschaffende und Zuschauer aus zahlreichen Ländern großes Interesse am koreanischen Film haben. Sie hatten ein viel größeres und tieferes Verständnis vom koreanischen Film als ich erwartet hatte. Welche Motive in koreanischen Filmen häufig vorkommen, wie sich der koreanische Film historisch entwickelt hat, welche Regisseure berühmt sind und welche Trends es gibt – ich war wirklich überrascht, wieviel sie wussten. Mit guter Vorbereitung und offensiver Strategie sollte der koreanische Film einen Boom wir den derzeitigen gut nutzen können.“

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