10 Fragen an
Maximilian Hecker

Maximilian Hecker
© Gutschera & Osthoff

Der Berliner Popmusiker, Songwriter und Autor Maximilian Hecker ist ein Phänomen. Mit seinen ruhigen, melancholischen Pophymnen hat der ehemalige Krankenpfleger und gelegentliche Straßenmusiker besonders in Asien schon seit Jahren eine ständig wachsende Fangemeinde. Warum gerade in Asien seine Musik so erfolgreich ist? „Da ist keine Angst vor großen Gefühlen“, sagt er. Hecker ist Romantiker, durch und durch, und seine Lieder handeln vom „Einssein“ mit sich selbst.

2001 erlangte Hecker internationale Berühmtheit, als die New York Times sein Debütalbum „Infinite Love Songs“ unter die besten zehn Alben des Jahres wählte. Auf dem neuesten seiner sieben Studioalben, „Mirage of Bliss“, das sich vom rauchigen Minimalismus seiner früheren Alben abgrenzt, spielt Hecker mit Brit-Pop-Facetten und orchestralen Dimensionen. Im gleichen Jahr erschien sein schriftstellerisches Debüt, „The Rise and Fall of Maximilian Hecker“, eine Autobiographie, die Heckers Selbstfindung zwischen Europa und Asien schildert.

Bereits 2003/2004 lud das Goethe-Institut ihn auf Welttournee ein. Insbesondere in Südkorea, China, Japan und Taiwan wurde er dabei von begeisterten Zuschauern empfangen, sodass es Hecker seitdem immer wieder in die Region Ostasien zieht. Zuletzt trat er 2013 auf dem Seoul Jazz Festival auf.

 

1. Was ist für Sie „typisch koreanisch“?

Treu, fleißig, distanziert, unnahbar, unergründbar, höflich, zurückhaltend, hyperromantisch, kitschig, träumerisch, genau, diszipliniert, konform, statusbewusst, schönheitsbewusst

2. Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Korea?

Im Frühjahr 2003 war die koreanische Plattenfirma „Pastel Music“ auf mich aufmerksam geworden und hatte mir einen Lizenzvertrag angeboten, da sie meine beiden ersten Alben in Korea veröffentlichen wollte. Meine erste Reise nach Korea folgte dann im Rahmen der vom Goethe-Institut organisierten „Hecker&Morgenstern“-Welttournee: Barbara Morgenstern und ich spielten im Februar 2004 in Seoul in der Pop Con Hall.

Da die Resonanz auf die Veröffentlichung meiner Alben in Korea deutlich größer waren, als ich mir das je erträumt hatte, war mein erster Kontakt mit Korea etwas ungewöhnlich und in gewisser Weise „verzerrt“, denn ich betrat den koreanischen Boden als „Popstar“ und hatte den Eindruck, ich werde in Korea durch einen Brille der Verklärung betrachtet. Das empfand ich zwar als schmeichelhaft und kurios, aber es erschwerte auch zunächst ein neutraleres Kennenlernen Koreas.

3. In welcher Weise hat die Begegnung mit Korea Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Schon auf rein pragmatischer und geschäftlicher Ebene hat die Begegnung mit Korea mein Leben sehr stark beeinflusst. Zunächst bin ich relativ regelmäßig in Seoul, insgesamt sieben Mal bisher, Kontakt mit den koreanischen Geschäftspartnern gehört zu meinem Alltag. Ich hatte demnach viele Gelegenheiten, mich mit Korea und den Koreanern zu beschäftigen.

Darüber hinaus haben mich diese koreanischen Begegnungen im Laufe der Zeit musikalisch inspiriert. Ich spürte auf meinen asiatischen Fernreisen immer eine Art Transformation; meine deutsche, grüblerische, ängstliche Seele rückte in den Hintergrund, und ich fühlte mich plötzlich frei und beinah unantastbar; da gab es eine Quelle in mir, die in Deutschland verdeckt schien. Wie viel dieses Transformationsgefühl mit Korea im Speziellen zu tun hat, kann ich nicht sagen, aber zumindest projizierte ich dieses neuartige Gefühl auf Korea, und daher wurde die von mir erschaffene koreanische Traumwelt zum Gegenstand einiger Lieder.

4. Was war Ihr schönstes Erlebnis in Korea?

Das war mein Auftritt im Sejong Center im Januar 2011. Ich wohnte zu der Zeit in Tokio und reiste nun mit gebrochenem Herzen nach Seoul, das wie eine Oase vom Tokioter Liebesschmerz wirkte. Das Konzert war ein Doppelkonzert mit Rachael Yamagata, und ich verstand mich prächtig mit ihr und ihrer Band, das Sejong Center war atemberaubend, an so einem Ort hatte ich bis dahin noch nie gespielt, und schließlich lernte ich im Backstage den Fotografen Kim Jung-Man lernen, der mir in Liebesdingen mit Rat beiseite stehen konnte, und dessen ruhige, beseelte und väterliche Art mich zumindest für einige Zeit trösten konnte.

Das Konzert war eines der besten, das ich je gegeben habe. Ich spürte keine Aufregung, fühlte mich trotz der vielen Zuschauer nicht beobachtet, war ganz bei mir und spielte wie in einer Blase, geschützt vor dem Herzschmerz und dem rauen Alltag.

5. Haben Sie einen Lieblingsort in Korea?

Das InterContinental Seoul Coex, Garuso-gil, das B One in Itaewon, die Apgujeong Rodeo Street und Hongdae.

6. Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?

Das kann ich gar nicht sagen. Selbst wenn es Dinge gäbe, die mir missfielen, so hätte ich nur begrenzte Möglichkeiten, sie zu ändern. Deshalb versuche ich, alles so zu akzeptieren, wie es ist.

7. Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Ich arbeite an neuen Liedern, an Prosatexten, und ich habe begonnen, mich hobbymäßig mit dem Filmen zu beschäftigen.

8. Was sind drei Dinge ohne die Sie nicht auskommen, die Sie immer bei sich haben?

Taschentücher, Zahnseide, eine Festplatte mit all meinen Dateien.

9. Welche Kulturleistung aus Korea beeindruckt Sie am meisten?

Ich bewundere die Schönheit und das Schönheitsbewusstsein der traditionellen koreanischen Kleider und der traditionellen koreanischen Bauten. Auch die ausgeprägte, hingebungsvolle Esskultur ist erstaunlich und für mich als Deutschen in dieser Art eher ungewohnt. Zudem liebe ich die die Filme von Kim Ki-Duk, insbesondere Bin-Jip. Außerdem gefällt mir die Musik der Band Nell sehr. 

10. Wie schmeckt Korea?

Viele Speisen, z. B. Bulgogi, werden süß mariniert, das gefällt mir sehr. Diese Kombination aus Soja und Zucker stellt für mich den vorherrschenden Geschmack dar. Mein Lieblingsgericht aber ist Samgyeopsal.

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