10 Fragen an
Florian Riem

Florian Riem
© Florian Riem

Der 1968 in München geborene Florian Riem ist Ostasien schon seit längerem verbunden. Nach dem Musikstudium in München und den USA schlug Riem eine Karriere im Musikmanagement ein, die ihn 2005 als General Manager des „Orchestra Ensemble Kanazawa“ nach Japan führte. Es folgte eine Station bei der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, bevor Riem Anfang 2014 eine neue Aufgabe in Südkorea übernahm: als CEO der Tongyeong International Music Foundation (TIMF).
 
Die Küstenstadt Tongyeong ist Heimatstadt des deutsch-koreanischen Komponisten Isang Yun. Vor diesem historischen Hintergrund konnte sich Tongyeong in Korea als Mekka der zeitgenössischen Musik etablieren. Seit 2002 findet jedes Frühjahr das „Tongyeong International Music Festival“ statt, 2013 wurde der Asian Composers Showcase des Goethe-Instituts Teil des Festivals. In der 2013 eröffneten Tongyeong Concert Hall gibt es ganzjährig Konzerte. Mit Florian Riem ist nun ein Deutscher nach Tongyeong gekommen – wir haben ihn nach seinen Eindrücken nach einem Jahr in Korea gefragt.

1. Was ist für Sie „typisch koreanisch“?
Schwierige Frage. Da gibt es so viel zu sagen... Südkorea ist für mich zweigeteilt: es gibt Seoul, und es gibt den Rest des Landes. Das ist nicht das Gleiche. Ich wohne in Tongyeong, ganz im Süden, und jeder Koreaner, egal wo, reagiert darauf mit Schock und Unverständnis, dass man als Ausländer dort wohnen kann.
 
2. Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Korea?
Ich habe lange Zeit in Japan gelebt und habe dort auch Deutsch unterrichtet. Unter meinen Schülern war eine Koreanerin, von der ich viel über Korea gelernt habe.
 
3. In welcher Weise hat die Begegnung mit Korea Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?
Ich bin hierhergekommen, um ein neues Kulturzentrum bzw. einen neuen Konzertsaal zu eröffnen und dessen Kulturprogramm aufzubauen. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben.
 
4. Was war Ihr schönstes Erlebnis in Korea?
Zu einem unserer ersten Konzerte hatten wir über 1000 Grundschüler eingeladen. Die sahen sich zum ersten Mal in ihrem Leben einem Sinfonieorchester gegenüber. Nach diesem Erlebnis haben wir unser Education-Programm aufgebaut, ein Programm, das sich auch im internationalen Vergleich nicht zu verstecken braucht.
 
5. Haben Sie einen Lieblingsort in Korea?
Yokjido Island. Nur eine Handvoll Touristen fährt dorthin, weil es weit und schwer zu erreichen ist, aber die Insel ist ein Traum!
 
6. Auf was könnten Sie in Deutschland gerne verzichten?
Nach fünf Jahren am Bodensee mit Schmuddelwetter von November bis April empfinde ich es jeden Tag als ein Geschenk, bei blauem Himmel und auf dem Meer glitzerndem Sonnenschein aufzuwachen.
 
7. Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?
Unser Festival steht kurz bevor, das ist die anstrengendste Zeit des Jahres für mich. In diesem Jahr präsentieren wir ein Festivalorchester mit Musikern aus Korea, China, und Japan. Das ist in dieser Zeit ein spannendes Projekt!
 
8. Was sind drei Dinge ohne die Sie nicht auskommen, die Sie immer bei sich haben?
Als Chef in Korea macht die Arbeit vor dem Wochenende nicht halt. Ich habe meinen Laptop und damit mehr oder weniger mein ganzes Büro immer dabei. Ein Buch gehört auch dazu, in letzter Zeit öfters eines von Haruki Murakami. Und Laufschuhe zum Joggen, mit denen man abends den Stress des Tages wunderbar hinter sich lassen kann.
 
9. Welche Kulturleistung aus Korea beeindruckt Sie am meisten?
Mit seinen jungen Künstlern im Musikbereich hat Korea ein unglaublich hohes Niveau erreicht. Es gibt fast keinen internationalen Musikwettbewerb auf der ganzen Welt, bei dem nicht ein oder mehrere Koreaner unter den Preisträgern vertreten sind.
 
10. Wie schmeckt Korea?
Viele Koreaner fahren nach Tongyeong, um dort Seafood zu essen. Es ist wirklich hervorragend, sehr frisch, und ganz anders als in Seoul, allerdings nicht selten auch etwas gewöhnungsbedürftig. Zudem kommen 80% aller koreanischen Austern aus Tongyeong, und daher gibt es überall Austern, selbst im Grillrestaurant zum Samgyeopsal (gegrillter Schweinebauch).

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